Bad Kissingen hat einen eigenen Herbstanfang. Dieser fällt weder mit dem meteorologischen noch mit dem kalendarischen zusammen. Herbst ist in der Kurstadt dann, wenn die beiden Dampferle aus der Saale kommen. Dafür haben Mitarbeiter der Saaleschifffahrt GmbH die Boote mit einem Kran aus ihrem nassen Bett gehievt. Für die Schiffe geht es nun in das Trockendock, das im ehemaligen Kaffee Neptun untergebracht ist. Zwischen prunkvollen Ornamenten und mediterranen Wandmalereien verbringen sie den Winter in dem 1891 errichteten Neurenaissancebau.

Dafür ist ein schwerer Autokran vor Ort. "Wir können bis zu 100 Tonnen Last an den Haken nehmen", sagt Armin Weidner. Der Gauaschacher ist Kranfahrer bei der beauftragten Firma. Um die beiden Boote sicher an Land zu bringen ist nicht nur ein gutes Augenmaß, sondern auch die Kommunikation wichtig. Mit Rufen und Handzeichen dirigieren die Mitarbeiter der Saaleschifffahrt GmbH zunächst die "Kissingen" und dann die "Saline" zu den Bootswägen. Erst wenn der Kiel des Schiffs mit Markierungen auf dem Wagen in einer Flucht ist, kann Weidner es vom Haken nehmen. Mit Keilen sichern die Mitarbeiter die Schiffe vor dem Verrutschen. Dann schleppt ein alter Eicher-Traktor Boot für Boot ins Trockendock. Dort werden sie für die kommende Saison fit gemacht.

In der vergangenen Saison lief nicht alles glatt. Insbesondere die Witterung stellte das Bad Kissinger Traditionsunternehmen vor Probleme. "Es war zeitweise für die Gäste zu warm, um mit den Booten zu fahren", sagt Dr. Helmut Fischer, der Inhaber der Saaleschifffahrt GmbH Bad Kissingen. Seine Familie führt den Betrieb bereits seit dem Jahr 1882. Die Hitze und Trockenheit habe sich auch auf den Pegelstand der Saale ausgewirkt. "Deshalb mussten wir an einem Tag sogar den Fahrbetrieb einstellen."

Tragisch sei ebenfalls der Ausfall der "Kissingen" gewesen. Bei dem 1923 gebauten Boot gab es einen Defekt an der Kupplung. Das Schiff mit dem genieteten Stahlrumpf fiel über vier Wochen aus, denn das Bauteil musste extra für die "Kissingen" angefertigt werden. Die Folge waren Gewinneinbußen und Reparaturkosten. Dr. Fischer hat eine klare Meinung zur vergangenen Saison: "Noch so ein Jahr wäre nicht so prickelnd." Trotz aller Hürden gab es für die Saaleschifffahrt GmbH Lichtblicke. "Wenn das "Gartencafé Auszeit" beim Salinenblick geöffnet hatte, hat das auch unserem Unternehmen gut getan." Fischer hofft darauf, dass in den gastronomischen Bereich entlang der Route noch etwas "mehr Bewegung reinkommt".

Erster Erfolg

Positiv in Erinnerung hat er auch den heuer erstmals einberufenen runde Tisch, an dem neben der Saaleschifffahrt GmbH unter anderem das Wasserwirtschaftsamt, die Stadt Bad Kissingen und die Bayerische Staatsbad Bad Kissingen GmbH sitzen. Auf einen ersten Erfolg in der Zusammenarbeit dürfen die Beteiligten bereits zurück blicken. Das Wasserwirtschaftsamt entfernte in der Nähe der oberen Saline einige Hindernisse im Wasser. Diese sorgten zuvor für eine starke Strömung in der Saale. "Dadurch wird jetzt die Antriebsmechanik unserer Boote nicht mehr so stark belastet", sagt Fischer.