Zur Informations-Versammlung der Bürgerinitiative (BI) unter dem Titel "Verkehrsentlastung für Nüdlingen, Ortsumgehung jetzt", trafen sich die Mitstreiter, um die vorgestellten Varianten des Staatlichen Bauamtes Schweinfurt in der Bürgerversammlung vom 1. März zu diskutieren.

Sprecherin Anita Haub erläuterte den Vorschlag der BI vom 25. März, eine weitere Trasse zu prüfen. Die Trasse sollte um den Sinnberg herum auf die Kasernen Straße führen, die am Bad Kissinger Nordring angeschlossen ist. Ein 800 Meter langes, 50 Meter hohes, teures Brückenbauwerk würde somit überflüssig. Außerdem könnte die Trasse tiefer gelegt und der Schall- und Sichtschutz für das Neubaugebiet minimiert werden. Die Variante würde nicht zum "Waldschlösschen hoch und auf der anderen Seite des Sinnberg - wie bisher - wieder runter durch den Stadtteil Winkels führen.

In der Stellungnahme Staatlichen Bauamtes vom 14. April wurde jedoch darauf hingewiesen, dass die vorgeschlagene Variante zwar eine Großbrücke entbehrlich mache und die Anwohner in Winkels entlastet würden, aber neue Betroffenheiten und bauliche Konflikte entstünden. Lärmschutzmaßnahmen für das Gartenhausgebiet müssten errichtet und die Kasernenstraße, an der sich Bau- und Lebesmittelmarkt angesiedelt haben, bis zur Einmündung in den Ostring vierspurig ausgebaut werden. Das würde Kosten verursachen, die die Einsparungen durch den Wegfall der Brücke wieder auffressen würden, so das Argument Staatlichen Bauamtes.

Die Versammlungsteilnehmer forderten jetzt eine zeitnahe Ortsumgehung, ob mit oder ohne Brückenbauwerk oder Trassenführung. Die Ortsumgehung der B 287 müsse bewirken, dass erstens der Durchgangsverkehr den Wohnort nicht mehr teilt, zweitens der Pendlerverkehr der KG 17 aufgenommen und nicht mehr durch den Altortskern führt, drittens das Gewerbegebiet mit seinem Lkw-Verkehr angebunden und viertens der Unfallschwerpunkt auf den Serpentinen zum "Waldschlösschen" hoch, umfahren wird, so die Forderung der Bürgerinitiative.

In einem Rückblick stellte Anita Haub fest, dass die Gemeinde bereits 1964 die Ortsumgehung vergeblich beantragt hatte und danach den Antrag alle 15 Jahre wiederholt hat: Zum letzten Mal im Dezember 2012 vor der Neufeststellung des Bundesverkehrswegeplanes (BVWP) 2030.

Ende der 70er Jahre seien noch 5000 Fahrzeuge gezählt worden, 2012 bereits 10 00 und im Juni 2017 schon 12 200 Fahrzeuge. Das statistische Bundesamt rechne mit einer Zunahme des Verkehrs um weitere 30 Prozent im ländlichen Raum. "Das kann unsere Gemeinde nicht mehr verkraften", meinte Haub.

Die BI "Verkehrsentlastung für Nüdlingen, Ortsumgehung jetzt" wurde am 7. Mai 2015 gegründet. Gemeinderätin Anita Haub wurde zur Sprecherin und Ewald Kiesel zu ihrem Stellvertreter gewählt.

Die BI nutzte alle Möglichkeiten, auf die Verkehrssituation in Nüdlingen hinzuweisen: Mit einer Plakataktion an den Durchgangsstraßen im Jahr 2015, und indem man Kontakt zu Politikern aufgenommen hat, regional wie überregional. Schließlich wurde Nüdlingen am 16. März 2016 tatsächlich in den vordringlichen Bedarf des BVWP aufgenommen. Am 2. Dezember 2016 stimmte der Deutsche Bundestag dem BVWP zu, somit erlangte er Rechtskraft. Mit der Planung wurde das Staatliche Bauamt Schweinfurt beauftragt. Nun geht es der Bürgerinitiative darum, dass der Bau zeitnah verwirklicht wird, damit die Bürger vom Durchgangsverkehr befreit und danach eine umfangreiche Dorferneuerung stattfinden kann. Auch für ein Gewerbegebiet würden sich neue Perspektiven ergeben und ortsnahe Arbeitsplätze entstehen.