Anne packt an den grünen Holzgriff und dreht ihn im Uhrzeigersinn. Nur kurz. "Ganz schön laut", sagt die Achtjährige. Die Klapper, die sie in der Hand hält ist schon 50 Jahre alt, schätzt ihre Mutter Susanne Bocklet. Sie ist Museumspädagogin im Schloss Aschach. Am Ostermontag stellt sie bei einer Familienführung Osterbräuche aus der Rhön vor. Der Einsatz der Holzklappern ist nur einer.

Eine Tradition, von der die Kunsthistorikerin selbst erst vor zwei Jahren erfuhr, ist die des Osterstorchs. Diese geht mehr als 300 Jahre zurück und gibt es heute nur noch in Ostheim vor der Rhön, erklärt die 42-Jährige. Dort gibt sich sprichwörtlich nicht der Hase, sondern der Storch als Eierlieferant aus. "Die Störche sind im Frühjahr in die Rhön zurückgekommen. Das passt zeitlich gut zu Ostern."


Ostern vor 100 Jahren

Im Volkskundemuseum will Susanne Bocklet zusammen mit den Besuchern dem Osterfest vor 100 Jahren auf die Spur kommen. Wie feierten die Menschen diese Tage? Wie wurden die hellen Eiern ohne Industriefarbe bunt und was kam damals auf den Tisch? "Backen war früher eine Kunst. Man musste einschüren und immer wieder kontrollieren." Bis zum fertigen Osterbrot oder dem speziellen Ostergebäck war es ein längerer Weg als heute. Die Kinder wussten sich die Zeit zu vertreiben. Mit Spielen rund ums Ei. Eierditschen, Eierlauf, zählt die Kunsthistorikerin auf. Am Ostermontag wartete dann der "Dout", der Taufpate, mit "einem Bündel". In einem weißen Tuch waren Geschenke eingeschlagen. Bunte Eier, Süßigkeiten und Geldstücke.

Für die Rhöner Bräuche interessierte sich sogar ein deutschsprachiger TV-Sender aus Rumänien. Das Filmteam drehte für einen Beitrag in der Region und interviewte kurzerhand auch Susanne Bocklet zu den Ostertraditionen. "Das Klappern kannten die gar nicht." Ihre Tochter Anne dafür umso besser. Wenn von Gründonnerstag bis Karsamstag die Glocken in den katholischen Gemeinden still stehen, will auch sie zur Ratsche greifen und durch die Straßen ziehen.

Info: Susanne Bocklet führt am Ostermontag, 21. April, Familien durchs Schloss Aschach und stellt Osterbräuche aus der Rhön vor. Sie hinterfragt Traditionen und Gepflogenheiten. Was hat es mit dem Osterei und dem Osterhasen auf sich und woher kommt eigentlich der Osterstorch? Treffpunkt ist um 15.15 Uhr am Museumseingang. Nach der Führung können die Kinder im Schlosspark nach Ostereiern suchen.