Die Zwillingsbrüder Niklas und Stefan Graser aus Aura sind gleich in mehreren Vereinen aktiv: Beim Sportverein Aura kicken die 15-Jährigen in der U 17, für die Faschingsfreunde saßen sie schon im Kinder-Elferrat und bei der Feuerwehr fiebern sie Leistungsprüfungen entgegen. "Das ist wie eine große Familie", beschreibt Stefan den Zusammenhalt im SV. Und: "Auch beim Fasching und der Feuerwehr haben wir eine große und gute Jugend-Abteilung", ergänzt Lukas.
Entgegen allen Vorurteilen über Jugendliche sind Niklas und Stefan Graser keine Einzelfälle: Laut der repräsentativen Jugendbefragung des Landkreises sind 74,8 Prozent aller Jugendlichen Mitglied in mindestens einem Verein. Und der Trend zeigt nach oben: Bei der Befragung 1999 waren es noch 70,1 Prozent. Und Vereine sprechen immer mehr Mädchen an: Während bei den Jungs die Quote von 79,2 auf 76,6 Prozent sank, legten die Mädchen von 60,3 auf 72,9 Prozent zu.
Die Jugendbefragung hat jedoch nicht nur die Mitgliedschaft in Vereinen, sondern auch das tatsächliche Engagement abgefragt. Ergebnis: "Mehr als die Hälfte der Jugendlichen ist in ihrem Heimatort ehrenamtlich aktiv", berichtete Melanie Schäfer vom Jugendamt gestern bei der Bürgermeister-Dienstbesprechung. Etwa vier von fünf Jugendlichen gab an, "für einen interessanten Verein schon mal umsonst zu arbeiten".
Bereits 25,2 Prozent der Jugendlichen tun dies regelmäßig: "Ich trainiere die U 13 mit", berichtet etwa Lukas Baldauf aus Aura. Der 15-Jährige spielt gemeinsam mit den Graser-Zwillingen in der U 17. Kein Wunder also, dass die kleine Gemeinde Aura beim Thema Ehrenamt mit großem Abstand an der Spitze liegt: 60 Prozent der Befragten dort sind ehrenamtlich tätig, der zweitbeste Wert liegt in Thundorf bei 40 Prozent. Und bei der Vereinsmitgliedschaft liegt Aura mit 90,9 Prozent auf Platz 2, besser ist nur Riedenberg: Dort waren alle Befragten Mitglied in einem Verein.
"Das freut mich natürlich, und es zeigt, dass wir in unserer Gemeinde und in unserer Region viel zu bieten haben", sagt der Auraer Bürgermeister Thomas Hack (CSU). Die Vereine seien dabei ganz wichtig: "Das ist eine wahre Pracht", lobt Hack die verbandliche Jugendarbeit. Aber auch die Kommune leiste ihren Beitrag: Die bis vor drei Jahren kleinste Gemeinde im Landkreis hat nicht nur ein eigenes Schwimmbad, sondern stellt den Jugendlichen gleich ein ganzes Haus, die ehemalige Schule in der Ortsmitte, zur Verfügung. Zusätzlich gibt es noch einen Bauwagen. "Ich denke, wir haben für fast jeden etwas zu bieten." Zudem werde die Jugend auch gefordert, etwa wenn sie bei der Bürgerversammlung selbstständig die Bewirtung übernimmt.  Seite 5

Im Schnitt 25 Minuten haben 1242 Jugendliche aus dem Landkreis Bad Kissingen Mitte 2013 benötigt, um die Fragen der repräsentativen Jugendbefragung zu beantworten. "Die haben sich also richtig Zeit genommen", berichtete Melanie Schäfer vom Jugendamt gestern in der Bürgermeister-Dienstbesprechung. Die Auswertung dauert zwar noch bis Mitte 2015, einen Teil der Ergebnisse stellte sie den Gemeinde-Oberhäuptern allerdings bereits vor. Zudem bekam jeder eine Aufstellung der Ergebnisse aus seiner Kommune an die Hand - inklusive der Anmerkungen von dort.

Großes Potenzial für Kommunen

"Das ist auf jeden Fall spannend", kommentierte Landrat Thomas Bold (CSU) die Zahlen. "Die Ergebnisse sind aber nur was wert, wenn man damit was Positives anfängt", rief er die Bürgermeister auf, sich die Statistiken und Handlungsempfehlungen des Jugendhilfeausschusses auch wirklich anzuschauen. Melanie Schäfer berichtete unter anderem von einem großen politischen Interesse der Jugendlichen: "Das ist ein ganz großes Potenzial", verwies die Jugendamts-Mitarbeiterin darauf, dass Jugendliche zum Teil motivierter seien, im Ort mitzuarbeiten und mitzuhelfen als Erwachsene. Aber: "Es gibt große Unterschiede auf Gemeindeebene."

Große Heimatverbundenheit

Positives Beispiel in vielen Bereichen ist Aura: "Das Gute an Aura ist, dass alle zusammenhalten", sagt Levin Geßner. Der 18-Jährige arbeitet als Werkzeug-Mechaniker in Albertshausen. Bereits bei der Berufswahl habe er sich überlegt, wo er arbeiten könne, ohne wegziehen zu müssen. "Ich will auf jeden Fall hier bleiben", sagt er und erzählt vom Fußball-Spielen in der U 19, der Mitarbeit bei der Feuerwehr oder die Besuche im örtlichen Schwimmbad.
Auch für Christian Holzinger (17) steht fest, dass er in Aura bleiben will, obwohl es gerade am Anfang seiner Ausbildung zum Mechatroniker ganz schön schwer war, nach Bad Neustadt zu kommen. Wegziehen? "Das kommt gar nicht in Frage." Dazu trägt auch bei, dass in den Vereinen den Jugendlichen etwas zugetraut wird. Als Sitzungspräsident des Kinder-Elferrates etwa habe er alles größtenteils selbst geschrieben.

Altersverteilung Bei Kindern (12 bis 14 Jahre) sind 81,2 Prozent der Befragten in mindestens einem Verein, bei den Jugendlichen (15 bis 17) noch 76,5 Prozent, bei den Jungen Erwachsenen (18 bis 21) nur 69,2 Prozent.

Begründung Eine komplette Verweigerung, sich ehrenamtlich zu engagieren, gibt es öfter bei Jungen (28,3 Prozent) als bei Mädchen (20,2 Prozent). Als Begründung wird zu 35,7 Prozent "keine Zeit", zu 24,4 Prozent "was mich interessiert, gibt es hier nicht" und zu 13,3 Prozent "grundsätzlich kein Interesse" angegeben.

Bildung Von den Vereinsmitgliedern sind 37,5 Prozent Gymnasiasten, 27,5 Prozent Real-/ Wirtschafts-, 14,6 Prozent Berufs-, 10,8 Prozent Mittel- und 5,2 Prozent Fachoberschüler.