Das Bayerische Kammerorchester brachte Puppenspieler und Kulissen zum Schülerkonzert in den Rossini Saal mit. So wurde die Tondichtung von Richard Strauss zum spannenden Musiktheater und kindgerechten Türöffner für klassische Musik.

Die Handpuppe auf der Bühne setzt um, was die Musik vorgibt, denn Till, der Narr, tritt schon nach wenigen Sekunden auf. Ein paar Takte des Orchesters, dann übernimmt das Horn die Melodie, bringt die anderen Instrumente zum Schweigen nach dem Motto: "Hoppla, jetzt komm ich".

Wem anders als dem Antihelden mit dem Spiegel sollte der Komponist die eingängige Erkennungsmelodie auch an die bunte Weste heften und wem, außer einem Schelm fügt man dem so heiteren Auftrittssignal noch diesen einen, haarscharf schrägen Ton dazu.

Die lustigen Streiche des Till Eulenspiegel, das gewitzte Meisterwerk von Richard Strauss führt die Kinder hörbar in die Welt des mittelalterlichen Schalks, das Puppentheater lässt sie sichtbar teilhaben an den lustigen Streichen, des aus der Reihe tanzenden schillernden Vogels.

Seit 2013 hat das Bayerische Kammerorchester ein Format für Kinder gesucht, das ganz junge Menschen auch zu klassischer Musik hinführt. Pavol Tkac, Orchestermanager des BKO, hatte über die Rhönallianz die Grundschulen des gesamten Landkreises Bad Kissingen eingeladen und das entstandene Programm im König-Ludwig-Saal Bad Brückenau und im Kissinger Rossini-Saal wurde mit Begeisterung aufgenommen. Seither sind annähernd 8000 Schüler früh der Welt klassischer Musik auf hohem Niveau begegnet, berichtet Tkac.

Musikalische Hinführung

In einer Region, die auf Kultur und hier besonders auf Klassik setzt, eine hochwillkommene Initiative. Die Brückenauer hatten sich klugerweise das auf Kinderkonzerte spezialisierte Concierto München an die Seite geholt, und seitdem sind die szenischen Konzerte Bestandteil musikalischer Hinführung zu klassischer Musik für Grundschulen aus den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön Grabfeld.

Das Concierto bringt neben dem Dirigenten und künstlerischen Leiter Carlos Domingues Nieto auch das Ensemble des Puzzletheater München samt Puppen und Kulissen mit. Der Spanier - er ist auch Chefdirigent des "Orquesta de Córdoba" und stellt sich den Kindern als "Carlos" vor - versteht es, Spaß an Musik zu vermitteln.Den größten Beifall gibt´s für den Kontrabass, und wenn Knirps Michael sogar dirigieren darf, dann tobt der Rossini Saal. Ganz plastisch schildert der Dirigent, wie Till Eulenspiegel am frühen Morgen über den Marktplatz läuft, die Mönche aus der Kirche kommen sieht, dann an einem Stand eine Orange stibitzt und auf dem Schweinchen durch die Menge flieht.

Visuelles Erlebnis

Mit dem Puzzletheater München wird das Konzert dann auch noch zum visuellen Erlebnis. Eine liebevoll gestaltete Drehbühne ermöglicht schnelle Szenenwechsel. Ungeheuer lebendig lässt der Puppenspieler den Schelm zur Musik an den Schnüren tanzen, über den Marktplatz eilen, mit dem Schweinchen galoppieren, seine Verfolger abschütteln, in die Burg verschwinden, um hinter dem Brunnen wieder aufzutauchen. Es liegt so ein Tempo über der Szenerie, dass die Kinder nicht einmal unruhig werden; dabei haben die meisten zum ersten Mal ein "richtiges Konzert" besucht.

Die markanten Themen und die aufregenden Klangfarben der Strauss"schen Tondichtung sind vom Kammerorchester Brückenau blitzsauber und virtuos gespielt; man kennt sich und harmoniert wie selbstverständlich mit dem Dirigenten.

Unterhaltsamer Vortrag

Ein war köstlicher Vormittag für alle Besucher, der den Narren mit der Schellenkappe und dem Spiegel mit vogelzwitschernden Flöten- und schmachtenden Geigentönen zu farbenprächtigem musikalischem Leben erwachen ließ.