Nach über einem Jahr teils heftiger Diskussionen hat sich das bayerische Kabinett am Dienstag in der Frage eines dritten Nationalparks auf einen Favoriten geeinigt. Wobei: Genaugenommen sind es zwei Favoriten. Die Rhön und die Donau-Auen kommen in die engere Wahl für einen dritten Nationalpark in Bayern.

Der Spessart und der Frankenwald als mögliche Standorte sind damit nun endgültig vom Tisch. Diese in den vergangenen Tagen schon mehrfach so kolportierte Entscheidung gab das bayerische Kabinett nach einer Sitzung am Dienstag in München bekannt. Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) kündigte zudem die Initiative "Natur.Heimat.Bayern" an, um den Natur-, Arten- und Landschaftsschutz "durch ein breit gefächertes Bündel von Maßnahmen für ganz Bayern" zu stärken.

Die Ministerin begründete die Entscheidung des Kabinetts nach dem bisherigen Nationalpark-Dialogprozess damit, dass die Auen zwischen Neuburg und Ingolstadt eine "einmalige, naturschutzfachlich besonders wertvolle Fluss- und Auenlandschaft" seien.

Für die Rhön soll nun in den kommenden Monaten eine "fachliche Prüfung aller möglichen Optionen eines länderübergreifenden Nationalparks" vorgenommen werden, hieß es. Darauf hätten sich Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und sein hessischer Amtskollege Volker Bouffier (CDU) am 7. Juli dieses Jahres geeinigt. Damit sei aber "keine Entscheidung vorweggenommen oder ein förmliches Verfahren eingeleitet", erläuterte Scharf.


Umfrage auf inFranken.de: Fast die Hälfte grundsätzlich gegen Nationalpark

Das Thema Nationalpark ist seit Monaten ein Streitpunkt - sowohl im Landtag auch in den betroffenen Regionen vor Ort. Das zeigt sich auch auf inFranken.de: Bei einer Umfrage können unsere Leser seit Montag darüber abstimmen, in welcher Region ihrer Meinung nach der Nationalpark entstehen soll. Bis zum Dienstag, 12.30 Uhr, haben 763 Menschen an der Umfrage teilgenommen.
Fast die Hälfte aller Leser (48 Prozent) war dabei der Meinung, dass es überhaupt keinen dritten Nationalpark geben sollte. Immerhin 26 Prozent der Stimmen bekam die Rhön - und ist damit auch der Favorit unserer Leser. Auf dem letzten Platz landeten die Donauauen mit sechs Prozent.


Begründung: Warum die anderen Kandidaten ausgeschieden sind

Der Frankenwald scheide laut Landesregierung aus der Nationalpark-Suche aus, weil wegen der Fichtenbestände die Gefahr bestehe, dass sich der Borkenkäfer dort nach Umwandlung in einen Nationalpark ausbreite. Eine Bekämpfung des Waldschädlings zum Schutz der eng verzahnten Privatwaldflächen sei in diesem Fall nicht möglich. Das Aus für den Spessart mit seinen alten und aus naturschutzfachlicher Sicht wertvollen Laubwäldern begründete die Ministerin damit, dass private Eigentumsrechte durch die Einrichtung eines Nationalpark nicht beeinträchtigt werden. Diese Voraussetzung sei im Spessart "wegen der Vielzahl von individuellen Holznutzungsrechten" nicht gegeben. Auch befürchte man Nachteile für die Holzwirtschaft.

Der Nationalpark-kritische Verein "Wir im Spessart" begrüßte die Entscheidung des Kabinetts. Der CSU-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Vereins, Peter Winter, sagte, er freue sich, dass Ministerpräsident Seehofer, Umweltministerin Scharf und das ganze Kabinett "unseren Argumenten gefolgt ist". Der Verein stehe auch der Schaffung eines Biosphärenreservats kritisch gegenüber, teilte Winter weiter mit.