Die Rhön ist im Finale: Hier und in den Donau-Auen geht es weiter im Dialogprozess um den dritten Nationalpark. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte nach der Kabinettssitzung in München, das Besondere in der Rhön sei das "länderübergreifende Konzept" mit Hessen. Damit ist klar: Die Gebietskulisse verschiebt sich.
Die neue Gebietskulisse soll nun von Umweltministerin Ulrike Scharf und Forstminister Helmut Brunner (beide CSU) bestimmt werden. Dabei können Kernflächen des Biosphärenreservats "ohne Einschränkungen in den Nationalpark integriert werden", so Seehofer. In Richtung Hessen liegt der Truppenübungsplatz Wildflecken, auf dem eine Kernzone des Biosphärenreservats zu finden ist.


Kritik vom Chef

Seehofer übte Kritik an den Nationalparkgegner aus den eigenen Reihen. "Der Widerstand kommt sehr stark aus der CSU, auch von Abgeordneten, das ist betrüblich." Er rügte auch den Diskussionsstil von Teilen der Gegner: Obwohl immer klar gewesen sei, dass nur Staatswald in Frage komme, sei wiederholt von "Enteignung" die Rede gewesen. Er bekräftigte, an seinen Plänen festzuhalten: "Die Bevölkerung kann sich darauf verlassen: Wir stehen zu dieser Entscheidung." In Bayern sei eine klare Mehrheit für einen neuen Nationalpark.
Reaktionen dazu von Thomas Bold (CSU), Landrat von Bad Kissingen: "Ich finde es sehr gut, dass mit der Entscheidung des Kabinetts der Zeitdruck herausgenommen wurde. Ich habe auch immer deutlich gemacht: Zunächst muss klar sein, wie die Gebietskulisse aussieht, bevor man eine Entscheidung treffen kann. Oder wie man in Franken sagt: Man muss nun einen Kloß nach dem anderen essen." Dass es eine neue Gebietskulisse mit Hessen geben soll, sieht er positiv. Sollte sich die Gebietskulisse eher an der Ländergrenze zu Hessen erstrecken, sei durchaus vorstellbar, dass anderswo aus dem bestehenden Entwurf Flächen wegfallen.
Dass Teile des Truppenübungsplatzes Wildflecken jetzt für einen Nationalpark ins Gespräch kommen, hält Bold für sinnvoll, denn der überwiegende Teil der Kernzone des Biosphärenreservats auf diesem Übungsplatz liegt mit gut 700 Hektar in Hessen. Auf bayerischer Seite sind etwa 400 Hektar des Übungsplatzes der Bundeswehr Kernzone. Und nur über diese Kernzone werde gerade gesprochen. Er geht jedoch davon aus, dass vor allem die hessische Kernzone einbezogen werden soll.


"Schönes Nebeneinander"

Thomas Habermann (CSU), Landrat Rhön-Grabfeld: "Ich freue mich, dass der Ministerrat einen Waldanteil in der Rhön als geeignete Kulisse ansieht. Das könnte ein sehr schönes Nebeneinander mit der hochwertigen Kulturlandschaft des Biosphärenreservates ergeben."
Sandro Kirchner, Landtagsmitglied, ist froh, dass der Zeitdruck nun vorbei ist. Und er freut sich, dass in punkto neuer Gebietskulisse auch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten mitwirken soll. Nun gelte es, die neue Kulisse in Abstimmung mit Hessen zu prüfen. "Es soll kein Ad-Hoc-Schuss werden." Zudem müsse man auch gleich gewisse Ängste bei der Bundeswehr nehmen, denn was den Trupenübungsplatz angehe, ist für Kirchner klar: "Es geht nur um Kernzonen."
Daniel Wehner vom Verein "Unsere Rhön - gemeinsam stark": Es war ja abzusehen, dass wir im Rennen bleiben. Ob das Ex-Landtagsmitglied Robert Kiesel mit seiner Vermutung Recht hatte, dass die Entscheidung schon lange feststand? Vielleicht ja - denn die Fakten, warum Spessart und Frankenwald rausfallen, wusste man ja schon lange. Enttäuscht bin ich nicht, das ist Demokratie."


"Der richtige Schritt"

Claus Schenk, Mitarbeiter im Infozentrum Haus der Schwarzen Berge: Ich freue mich für die Rhön als Biosphärenreservat. Dass es nun um einen länder-übergreifenden Park geht, ist der richtige Schritt für den Park in der Mitte Deutschlands.
Heinz Stempfle, Bezirksvorsitzender Hotel- und Gaststättenverband: Das ist eine gute Nachricht, auch wenn die Bauern mich steinigen werden. Doch mir geht es um den Wirtschaftszweig Tourismus. Mit Material der dpa
Isolde Krapf, Henry Stern, Susanne Will