Stephanie Pfeiffer, die heute in New York lebt, weiß noch genau, wie 1946 die politische Karriere ihrer Mutter als CSU-Landtagsabgeordnete begann. "Die Rede ist sehr gut", stärkte sie ihrer Mutter vor einem wichtigen Auftritt den Rücken und nickte ihr während des Vortrags dann immer wieder zu. Sie hat ihre ersten Wahlkämpfe miterlebt und auch, wie sie sich für die Menschen eingesetzt hat.

"Alle wollten mit ihr reden"


"Nach dem Krieg war in Hammelburg ja alles kaputt. Die Menschen, die in der Landwirtschaft gearbeitet haben, waren am Ende und sie wollten unbedingt meine Mutter sprechen", erinnert sie sich. Einmal wollte die Schlange kein Ende nehmen, und da bot sie den Menschen an, ihre Anliegen zu notieren und weiterzugeben - auch um ihre Mutter zu schonen, die krank war. Doch es half nichts, alle wollten mit Dr. Maria Probst persönlich sprechen. "Ihre Nöte waren einfach enorm", weiß Stephanie Pfeiffer.

Die jüngere Tochter, Barbara Probst, die in Madrid lebt, macht keinen Hehl daraus, dass es auch Schattenseiten gab, weil die Mutter so vielbeschäftigt war. Sie wurde "von einem Internat ins andere geschickt", insgesamt zwölf Jahre verbrachte sie hier. Ihre Schwester und sie litten darunter, dass ihre Mutter nicht so viel Zeit für sie hatte. "Wir haben viele Opfer gebracht, aber ich habe es ihr nie übel genommen. Ich habe verstanden, dass sie nicht anders konnte", sagte Barbara Probst.

Die Politik habe ihr die Möglichkeit gegeben, kreativ zu sein und zu handeln. "Es gab ihr eine innere Befriedigung. Sie konnte sehen, was sie geschaffen hat", erklärte die Tochter. Genau wie ihre ältere Schwester hat sie die Arbeit ihrer Mutter unterstützt, auch ganz praktisch, zum Beispiel, indem sie in der Freizeit ihre Ablage ordnete.
Dr. Maria Probst erhielt unzählige Schreiben von Menschen, die auf ihre Hilfe hofften. "Die Berge von Post haben sie verfolgt und waren wie ein Mühlstein", brachte es Barbara Probst auf den Punkt.

Ehrenbürgerin in zehn Städten


CSU-Ortsverbandsvorsitzender Detlef Heim würdigte das Engagement von Dr. Maria Probst für die von den Kriegsfolgen betroffenen Menschen. Er erinnerte daran, dass sie in zehn Städten Ehrenbürgerin wurde, darunter in Hammelburg, Karlstadt und Gemünden.

Ex-Landrat Herbert Neder, seinerzeit Bundeswahlkreisgeschäftsführer, wusste zu berichten, dass Dr. Maria Probst auf eigene Kosten eine Sekretärin beschäftigt habe, um auf alle Bittsteller eingehen zu können. Sie habe sogar eigenen Schmuck verkauft habe, um Menschen in Not zu helfen. Und Bundeskanzler Konrad Adenauer habe sie 500 000 Mark abgerungen, "für die Ärmsten der Armen, für Witwen und Waisen."

CSU-Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär freut sich, dass sie in "der Tradition von Dr. Maria Probst tätig sein darf." Sie habe für jeden ein offenes Ohr und daher zu Recht den Beinamen "Maria Hilf" gehabt. Landrat Thomas Bold unterstrich, Dr. Maria Probst habe den Landkreis geprägt "durch ihre Persönlichkeit, ihren Willen und ihren Charme". Sie sei einzigartig gewesen ihn dieser Zeit.