Spektakuläre Entwicklung im Fall der Bad Kissinger Eissporthalle: Wie die Deutsche Welle (DW), der Auslandsrundfunk der Bundesrepublik Deutschland, berichtet, wird Hallenbesitzer Alexander Kondrashov in seinem Heimatland Ukraine seit zweieinhalb Jahren mit Haftbefehl gesucht. Die Vorwürfe: Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und Machtmissbrauch.

"Überraschung für die Bayern - ein Investor entpuppt sich als Janukowitschs 'Finanzbeamter'", ist auf ukrainisch der Artikel überschrieben, der seit Montagmorgen (23. Dezember) den Internetauftritt der DW ziert. Es schließen sich - in den Text eingebettet - zwei nette Bilder aus der Stadt und ein Facebook-Screenshot von der Unterzeichnung des Hallen-Kaufvertrags vom 27. Juli 2017 mit lächelndem OB Kay Blankenburg, Kondrashov und anderen an. Welch krasser Gegensatz zu dem Fahndungsaufruf des ukrainischen Innenministeriums vom Mai desselben Jahres, der sich weiter unten findet.

Laut DW-Artikel war Alexander Kondrashov höchster Steuerbeamter der jetzt von Russland besetzten Halbinsel Krim. Er soll ein Vertrauter von Alexander Klimenko, 2012 bis 2014 Minister für Einnahmen und Steuern in der Regierung Viktor Janukowitsch, gewesen sein. Dem 2014 abgesetzten Präsidenten der Ukraine wird wiederum systematische Veruntreuung, Bereicherung und Hinterziehung von Steuergeldern vorgeworfen. Klimenko und Kondrashov sollen Teil dieses korrupten Systems gewesen sein, zu dem Minister, Geschäftsleute, aber auch Staatsbeamte gehörten.

Kondrashov selbst wurde laut Artikel 2013 Teil dieser Organisation. "Laut ukrainischer Staatsanwaltschaft missbrauchte er seine Befugnisse und organisierte Steuerhinterziehung in großem Stil." Umgerechnet etwa 37 Millionen Euro Schaden für den ukrainischen Staat würden ihm zur Last gelegt. Dennoch dürfte Kondrashov wohl mehr ein Rädchen im Getriebe und kein Hauptakteur sein. Insgesamt soll die Organisation Janukowitsch über nahestehende Unternehmen , die fällige Mehrwertsteuer hinterzogen, rund zehn Milliarden Euro Schaden angerichtet haben.

Wie es auf der Internetseite der Deutschen Welle weiter heißt, stehen derzeit in der Sache "Kriminelle Organisation Janukowitsch" insgesamt 25 mutmaßlich Beteiligte vor Gericht. Urteile sind noch keine gesprochen.

Auch dem Besitzer der Bad Kissinger Eissporthalle drohen nun wegen Machtmissbrauchs und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung bis zu zwölf Jahre Haft, heißt es im DW-Artikel. Der Ukrainer sei abgetaucht, habe vermutlich sein Heimatland seit längerem nicht mehr betreten. Der DW vorliegenden Gerichtsdokumenten zufolge habe ein Gericht in der ukrainischen Hauptstadt Kiew im Februar 2019 einen internationalen Haftbefehl erlassen.

In Deutschland tritt der Gesuchte "ganz normal" in der Öffentlichkeit auf. Das belegen zwei Pressetermine mit dieser Redaktion im November 2018 und im Oktober dieses Jahres sowie die Besichtigung der Bad Kissinger Eissporthalle mit OB und Vertretern der Kissinger Wölfe, ebenfalls im Oktober.

Was bemerkenswert ist: Nach Alexander Kondrashov wird laut öffentlicher Datenbank des ukrainischen Innenministeriums national bereits seit 29. Mai 2017 gefahndet. Das war wenige Wochen, bevor er zur Unterzeichnung des Kaufvertrages im Bad Kissinger Rathaus erschien. Hätte die Stadtverwaltung wissen können, mit wem sie sich da einlässt?

Pressesprecher Thomas Hack sagt auf Anfrage: "Wir haben damals mit der in Gründung befindlichen Bad Kissinger Eissport-GmbH einen Vertrag geschlossen, nicht mit einer speziellen Person." Das sei eine Firma gewesen, die sogar in der Kurstadt ansässig sei.

Warum Alexander Kondrashov die Eissporthalle überhaupt kaufte, darüber lässt sich spekulieren. Als Geschäftsführer der Eissport-GmbH hätte er normalerweise das Recht auf einen Aufenthaltstitel in Deutschland. Informationen, nach denen der Ukrainer einen solchen Titel nie beantragt hat, ließen sich beim Landratsamt Bad Kissingen nicht nachprüfen. In der Pressestelle war niemand erreichbar. Eventuell war das eine Art Plan B für den in seinem Heimatland Gesuchten, den er - warum auch immer - nicht benötigte. Der Weg zum Aufenthaltstitel ist kompliziert. Man muss dafür zunächst ein Arbeitsvisum in einer deutschen Auslandsvertretung beantragen.