Obwohl Thomas Höchemer deshalb den 70 Mitwirkenden einen Faschingsorden aus Hainbuchenholz überreichte, moderierte er den launigen Abend als oberster Nationalpark-Ranger keineswegs hölzern, sondern schlagfertig und respektlos. So bat er, als sich das Ordensband für Bürgermeister Waldemar Bug als zu eng erwies, um einen Orden für Dickköpfe. Die Speisekarte sei auf das Nationalpark-Thema abgestimmt, nur das Jägerschnitzel fehlt, "weil man ja nicht weiß, ob man noch Pilze sammeln darf".

Im vergangenen Jahr hatte Höchemer als Kurdirektor auf der Bühne gestanden. Doch Burkardroth habe als Kurort keine Zukunft, hatte er einsehen müssen. Als Nationalpark-Ranger Nummer 1 konnte er nun das Geschehen mitgestalten - zumindest an diesem Abend - und zwischen den elf Darbietungen seine verbalen Pfeile in den Saal schießen. Prompt kritisierte er zum ägyptischen Tanz der Premicher Kindergarde die Dauer örtlicher Bauvorhaben, dagegen hätten die Ägypter ihre Pyramiden "im Kostenplan und zeitnah" gebaut.

Eindeutig zweideutig begann Kilian Rottenberger, seine Erlebnisse als leidgeprüfter Ehemann zu erzählen. Seine Frau hatte etwas Dampf in die Ehe bringen wollen und nach Tupperware- und Dessous- jetzt eine Thermomix-Party veranstaltet. Dieses unheimliche Küchengerät sei zu allem fähig, berichtete er. Damit könne man alles zerkleinern, weshalb ihm die Vielzahl von Witwen zu denken gab. Nach dem gelenkigen Auftritt von Tanzmariechen Carolin Mock (12) aus Aura begleiteten die 200 Gäste die beiden Bienen Katrin Frank und Verena Rottenberger beim Überflug über die Gemeinde, aus deren Jahresgeschehen es zur Freude der Zuhörer so einiges aufzuzählen gab. Selbst Hündin Alma, die nach dem Genuss alkoholgetränkten Tiramisus noch Tage später mit den Augen rollte, wurde erwähnt.

Neue Texte zu bekannten Melodien boten die "Blägg Maundn Sänger", die ihr Vollwärmeschutz-Lied dem Bürgermeister widmeten, den Höchemer zuvor bei einer Publikumsabfrage mit einer neuen Nationalpark-App als fanatischen Anhänger geoutet hatte. Mit flotten Rhythmen eines irischen Medleys startete die Prinzengarde Stangenroth in den zweiten Teil des Abends.
In seiner Büttenrede lästerte Konrad Straub als Mönch vom Kreuzberg über das politische Welt- und Ortsgeschehen, schimpfte in Reimen über Trump, Merkel und Co und die Fußballweltmeisterschaft in Russland: "Für Geld da kann man vieles kaufen, auch Männer, die dem Ball nachlaufen." Die CSU habe Angst, nach der Landtagswahl nicht mehr die Mehrheitspartei zu sein und hätte jetzt sogar den Freien Wählern die Idee mit den Straßenausbaubeiträgen geklaut, obwohl sie vorher noch dagegen war. Auf dem Kreuzberg hatte er schon viele CSU'ler beim Gebet gesehen: "Gott schütze uns vor Sturm und Schnee, vor Freien Wählern und AFD." Dem Sternenpark konnte der Mönch nichts abgewinnen: "Wir sind der Mittelpunkt im Reich der Finsternis."

Bevor der Faschingsabend mit Birgids Jüngern, dem Auftritt von Lioba Schmitt und der Tanzdarbietung von Illumina ausklang, sorgte die Sängervereinigung mit ihrer herrlich kostümierten Gruppe fränkisch-gallischer Dorfbewohner für den absoluten Höhepunkt. Mit Witz und Nachdruck wehrten sie sich gegen die bayerisch-römischen Legionäre, die "Boygroup der scharfen Ulrike", und den Parcum Nationalis Rhön. "Sie soll'n den Nationalpark bauen - drunten in den Donauauen." Nicht nur die "Urwaldministerin" bekam harsche Worte zu hören, sondern auch die Lokalzeitungen: Sie würden ausführlicher über das Bohrloch eines Spanners in einer Umkleidekabine des Brückenauer Sintflut-Bades berichten, als über die Argumente der Nationalpark-Gegner.
Nach dieser Premiere folgt am kommenden Freitag, 9. Februar, um 19:30 Uhr eine zweite Faschingssitzung "für alle, die unsere Witze beim ersten Mal nicht verstanden haben", wie Moderator Thomas Höchemer bekanntgab. Restkarten sind noch erhältlich bei Lioba Schmitt (Telefon: 09734 / 14 84).