Nein, es stimmt nicht, dass die Schulhefte in Kürze abgeschafft werden, weil jeder Schüler mittlerweile mit seinem Laptop oder iPad in den Unterricht kommt. Die Voll elektronisierung des Schulbetriebs mag ein Ziel sein, aber von ihrer Realisierung ist die Realität noch weit entfernt, steht sie eigentlich erst am Anfang. Wer sich in den Bad Kissinger Schulen umhört, stößt auf allgemeine Bereitschaft, sich mit den Neuen Medien auseinanderzusetzen und sie auch einzusetzen.

Die Schüler haben ohnehin ein recht unverkrampftes Verhältnis zum Computer, weil sie ihn auch privat recht intensiv nutzen. "Da bieten sich zum Beispiel Möglichkeiten, Referate super zu verdeutlichen", sagt Lisa Graskamp (Q 12) am Jack-Steinberger-Gymnasium. "Man braucht allerdings auch noch Durchsetzungskraft." Und wie ist das mit den Lehrern? "Sie geben sich Mühe, mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten", sagt sie und meint damit: "Im Durchschnitt."

Die Lehrer geben ihr da durchaus recht: "Nicht alle setzen Computer ein", bestätigt Andreas Elsässer, Chef der Realschule. Das sei durchaus eine Altersfrage. Für jüngere Lehrkräfte sei der Umgang mit den Rechnern alltäglicher, gewohnter. Hannelore Bauer (Henneberg-Grundschule) hat dagegen die Erfahrung gemacht, dass es nicht so sehr das Alter, sondern die innere Einstellung ist: "Auch jüngere Kollegen lehnen Computer ab, auch für sich zu Hause."

Andererseits: "Wir haben hier am Jack-Steinberger-Gymnasium schon eine ganze Reihe von Kollegen, auch ältere, die ihre gesamten Unterrichtsmaterialien auf dem Laptop gespeichert haben", sagt Studiendirektorin Gerhild Ahnert. Das sei nicht nur handlich, sondern auch außerordentlich praktisch und schnell: "Wenn in einer Fremdsprache ein grammatikalisches Problem auftaucht, kann man mit drei Mausklicks die Lösung und Übungen aufrufen und zeigen."

Das setzt natürlich voraus, dass die technische Infrastruktur vorhanden ist, und das ist für die Sachaufwandsträger vor allem eine Frage des Geldes, aber auch der Einstellung. Im Jack-Steinberger-Gymnasium etwa, das zurzeit unter großem finanziellem Aufwand mehr oder weniger neu gebaut wird, ist die technische Ausstattung noch nicht selbstverständlich. Es gibt einen Computerraum, ein zweiter wird gebaut, und wegen der Ganztagsbetreuung, die im nächsten Jahr beginnt, sollen so genannte Laptop-Wagen angeschafft werden, die, bestückt mit einem halben Klassensatz, in die Unterrichtsräume geschoben werden können. "Wir hatten ein Whiteboard, eine elektronische, internetfähige Tafel", sagt Ahnert, "aber wir haben uns dagegen ausgesprochen, weil es zu anfällig und zu teuer war." Monitore aus der Unterhaltungselektronik würden immer größer und immer billiger. Heute seien unterrichtstaugliche Geräte schon für 1200 Euro zu haben. "Aber gegen unsere Erwartungen wurden auf Kreistagsbeschluss nicht alle Klassenzimmer damit ausgestattet." Von den 36 Klassen- und Kollegstufenräumen, die keine Fachräume sind, haben 23 noch keinen Monitor. Dabei kann man mit ihnen am besten lehrplankonform unterrichten bis hin zum Hörverstehen in Fremdsprachen, das heutzutage im Abitur gefordert wird.

Eine andere Stoßrichtung verfolgt man an der Realschule: "Wir haben ein interaktives Whiteboard im Einsatz und drei weitere auf der Wunschliste", sagt Andreas Elsässer, der hofft, dass dieser Wunsch noch in diesem Jahr in Erfüllung geht. Ansonsten sieht er seine Schule im Wesentlichen gut ausgestattet: vier Computerräume für Gruppenarbeit, ein Multimediaraum mit 32 Rechnern, mehrere fahrbare Einheiten mit Beamer, Laptop und Lautsprechern. Auch wenn Elsässer lieber jeden Klassenraum multimedial ausgerüstet sähe, muss er dennoch dem Landkreis ein Kompliment machen: "Wir haben in der Schule mehr als 120 Computer."

Auch Rektor Harald Bötsch sieht seine Anton-Kliegl-Mittelschule "recht gut ausgestattet": Im Zuge der Generalsanierung wird gerade ein dritter Computerraum eingerichtet. Das ist auch nötig, denn Computer und Informatik sind wesentliche Bestandteile der Lehrinhalte. Es gibt ab der 5. Klasse das Zehnfinger-Tastschreiben, es gibt Informatik als Wahlfach. Und dann fordert die Praxisorientierung der Schule ihren Tribut: Im Rahmen von Praktika zur Berufsfindung bekommen die jungen Leute betriebliche Lernaufgaben. "Ihre Problemlösung müssen sie in einer eigenständigen Powerpointpräsentation vorstellen."

"An Whiteboards sind wir interessiert" sagt Bötsch. Aber er will erst in dem Moment welche anschaffen, "in dem ich weiß, dass ich Lehrkräfte habe, die sie intensiv nutzen." Das sei bei Beträgen bis 5000 Euro schließlich auch eine Kostenfrage.

Auch an der Grundschule wird der Computer bereits genutzt, "und zwar mehr, als allgemein angenommen wird - vor allem von den Ganztagesklassen", meint Hannelore Bauer. "Wir haben an allen drei Standorten der Henneberg-Schule einen Computerraum. Verstärkt eingesetzt würden die Rechner sicher erst in der 3. und 4. Klasse. Aber auch die Jüngeren können an den jeweils zwei Rechnern in den Klassenzimmern recherchieren, wenn sie etwas wissen wollen. Was Bauer allerdings beklagt, ist die Langsamkeit der Rechner: "Das hält einen auch mal ab, den Computer hochzufahren."