"Vorige Woche sind sie dann frei gelassen und in eine Wiese gesetzt worden", informierte Willecke. Nach ersten erfolgreichen Flugversuchen in der Großvoliere gehe es nun darum, das Segeln mit Hilfe der Thermik zu erlernen. Nur so können die Tiere die vielen tausend Kilometer bis nach Afrika energiesparend zurücklegen.

"Was ihren Ernährungszustand und auch ihr Verhalten angeht, sieht es gut aus", zeigte sich Willecke optimistisch. An Regenstauf führe auch eine Zuglinie der Vögel vorbei, sodass sich die Hammelburger Störche anschließen könnten, wenn es Ende August oder Anfang September Richtung Süden gehe. "Die Störche vergesellschaften sich", erklärte er.

Rettungsaktion nach Dauerregen

Ende Mai hatte Willecke die vom Dauerregen durchnässten und entkräfteten Tiere aus dem Nest auf dem Mönchsturm geholt. Von fünf Küken waren da zwei bereits tot. Er päppelte die verbliebenen Tiere zuhause auf und brachte sie nach ein paar Tagen wieder ins Nest. Doch die Altvögel nahmen ihren Nachwuchs nicht mehr an.
So wurden die Jungstörche im Juni in die Vogelstation des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) in Regenstauf gebracht. Dort wurde streng darauf geachtet, dass die Störche nicht mit Menschen in Kontakt kommen und sich an ihren Artgenossen orientierten. Das Futter wurde ihnen in die Voliere geworfen. Auch beobachtet werden konnten sie nur indirekt über einen Spiegel.

Derweil wohnen ihre Eltern nach wie vor auf ihrem neuen Nest auf dem Hammelburger Rathaus. Das ist nach den Worten von Jochen Willecke aber nicht groß und stabil genug, um dort Nachwuchs aufzuziehen. Er geht auch davon aus, dass das Paar sich im nächsten Frühjahr nach seiner Rückkehr aus dem Süden wieder auf seinem alten Domizil auf dem Mönchsturm niederlässt. mr