Als Außenminister Guido Westerwelle im vergangenen Jahr ins indische Bangalore reiste, hob er das Engagement deutscher Firmen hervor, die mehr als 50.000 Arbeitsplätze in der Millionen-Metropole geschaffen haben. Sechs davon gehen auf das Konto von Sebastian Zang aus Bad Brückenau.

Konferenz-Gespräche übers Internet
Mit routinierten Handgriffen wählt sich der 36-Jährige ins Internet ein und startet ein Konferenzgespräch, das er auf die Telefonleitung legt, aber per Mausklick am Bildschirm steuert. "So funktioniert das auch mit unseren Kunden", sagt Zang. Deshalb sei auch egal, wo die in der Welt die sitzen. Im Jahr 2011 hat er das Unternehmen Categis GmbH gegründet, das Dienstleistungen für Informationstechnik (IT) anbietet. "Kommunikation über das Internet ist in der IT-Welt zum Standard geworden", erklärt Zang und schickt seinen Mitarbeitern in Bangalore erst einmal ein herzliches "Hello" durch die Leitung.

IT-Branche ist weltweit vernetzt
Zum Standard wurde auch längst, dass Produktionsprozesse weltweit vernetzt sind. Dabei bilden sich Zentren heraus. Bangalore ist so ein Zentrum, und zwar insbesondere für den IT-Sektor und Biotechnologie. Nicht umsonst wird die Stadt auch das "Silicon Valley" Indiens genannt. "Die IT-Industrie in Bangalore wird westlichen Qualitätsansprüchen gerecht", erklärt Sebastian Zang, warum er und viele andere Firmen sich gerade dort ansiedeln. "Ganz Bangalore arbeitet für die westliche Welt." Weil die Inder das können. Und weil es billiger ist.

35 Euro und aufwärts verlangt Categis pro Arbeitsstunde, das ist laut Zang mehr als die Hälfte weniger, als deutsche IT-Dienstleister berechnen. Nach Zangs Angaben verdient ein Berufsanfänger im IT-Bereich in Indien umgerechnet etwa 3000 Euro Jahresgehalt. Je nach Karriere steige das Jahresgehalt nach fünf Jahren auf etwa 11000 Euro an - in Indien entspreche das der gehobenen Mittelklasse. "Durch meine Firma fließt Geld ins Land. Das hilft Indien, die nächste Entwicklungsstufe zu erreichen", sagt Zang.

Mit Europa vergleichbar
Und Deutschland? "Ich mache keine Arbeitsplätze kaputt", sagt Zang und verweist auf den Fachkräftemangel. Ganz im Gegenteil habe er durch seine Firmengründung einen Arbeitsplatz - nämlich seinen - in Deutschland geschaffen. Auch die Besteuerung falle zu 100 Prozent in Deutschland an, da der Umsatz über die Categis GmbH laufe. Und für die Kunden zähle der Preis. "Manche wissen, dass wir von Indien aus arbeiten.Teilweise interessiert das unsere Kunden aber auch gar nicht", berichtet Zang.

Und wie sieht das seine Frau? Theresa Moozhiyil ist Inderin, hat aber einen Großteil ihres Lebens in Deutschland verbracht. Ihr Heimatland vergleicht sie eher mit Europa. Denn ähnlich wie in der europäischen Staatengemeinschaft gebe es auch in Indien eine Vielzahl unterschiedlicher Sprachen und Traditionen. "Man kann nicht wirklich 'indisch' essen oder 'indisch' sprechen", erklärt sie. "Die Vielfalt ist das 'Indische'."

Folgen der Globalisierung
Seit sechs Jahren arbeitet Moozhiyil beim Goethe-Institut in Bangalore und schätzt das Miteinander der Kulturen, das sich automatisch ergibt. Und so begreift sie die Globalisierung nicht als Gefährdung ihrer Kultur, sondern als "eine zusätzliche Chance für Indien."

Für Zang beruht die Globalisierung vor allem auf einem: auf Gegenseitigkeit. "Wenn die deutsche Industrie wettbewerbsfähig sein will, braucht sie gute IT", sagt Zang. Und die müsse eben auch für den Mittelstand bezahlbar sein. Deshalb seine Firma. Deshalb Bangalore. Und die Inder hätte ja auch etwas davon: "Know how zu teilen ist fair."