Im Wartezimmer von Dr. Peter Gleißner ist kein Platz mehr frei. Die Patienten husten, schniefen, schneuzen, krächzen. Die Erkältungs- und Grippewelle hat den Landkreis erreicht. "60 bis 80 Erkältungsfälle haben wir täglich", sagt Dr. Gleißner. Und obwohl er derzeit einige seiner Kollegen vertritt, hat er festgestellt: "Das sind deutlich mehr als sonst."

Bei den meisten seiner Patienten hat die Infektion schlagartig eingesetzt. Hohes Fieber, Kopfschmerzen, Husten, Heiserkeit. "Wir haben es mit Viren zu tun, die unterschiedlich gefährlich sind", fährt der Allgemeinarzt und Sportmediziner fort. "Beide können dieses Krankheitsempfinden auslösen."

Dr. Gleißner empfiehlt den Betroffenen absolute körperliche Schonung und viel trinken. Wenn die Symptome nach zwei bis drei Tagen nicht abklingen, dann sollte man zum Arzt gehen. Wobei dem Arzt klar ist, dass viele Arbeitnehmer bereits ab dem ersten Tag eine Krankmeldung benötigen.


Sekundäreffekt

Neben der körperlichen Schonung verordnet Dr. Gleißner den Grippepatienten Medikamente gegen die Erkältungs-Symptome. Antibiotika allerdings sind gegen Viren machtlos. Ein Antibiotikum setzt der Mediziner erst ein, wenn es zu einem "Sekundäreffekt" gekommen ist, sich auf die Virus-Erkrankung eine bakterielle Erkrankung aufgepfropft hat.

Besonders gut verbreiten sich Grippe-Viren durch Anhusten und einen Händedruck. Gleißner empfiehlt deshalb regelmäßiges Händewaschen und das Meiden größerer Menschenansammlungen.

Unterhält man sich zurzeit mit den Leuten, könnte man meinen, halb Kissingen sei krank. Dabei sei es im Februar normal, dass sich so viele Menschen eine Erkältung einfangen, sagt Dr. Ingo Baumgart, der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes. Seit dem vergangenen Wochenende beobachte man verstärkt Erkältungen, doch liege deren Zahl nicht höher als in den Vorjahren.


Ärzte empfehlen Impfung

Viele Menschen haben sich im Herbst gegen Grippe impfen lassen, "doch der Impfstoff passt heuer nicht so optimal", fährt Dr. Baumgart fort. Ein Virus verändere sich stetig, und das sei heuer passiert. Dennoch empfiehlt der Mediziner vor allem älteren Menschen ab 60 Jahren, chronisch Kranken und jenen, die im Gesundheitssystem arbeiten, sich impfen zu lassen. Auch Dr. Gleißner empfiehlt die jährliche Grippeimpfung - und zwar allen Personengruppen, wenn keine Gegenanzeige vorliegt.

Dr. Baumgart rät wie Dr. Gleißner dazu, sich regelmäßig die Hände zu waschen. Wobei das gründliche Händewaschen mehr bringe als das Einreiben der Hände mit einem Desinfektionsmittel aus dem mitgeführten Fläschchen. Dieses könne nicht ausreichend wirken, wenn die Hände verschmutzt sind, so der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes.

Außerdem sollte man aufpassen, dass man sich nicht verkühlt. Zum Beispiel, wenn man sich aus der warmen Kneipe verschwitzt und ohne wärmende Kleidung zum Rauchen ins Freie begibt oder den Mülleimer nach draußen trägt.

Beruhigendes gibt es übrigens aus dem St.-Elisabeth-Krankenhaus zu hören. So war die Belastung des Notdienstes am Wochenende sehr hoch (wir berichteten). Wie Pressesprecher Ingo Mack gestern betonte, habe man durch eine entsprechende Koordination des Belegmanagements keine Probleme mit der Verfügbarkeit von Betten. "Wir sind ausreichend aufnahmefähig", so Mack. Beim Personal habe man grippebedingte Ausfälle zu verzeichnen, die Versorgung sei dadurch aber nicht gefährdet: "Es liegt auch hier alles im üblichen Rahmen."


Selbstverteidigung gegen Grippe


Faltblatt Unter dem Motto "Selbstverteidigung gegen Grippe" hat das Robert-Koch-Institut in Berlin ein Faltblatt herausgegeben. Hier einige der Tipps:

Hygiene Mehrmals täglich 20 bis 30 Sekunden die Hände auch zwischen den Fingern mit Seife waschen.

Husten Beim Husten Abstand zu anderen Personen halten. Am besten in den Ärmel, nicht in die Hand husten.

Händeschütteln Es empfiehlt sich, Menschenansammlungen zu meiden und auf das Händeschütteln zu verzichten.

Lüften Drei- bis viermaliges Lüften geschlossener Räume für jeweils zehn Minuten verringert die Zahl der Viren in der Luft.

Impfung Um die Ansteckungsgefahr zu minimieren, rät das Robert-Koch-Institut zur Impfung.

Infos Mehr Informationen und auch den Weg zum Faltblatt "Selbstverteidigung gegen Grippe" gibt es unter www.wir-gegen-viren-de