In den Ferien hat Manuela Kriesel mit ihrer Tochter Nina den Schulweg geübt. Die Mutter erklärte der Sechsjährigen, wie sie zur Bushaltestelle in der Gregor-Stolz-Straße kommt. Nun muss sie von Neuem anfangen. Denn seit Dienstag gibt es die Haltestelle nicht mehr. Nina muss jetzt etwa 300 Meter weiter zur Haltestelle in der Von-Erthal-Straße laufen.
"Die Einschulung war für unsere Tochter schon eine Umstellung und jetzt kommt auch noch das. Das hat unsere Tochter überfordert", sagt Kriesel. Sie kann nicht verstehen, warum die Haltestelle aufgelöst wurde. Zwar würden jetzt nicht mehr so viele Schüler die Bushaltestelle nutzen wie früher, doch kämen in den Kommenden Jahren neue Kinder dazu. Kriesel ist nicht allein mit ihrer Meinung. Manch ein Anlieger spricht sogar von einer Nacht- und Nebelaktion.
Die Grundschule Hammelburg ist laut Rektorin Simone Albert am Freitag, 21. September, über die Auflösung der Haltestelle informiert worden. Am Montag wurde den Schülern ein Rundschreiben für die Eltern ausgeteilt.
"Alle haben rechtzeitig Bescheid gewusst. Es gab einen Vorlauf von fünf Tagen", erklärt Claus Schubert, Geschäftsführer des Busunternehmens KOB, auf Nachfrage. Am Mittwoch vor einer Woche seien die Faxe an die zuständigen Stellen geschickt worden. Die Bushaltestelle in der Gregor-Stolz-Straße sei eine Entlastungsbushaltestelle gewesen, die jetzt nur noch von sieben Kindern benutzt worden sei. Daher sei die Haltestelle aufgelöst worden. Eine solche Umstellung sei auch nur am Schuljahresanfang oder zum Fahrplanwechsel möglich.
"Unsere Philosophie ist es, aus Sicherheitsgründen möglichst viele Sitzplätze anzubieten", führt Schubert aus. Der Betrieb setze daher 15 Meter lange Busse ein. Für die sei die Gregor-Stolz-Straße aber zu eng. Schubert weist auch darauf hin, dass die Haltestelle in der Von-Erthal-Straße ein Häuschen und einen angehobenen Bordstein hat. Außerdem würden einige Kinder jetzt nicht mehr auf Höhe der alten Tankstelle über die Bundesstraße 27 laufen.
Dass ihre Tochter jetzt mit größeren Kindern an der Bushaltestelle in der Ortsmitte warten muss, gefällt Kriesel nicht besonders. Ihr geht es nicht darum, dass der Weg für ihre Tochter jetzt etwas länger geworden ist, wie sie sagt. Sie und die Anlieger wundern sich vor allem, dass die Haltestelle nach vielen Jahren nun verschwunden ist. Manch einer fühlt sich bei der Entscheidung übergangen.