Von weitem sehen die rostigen Metalldrähte aus wie dünne Ästchen. Gebogen und ineinander verflochten. Doch Holz oder Moos sucht man in dem Nest vergebens. Aus dicken und dünnen Drähten hat ein Vogel sein Heim in 15 Metern Höhe auf einer Astgabel gebaut. Der Baum gehörte bis vor kurzem zum Garten von Karlheinz Müller in Haard. Am Wochenende hat er die Douglasie gefällt und ist auf den ungewöhnlichen Nistplatz gestoßen.

Enkel entdeckte das Nest

Sein Enkel hat die Entdeckung zuerst gemacht. "Opa, guck mal, da ist unser ganzer Draht", hat er gerufen, erzählt der 66-Jährige. Zwar habe der sich ab und an gewundert, wo der Draht auf der Erde unter dem Baum herkam, aber weiterverfolgt habe er das nicht. "So etwas habe ich vorher noch nie gesehen", sagt Karlheinz Müller. Seit vielen Jahren hat er Elstern im Garten. Im vergangenen Herbst erst habe er 16 Stück gezählt. Momentan fliegen noch sechs durch seinen Garten. Sie vermissen die Bäume, die er gefällt hat, meint er. Dass das verlassene Nest eine Elster gebaut hat, ist für ihn klar. Von dem Draht-Klau habe er zwar nichts mitbekommen, aber "man weiß ja, dass Elstern silberne Dinge sammeln". Dabei hätten die Vögel weitaus bequemere Bauteile im Garten von Karlheinz Müller finden können. Das Angebot gebe es auf der großen Wiese. Im Winter dürfen die Kindergartenkinder von nebenan sogar den Hang hinter dem Haus in der Burgstraße hinunterrauschen. Doch der Vogel entschied sich für rostige Drähte mit spitzen Enden und arbeitete sie in sein Nestgeflecht ein. "Wir tun uns sogar manchmal schwer, den Draht so hinzubiegen wie wir ihn brauchen", sagt der 66-Jährige erstaunt.

Elstern bauen nicht ordentlich

"Die Vögel nehmen was sie kriegen und was sie finden", sagt Franz Zang. Er ist Vorsitzender der Bad Kissinger Kreisgruppe des Bund Naturschutz und wundert sich wenig über den Fund. Das zerrupfte Nest könnte von Elstern stammten, denn "die sind nicht sehr ordentlich", meint Franz Zang.

Karlheinz Müller will das Vogelnest noch einem befreundeten Förster zeigen und dann auseinander nehmen, bevor der Ast im Ofen landet und verheizt wird. "Schade, einen Goldring oder so etwas hab` ich bis jetzt noch nicht im Nest gefunden", sagt der 66-Jährige und lacht.