Dass es die Energiewende zum Nulltarif geben wird, hat niemand erwarten können. Versorger und Staat greifen Bürgern und Unternehmen aber sehr tief in die Tasche. Jetzt wird die nächste Preissteigerungsrunde eingeläutet.



Die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV) hat in Bad Kissingen um die 330 Beschäftigte und Auszubildende sowie knapp 360 Betten in zwei Sanatorien. Der Stellvertretende Verwaltungsleiter Gerhard Stein sieht die drohende Strompreiserhöhung um knapp zehn Prozent relativ gelassen: "Das setzen wir in unseren Wirtschaftsplan mit ein, was natürlich die Kosten erhöht."

Der Pflegesatz werde sich verteuern, wofür letztendlich die Solidargemeinschaft aufkommen müsse. Gerhard Stein erwartet einen Mehraufwand von rund 30.000 Euro. Wie Gerhard Stein sagt, hat das Reha-Zentrum in Bad Kissingen wegen der zentralen Leittechnik einen relativ günstigen Verbrauch und eine hohe Energieeffizienz. Deshalb sieht er auch keine Arbeitsplätze in Gefahr.

Martin Pausewang ist Technischer Gesamtleiter der "Heiligenfeld"-Unternehmensgruppe mit 700 Mitarbeitern und ebenso vielen Betten in mehreren Kliniken. Einen dreiprozentigen Aufschlag nennt er "nicht unerheblich" angesichts der enormen Aufwendungen für Energie. Diese Mehrkosten könnten nicht auf die Tagessätze aufgeschlagen werden. Die seien auf Jahre fest verhandelt. Sie gingen "voll zu unseren Lasten". Man wisse im Haus aber noch nicht, "wie wir damit umgehen".

"Heiligenfeld" sei energetisch breit aufgestellt und betreibe zwei Blockheizkraftwerke. Eventuell kommen langfristig eines oder zwei weitere hinzu. Das Problem: Bei solchen Anlagen ist Strom im Vergleich zur Wärme - "was mache ich damit zum Beispiel im Sommer?" - im Prinzip ein "Abfallprodukt". Deshalb denkt Martin Pausenwang auch über die Nutzung von Solarenergie nach. Aber auch das ist kein Allheilmittel.



"Wir haben ein Blockheizkraftwerk und machen einen Teil unseres Stroms selber", so Hans Markwalder, Geschäftsführer des 800-Betten-Hotels "Sonnenhügel". Den Rest liefern die Stadtwerke, an die man bis Ende 2013 fest gebunden sei. Eventuelle Erhöhungen "wird man auf die Preise aufschlagen müssen". Er wisse aber nicht, wie viel das ausmachen wird. Mit dieser Problematik habe er sich noch nicht befasst.
Jakob Lux, Sprecher Takata Plas-Tec GmbH in Albertshausen, sagt, das Unternehmen sei als energieintensiver Betrieb von der EEG-Umlage befreit. In dem Werk arbeiten 290 Beschäftigte. Sie fertigen große Kunststoffteile für Kraftfahrzeuge.

Die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verteilt die Kosten für die Erzeugung von Öko-Strom auf die Verbraucher. Die vier großen Netzbetreiber ermitteln Mitte Oktober die EEG-Umlage für das nächste Jahr. 2013 wurde ein Bedarf von 22,9 Milliarden Euro (2012: 19,4 Milliarden) ermittelt, um Einnahmen und Ausgaben auszugleichen. Im Vergleich zum Vorjahr ergibt so sich ein Plus von 46,9 Prozent.

Die Steigerung ist auch so drastisch ausgefallen, weil ein finanzieller "Liquiditätspuffer" eingeführt worden ist. Auswirkung Pro Kilowattstunde (kWh) sind künftig 5,277 Cent fällig. Für einen Durchschnittshaushalt (3.500 kWh) sind das im Jahr knapp 59 Euro Mehrbelastung. Ausnahme Energieintensive Betriebe können von der Umlage befreit werden. Voraussetzung ist, dass mehr als 100 Giga-Watt Strom verbraucht werden und dass die Energiekosten über 20 Prozent der Wertschöpfung ausmachen. Die Finanzlücken müssen allerdings von den anderen Endverbrauchern ausgeglichen werden.