Kann Neu-Rentner Julius wie im Betrieb auch zu Hause sein Organisationstalent mit Masterplänen, Schwachstellenanalysen und Kosten-Nutzen-Rechnungen durchsetzen? Er versucht alles, wird aber von den turbulenten Ereignissen im Lustspiel "Überraschungen" überrollt. Mit dem Zweiakter aus der Feder von Elli Stahl begeisterten die Laienspieler des Pfarrgemeinderats die mehr als 300 Besucher.

"Am wichtigsten ist es, eine Idee, ein Thema zu finden. Dann reihe ich einzelne Passagen aneinander, wie sie heute das Leben schreibt", erzählt Elli Stahl, die die Gabe hat, Alltagsszenen mit Humor und Witz zu füllen. Das gelang ihr in diesem Jahr wieder perfekt. "Dabei richte ich meine Geschichte auch nach den Akteuren aus, texte also für jeden Mitspieler typische Entfaltungsmöglichkeiten. Das macht im Laufe des Schreibens viel Spaß, und dann noch mehr, wenn wir zusammen proben." Erste Leseproben hatten bereits im Juli begonnen. In den vergangenen Wochen war es dann eher um den Feinschliff gegangen. Der Lohn: Ein begeistertes Publikum, vor allem viele Kinder und Jugendliche, die sich in den eineinhalb Stunden prächtig amüsierten.

In dem Stück geht es um Julius (Roland Seufert), der nach 42 Arbeitsjahren, in denen er für Frau und Kinder geschuftet hat, in den Ruhestand geht. In all den Jahren stand dem Manager von "Treppen-Schorsch und Söhne" seine Sekretärin Fräulein Lieselotte (Rita Blass) fürsorglich zur Seite. Seine Frau Elfriede (Renate Staab) kümmert sich um Haus und Familie und hält gern mit Nachbarin Waltraud (Beate Werner) Kaffeeklatsch. Sie freut sich, dass ihr Mann bald viel Zeit für lang gehegte Ideen wie eine Kreuzfahrt hat.

Konrad (Erich Werner), Mann der Nachbarin, ist in Rente und kümmert sich vor allem um sein Enkelkind. Er plant Unternehmungen mit Julius wie Stammtisch, Wanderungen mit der Rentnergruppe und Rentnertrip nach Mallorca.


Julius lässt nicht locker


Doch es kommt ganz anders: Julius, handwerklich völlig untalentiert, will den Haushalt auf Vordermann bringen. Mit Jour fixe und Brainstorming denkt er, Ordnung zu schaffen. Per PC erfasst er alles in Listen und ordnet es alphabetisch Schubkästen zu. Selbst der Opa (Hubert Greubel) soll alles, was er macht, minutiös eintragen. Sohn Stefan (Jonas Rauh), ewiger Student, hält sich weitgehend zurück. Doch der Wasserhahn tropft weiter, das Klo ist verstopft.

Und Julius lässt nicht locker: Er will die Null-Arbeitsmoral, die er allen einschließlich der neugierigen Nachbarin Olga (Margarethe Müller) vorwirft, mit allen Mitteln ändern. Aber er hat seine Rechnung ohne seine Familie und Nachbarn gemacht: Tochter Vroni (Melissa Greu-bel), die unerwartet aus den USA mit "Projekt" Kind ohne "Projektleiter" zurückkehrt, und Sohn Stefan, der seine schwangere Freundin Jacqueline (Julia Seufert) ins Haus holt.

Für die Rottershäuser ist der Besuch des Pfarrfamilientags eine selbstverständliche Tradition. Und das Theaterspiel krönt das Treffen. So war es auch diesmal, wie der lang anhaltende Applaus zeigte. Den Dank der Gäste reichte Gabi Kanz, die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, an die Akteure einschließlich Elli Stahl weiter, die nicht nur das Stück schrieb, sondern auch Regie führte und als Souffleuse half.