"Liebe - Lust - Leid" - unter diesem Trikolon stand das Konzert in der Werkstatt der Lebenshilfe in Nüdlingen. Veranstaltet wurde es vom Förderverein Yehudi Menuhin Live Music Now Franken. 1997 wurde diese Initiative vom berühmten Geigenvirtuosen Yehudi Menuhin ins Leben gerufen. Sein Anliegen war es dabei, Musik "live" zu den Menschen zu bringen, die aufgrund ihrer Lebensumstände nicht ins Konzert gehen können. Zugleich wollte er junge, besonders qualifizierte Musiker in ihrer künstlerischen und menschlichen Entwicklung fördern. "Musik heilt und bringt Freude" so das Motto, das auch in Nüdlingen verwirklicht wurde. "Bereits zum 19. Mal findet ein solches Yehudin-Menuhin-Konzert hier statt", freute sich Werkstattleiter Martin Denninger. Und dass diese Konzerte sehr beliebt sind, zeigte sich am regen Zulauf.

Mit Esthea Kruger (Klavier), Lena Elisabeth Vogler (Mezzosopran) und Anna Lena Müller (Sopran) hatte man für das Konzert drei äußerst talentierte Nachwuchsmusiker engagieren können, die ehrenamtlich auftraten und das Publikum durch ihre Lieder verzauberten. Man merkte ihnen die Freude an, mit der sie auf der Bühne agierten und mal verträumte, mal lustige, mal melancholische Stücke zu Gehör brachten. Dabei hatte man sich besonders den kürzeren Liedformen verschrieben, was für Abwechslung sorgte und den Abend wie im Fluge vergehen ließ. Das Konzert war dabei in verschiedene Blöcke aufgeteilt, von dem ein jeder einem Komponisten gewidmet war. Durch die akkurate Auswahl wurde den Zuhörern so einerseits Liedgut aus den verschiedenen Schaffensperioden vorgestellt. Andererseits schafften es die drei Musikerinnen auch, im Bereich der Thematik dem Publikum ein Wechselbad der Gefühle zu verschaffen, was sehr beeindruckend war.

Gleich beim ersten Stück, den "Wir Schwestern" aus der Feder von Johannes Brahms ging man musikalisch in die Vollen. Vom ersten Ton an harmonierte das Gesangsduo Vogler / Müller perfekt und verstand es, ihre eigene Leidenschaft für die klassische Musik auf das Publikum zu übertragen. Im ersten Stück zeigten sie zudem viel Humor und drückten mit ihrer Körpersprache den gesungenen Text sehr schön aus. Die beiden im Lied besungenen ach so einträchtigen Schwestern entzweien sich nämlich aufgrund einer Liebelei - mit verschränkten Armen wandten sich die beiden Sängerinnen ironisch voneinander ab, was das Publikum schmunzeln ließ. Im "Klosterfräulein", einem recht anspruchsvollen Stück, zeigten beide Sängerinnen ihre großes Können und trugen die melancholische Weise ernst vor. Dabei gelang es ihnen, die verschiedenen Emotionen punktgenau auszudrücken, was sehr beeindruckend war. Esthea Kruger am Klavier wusste unter anderem beim "Die Boten der Liebe" aufgrund ihrer virtuosen Spielweise zu gefallen. Dabei fügten sich die sacht angeschlagenen Töne immer harmonisch in den Gesang mit ein, ohne zu dominant zu werden. In diesem Stück zeigte sich ebenso die große Stimmgewalt von Vogler und Müller, die sie wohldosiert einzusetzen wussten, ohne zu leise oder allzu laut zu werden.

Im zweiten Block wurden dann Lieder von Felix Mendelsohn Bartholdy interpretiert, gefolgt von Stücken aus der Feder von Robert Schuhmann. Eine Besonderheit war dabei das Lied "Das Glück", in dem sich die beiden Sängerinnen in einer Art Kanon den musikalischen Ball abwechselnd und punktgenau zuspielen. Natürlich durfte am Ende des ersten Teils der besungene "Jüngling" nicht fehlen. Steven Romero kam auf die Bühne, überreichte den drei Damen jeweils eine Rose und bedankte sich für deren Auftritt in der Lebenshilfe in Nüdlingen.

Nach der Pause ging es dann virtuos mit Stücken von Robert Schuhmann weiter, bis man sich dann eher selten zu hörenden Liedern von Fanny Mendelssohn Hensel widmete. Die drei bezaubernde Duette gaben einen kurzen und schönen Überblick über das Schaffen der Schwester von Mendelssohn Bartholdy, welcher noch einmal am Schluss des Konzerts interpretiert wurde. Mit den "Maiglöckchen und die Blümeleien" bot man als Abschluss ein Stück, das ganz von der Gesangsfreude des Duos geprägt war. Sehr virtuos und fröhlich gingen die Sängerinnen dabei zu Werke. Tosender Applaus am Ende des Konzerts und Zugabe-Rufe zeigten, dass das Konzert dem Publikum außerordentlich gut gefallen hatte. Die Zugabe widmeten die Musikerinnen dann Rosenkavalier Steven, der davon sichtlich gerührt war. Anja Rösch vom Werkstattrat bedankte sich für die wunderschöne musikalische Darbietung und überreichte Präsente, über die sich Kruger, Vogler und Müller sichtlich freuten. Zum Ausklang erfreuten die drei das Publikum dann noch mit dem "Abendsegen" aus der Oper "Hänsel und Gretel" von Humperdinck.
So wurde es ein wirklich gelungener Abend. Die Bühne in der Lebenshilfe war sehr schön hergerichtet und geschmückt worden und die dort Beschäftigten waren an diesem Abend ehrenamtlich tätig. Das Klavier war vom Piano-Center Kleinhenz aus Oberthulba zur Verfügung gestellt worden.