Gisela Warmuth steht auf den Resten der Lagerhalle. Der Betrieb auf dem Hof geht trotz Brandschaden weiter, auch wenn der Verlust eine Umstellung bedeutet. Vor dem Fenster zieht ein Traktor mit Anhänger vorbei. Er ist mit frisch gemähtem Heu beladen. "Wir hoffen, dass das Wetter schön bleibt", sagt Gisela Warmuth am Küchentisch. Denn der landwirtschaftliche Betrieb muss neue Vorräte anlegen. Die alte Reserve ist in Flammen aufgegangen.

Die Erinnerung an den Abend des 28. Juni ist noch frisch: Während die Familie vor dem Fernseher sitzt und das EM-Halbfinalspiel Deutschland gegen Italien schaut, schlägt ein Blitz in die Maschinen- und Lagerhalle ein. "Es war ein Schlag, kurz und laut wie eine Bombe", beschreibt Warmuth. Eine Nachbarin habe gedacht, es handele sich um eine Gasexplosion. "Als ich aus dem Fenster geschaut habe, brannte die Halle schon lichterloh."

Sofort versuchen alle mit Wasserschläuchen zu verhindern, dass die Flammen auf den Kuhstall übergreifen. Das gelingt zum Glück, auch wenn die Scheiben bereits bersten. Die Halle jedoch wird komplett zerstört, und mit ihr Futter und Maschinen.

Nur noch Schrott ist übrig


Zurück bleibt nur Schrott: Wo einst das Gebäude stand, ragen Tonnenfundamente wie Beinstümpfe aus dem Boden. Der Güllebehälter ist in sich zusammengesackt und liegt wie geschmolzener Käse um den Anhänger. Die rostigen Stahlgerippe des Heuwenders und der anderen Maschinen geben dem Platz eine schaurige Stimmung - ein Anblick, der offenbar auch immer wieder schaulustige anzieht. Warmuth erzählt: "Es laufen immer wieder Leute den Feldweg an unserem Grundstück entlang."

Jetzt in der Erntezeit fehlen die Geräte. Der Betrieb der Familie Warmuth muss deshalb mehr als sonst auf die Leistungen des Maschinenrings zurückgreifen. "Es ist schon eine Umstellung für uns", sagt Warmuth über den Alltag auf dem Hof in den Tagen nach dem Feuer.

Das Futter für die Kühe wurde zum Beispiel immer selber gemischt, weil dies billiger sei. Ohne Lager für die Futterkomponenten geht das nicht mehr. Deshalb hofft die Familie, dass der Hallenneubau schnell genehmigt wird. Die Stadt hat ihr Einverständnis bereits gegeben. Jetzt ist das Landratsamt am Zug.

Anruf vom Landwirtschaftsamt


Das Telefon klingelt. Wortfetzen sind zu hören: "Blitzschlag", "Futter und Maschinen sind zerstört". Warmuth wiederholt ihre Schilderung von vor wenigen Minuten. Nachdem sie das Gespräch beendet hat, sagt sie, dass es das Landwirtschaftsamt war.

Nicht nur mit den Behörden, sondern auch mit der Versicherung muss der Schadensfall reguliert werden. Warmuth deutet auf die Briefe und Papiere an der Tischkante: "Da liegt alles noch."

Während vor dem Fenster wieder ein Traktor mit Grünfutter vorfährt, spricht Warmuth aber auch von der Hilfe durch Nachbarn und Kollegen. So habe der Betrieb zum Beispiel für die ersten Tage Futter bekommen. "Das ganze Dorf hielt zusammen."