Für die einen ist Christi Himmelfahrt ein christliches Hochfest, für die anderen ist es vor allem der Vatertag, an dem sie mit Leiterwagen bestückt hinaus in die Natur ziehen, um ordentlich zu feiern. Pfarrer sehen die Feierlust an diesem Feiertag unterschiedlich.
Pfarrer Jochen Wilde von der evangelischen Kirchengemeinde in Bad Kissingen sieht nach eigenen Angaben die Situation recht locker und gelöst.Man habe wohl ein Gegenstück zum Muttertag gesucht, damit die Väter auch ihren Tag bekommen. Wilde beobachtet aber auch, dass im selben Maß, wie christliche Feiertage in der Gesellschaft an Bedeutung verlieren, weltliche Feiertage entstehen. "Offensichtlich gibt es das Bedürfnis nach solchen Feiertagen", meint Wilde und nennt als Beispiel auch den evangelischen Reformationstag und Halloween, ein Brauch, der sich am 31. Oktober mittlerweile auch bei uns eingebürgert hat.

Besonderer Gottesdienst

In Bad Kissingen versucht die evangelische Kirchengemeinde seit rund zehn Jahren, das christliche Profil dieses Festtages Christi Himmelfahrt durch einen besonderen Gottesdienst zu unterstreichen. "Wir gehen auch nach draußen", betont Wilde und erklärt, dass an diesem Feiertag der Gottesdienst um 9.30 Uhr im Kurgarten (bei schlechtem Wetter in der Wandelhalle) gefeiert wird. Man wolle damit nicht gegen den Vatertag arbeiten, sondern vielmehr Gemeinsamkeiten betonen.
Der katholische Stadtpfarrer von Bad Kissingen, Dekan Thomas Keßler, will ebenfalls nicht gegen den Vatertag schimpfen, weil es ohnehin keinen Sinn mache. Solange alles im Rahmen bleibt, habe er mit den feiernden Vätern und jungen Männern kein Problem. "Ideal wäre natürlich, wenn sie erst in der Messe wären", findet der katholische Geistliche. "Das kirchliche Fest Christi Himmelfahrt gehört unbedingt gefeiert", betont er. Aber den Spaß am Vatertag will er niemandem nehmen. Leib und Seele gehörten zusammen. Außerdem werde der Vatertag mehr zum Familienausflugs-Tag.
Deutlich kritischer sieht Pater Rudolf Götz OSA, Augustiner und mitarbeitender Priester in der Münnerstädter Pfarrei, die Vatertagsrituale. "Ich finde sie sehr eigenartig", meint der Seelsorger. Es komme ihm vor, als ob die Männerwelt dem Muttertag unbedingt etwas entgegensetzen muss. Pater Rudolf nennt den Vatertag aufgesetzt. Schade findet er, dass an diesem Feiertag das Christliche immer mehr in den Hintergrund rückt. Seine Erfahrung ist, dass selbst engagierte Christen oftmals nicht mehr vom Fest Christi Himmelfahrt, sondern nur noch vom Vatertag reden.
Damit die Kinder den Sinn des Feiertages kennen, hatte Religionslehrerin Gisela Schuhmann (Münnerstadt) den Abc-Schützen erläutert, weshalb vom Vatertag gesprochen wird. "Da ist Jesus zu seinem Vater gegangen", erzählen die Kinder.