Vor genau 50 Jahren gründete Otmar Bauer einen kleinen Fußbodenleger-Betrieb im damals noch eigenständigen Kothen. Zunächst war er alleine unterwegs, 1971 stellte er den ersten Lehrling ein, es ging immer weiter bergauf, und die Söhne Klaus und Christoph stiegen als Geschäftsführer ein. Als 1986 der bisherige Firmensitz im Elternhaus am Quackhof zu klein war, musste eine Entscheidung her: Zur Auswahl standen Gewerbegebiete, vielleicht sogar nah an einer größeren Stadt, oder das leer stehende Anwesen einer Tante in der Ortsmitte. Die Bauers sind in Kothen geblieben - und haben die Entscheidung nie bereut.

"Wir haben uns für die Heimat entschieden, weil wir hier auch verwurzelt sind", sagt Klaus Bauer. Zwar sei die Lage im Ort direkt an der B 27 noch ganz gut, aber: "Motten ist so der Blinddarm des Landkreises", braucht man auf Laufkundschaft zwischen hessischer Landesgrenze und Truppenübungsplatz nicht zu hoffen. Trotzdem ist Fußboden Bauer erfolgreich: "Wir haben heute 15 Mitarbeiter", berichtet Klaus Bauer stolz. Aktuell ist die Isle of Man in der irischen See die entfernteste Baustelle, in ganz Deutschland und bis nach Italien sind die Mitarbeiter unterwegs.

"Man muss mit den Leuten ehrlich umgehen", nennt Klaus Bauer eines der Erfolgsrezepte, dann könne ein Fußbodenleger selbst in Kothen bestehen. Ein Baustein ist die bereits mehrfach preisgekrönte Homepage www.fussboden-bauer.de, aber: "Die beste Homepage bringt nichts, wenn ich aus der Garage heraus verkaufe." Deshalb sind in Kothen auf mehreren hundert Quadratmetern mehr als 1000 Muster ausgestellt.

"Die Kunden wollen die Produkte anfassen und spüren", berichtet Bauer. Dafür nehmen sie auch weite Wege auf sich, wie ein Ehepaar aus dem Raum Mainz, das in Speicherz übernachtete und am Samstagmorgen zur Beratung kam. "Wer kein echtes Interesse hat, kommt erst gar nicht", sieht Christoph Bauer durchaus auch Vorteile darin, dass die Laufkundschaft ausbleibt und die Kunden extra nach Kothen fahren. Besonders wichtig sei deshalb die Mund-Propaganda.

"Wir würden wieder ins Dorf gehen", lautet das klare Bekenntnis von Klaus Bauer. Dabei spielt eine große Rolle, dass auf dem ehemaligen Bauernhof rund 3000 Quadratmeter Platz ist. Eine große Beeinträchtigung für die umgebende Wohnbebauung gibt es nicht: "Wir laden früh ein, dann sind die Arbeiter den ganzen Tag unterwegs."

Für den Mottener Bürgermeister Jochen Vogel ist der Betrieb ein Glücksfall: "Der Erfolg zeigt ja, dass sie gut aufgestellt sind", ist er auch sicher, dass der Betrieb noch lange den Ortsteil belebt. Neben der Gewerbesteuer ist für Vogel besonders wichtig, dass die meisten Mitarbeiter aus der Gemeinde kommen.

Laut Verena Mörsner, Innenentwicklerin des Landkreises, sind die Bauers "etwas ganz Besonderes". Vor allem zeige der erfolgreiche Betrieb in einem historisch gewachsenen Ortskern "die Vielfältigkeit der Innenentwicklung". Deshalb sollten Kommunen bei der Erfassung der Leerstände auch Rahmenbedingungen wie die Bebauungspläne mit erfassen, lautet ihr Tipp.