Zwar nicht euphorisch, aber überwiegend positiv hat der Stadtrat die Pläne für den Neubau von Einzelhandelsflächen in der Sinnau zur Kenntnis genommen. Architekt Gerd Graf stellte das Vorhaben ausführlich vor. Investor Erwin Barth war zwar auch in der Sitzung, äußerte sich jedoch nicht zu dem Vorhaben. Auf Nachfrage der Saale-Zeitung schwärmte Barth gestern von der Magnetfunktion Bad Brückenaus: "Wenn der Standort nicht optimal wäre, würden wir da nicht hingehen." Für die Lage wenige hundert Meter vom Marktplatz nimmt Barth auch in Kauf, dass er erst Gebäude abreißen lassen und mehr Geld in die Hand nehmen muss: "Der gute Standort ist immer ein bisschen teurer als die grüne Wiese."

Satteldächer und Holz-Fassaden

"Wir werden versuchen, das mit einer zeitlosen Architektur-Sprache zu gestalten", beschrieb Graf das Vorhaben. Die Läden sind auf zwei Baukörper verteilt, die wiederum mehrfach abgesetzt sind. Einbezogen werde auch die Umgebung: "Die vorhandene Brücke zieht sich als Fußweg duch die Anlage hindurch", verwies er auf die Verbindung zwischen Sinn und Sinnaustraße. Gleichzeitig soll das Wasser aber keinen Weg in die Anlage finden: "Das ganze Niveau ist aus der Hochwasserzone herausgenommen." Das Gelände werde also soweit aufgefüllt, dass es auf einer Höhe mit der Sinnaustraße liegt.

"Wir setzen auf die vorhandene Natursteinwand zur Sinn hin auf", ging Graf auf die Ansicht von der Umgehungsstraße her ein. Satteldächer sowie ein Wechsel zwischen Holz und Putz in der Fassade sollen den Bau in die "heterogene Struktur" einfügen. Auf Nachfrage berichtete Graf, dass es bereits Verträge mit drei so genannten Anker-Mietern gebe: Die 650 Quadratmeter große Drogerie scheint gesichert, daneben ein Schuh-Geschäft und ein oder zwei Textilgeschäfte. Marken nannte Graf keine: "Wir können heute keine Namen nennen, aber der Bereich Jugend-Textilien wird abgedeckt", sagte Graf.

Abriss soll im Januar beginnen

Ob denn auch örtliche Einzelhändler zum Zug kommen, wollten Stadträte wissen: "Grundsätzlich ist natürlich der Wille da, auch mit örtlichen Mietern zusammen zu arbeiten", sagte Graf, schränkte aber gleich ein, dass es Hürden gibt: So müssen sich die Mieter auf zehn Jahre binden und es darf keine Überschneidungen im Sortiment geben. Eine Voraussetzung, die örtliche Einzelhändler vermutlich nicht erfüllen können, sondern auf große Ketten gemünzt ist. Graf kündigte an, dass im Januar der Abriss begonnen werden soll und die Läden im Spätsommer 2014 bereits öffnen könnten.

"Ich hoffe auf eine Belebung der Stadt insgesamt", sagte Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU). 2. Bürgermeisterin Adelheid Zimmermann (FDP) freute sich, dass der ursprünglich geplante Lebensmittelmarkt weggefallen sei.

Zahlen und Daten

Bauherr ist die REFA Objekt GmbH mit Sitz in Kürnach. Investor Erwin Barth hat bereits ein Einkaufszentrum in Kürnach, über weitere Projekte gibt er keine Auskünfte.

Die Einzelhandelsflächen sollen am südlichen Rand der Innenstadt, rund 300 Meter entfernt vom Marktplatz und 100 Meter vom Rathausplatz entstehen: Genutzt wird vor allem das Gelände der ehemaligen Molkerei Eß sowie ein weiteres Grundstück zwischen der Sinn im Süden und der Sinnaustraße im Norden sowie sowie dem Gebäudekomplex von Stadtwerken und Firma Knüttel östlich und Sinnau-Parkplatz westlich.

Das Grundstück ist rund 5000 Quadratmeter groß. Die Bruttogeschäftsfläche gibt der Architekt mit 2711 Quadratmetern an, die vermietbare Fläche mit 2570 Quadratmetern und die eigentliche Verkaufsfläche mit rund 1970 Quadratmetern. Im einzelnen sollen ein Drogeriemarkt mit 650 Quadratmetern, zwei Textilgeschäfte mit 400 und 250 Quadratmetern, ein Schuhgeschäft mit 350 Quadratmetern sowie Bäckerei/Cafe mit 120 Quadratmetern entstehen. Möglicherweise kommen ein kleinerer Laden mit 80 Quadratmetern und eine Apotheke mit 120 Quadratmetern dazu. Geplant sind 57 Stellplätze für Pkw.