Fast 21 Jahre lang ist Erich Sauer als Pfarrer in Fuchsstadt, Machtilshausen und Feuerthal tätig. Darüber hinaus wirkt er seit fünf Jahren in den fünf weiteren Gemeinden der Pfarreiengemeinschaft Saalekreuz. Jetzt zieht es ihn in die Nähe seiner Heimat zurück, nämlich nach Haibach in der Nähe von Aschaffenburg. Die Umzugskisten seien noch nicht gepackt, nur den Oster- und Weihnachtsschmuck habe Sauer nach den Festen an seinen neuen Wohn- und Arbeitsort gebracht.
"Mit den durchwegs aufgeschlossenen Gemeindemitgliedern war immer ein gutes Arbeiten möglich", weiß der 51-Jährige nach der langen Zeit vor Ort, "ihnen liegt etwas am Glauben." Nicht zuletzt deshalb brachte er sich auch als Privatmann gerne ins Dorfleben mit ein und war bei Faschingsaktivitäten stets dabei. Das könnte in der neuen Gemeinde anders werden: "Durch die Nähe zu Aschaffenburg geht es dort städtischer zu, der persönliche Kontakt könnte weniger intensiv sein", vermutet er. Trotzdem freut sich Sauer auf die neue Stelle am nordwestlichen Rand von Bayern. Statt bisher acht gibt es dort nur drei Einsatzorte. "Das erleichtert die Arbeit erheblich. Ich werde ja auch nicht jünger", lacht er. Schwieriger werde es, sich in der neuen Umgebung einzugewöhnen: "Ich muss die Verhältnisse und Gemeindemitglieder kennen- und verstehen lernen." Außerdem müsse er sich positionieren und seine Akzente setzen.

Gestraffte Gottesdienstordnung


Dabei wird sich in der neuen Gemeinde sicherlich einiges ändern. Vielleicht noch auffälliger werden aber die Veränderungen für die Pfarreiengemeinschaft Saalekreuz sein. Die Pfarrstelle sei zwar ausgeschrieben, doch gebe es bisher noch keine Bewerber oder Interessenten. "Wir haben die Gottesdienstordnung gestrafft und nicht jede Goldene Hochzeit kann eine eigene Messe bekommen", sagt Sauer mit Blick auf die Zukunft.
Im Großen und Ganzen gehe es aber gut weiter, auch dank der Pensionisten, hauptamtlichen Mitarbeiter und ehrenamtlichen Helfer. "Die Wortgottesbeauftragten werden mehr Arbeit haben, da nur mit ihnen die Gottesdienstzeiten abgedeckt werden können", schätzt die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats Fuchsstadt, Romana Heinemann-Kufer.
Gerade dieses Engagement der Ehrenamtlichen sei besonders wichtig. Auch auf die Hauptamtlichen werde mehr Arbeit zukommen, so etwa auf den Gemeindereferenten Markus Schlereth: "Es fehlt eine ganze Stelle, die können wir nicht ausgleichen. Wir müssen sehen, was weiterlaufen kann und was nicht mehr geht." Von einer pessimistischen Stimmung kann dennoch keine Rede sein: "Wo eine Tür zugeht, geht eine neue Tür auf. Mit neuen Aufgaben können wir wachsen. Dabei mit Angst in die Zukunft zu gehen, hat keinen Sinn", sagt Heinemann-Kufer.
Bis ein neuer Pfarrer kommt, kann einige Zeit vergehen. "Ein bis zwei Jahre könnten es schon sein", vermutet Sauer. Im Moment gebe es rund zehn freie Stellen im Bistum Würzburg. "Eine Stelle mit acht zu betreuenden Ortschaften könnte abschreckend sein." Auch hier herrscht wie im Rest Deutschlands akuter Priestermangel. "Daran wird sich auch von heute auf morgen nichts ändern", meint Schlereth, "wir müssen uns auf diese Situation einstellen." Von zentraler Bedeutung sei dabei die Frage, wie man als Kirche vor Ort den Glauben gemeinsam leben kann.
Dabei solle die Kirche attraktiv sein und einladend wirken: "Heute müssen wir stärker als früher um jeden Katholiken werben. Kirche ist nicht mehr selbstverständlich", sagt Pfarrer Sauer. Die Zeit und damit die Einstellung der Gläubigen hätten sich geändert. "Natürlich könnte man auch über die Frage des Zölibats nachdenken", ergänzt er.
Trotzdem müsse die Kirche ihr Profil behalten, sagt der Gemeindereferent: "Wir können uns nicht an jeder Strömung in der Gesellschaft orientieren, das wäre zu einseitig." Ein stärkeres Miteinander von Kirchgängern und den höheren geistlichen Ämtern wäre wünschenswert.
Am Samstag, 28. Juli, wird Pfarrer Erich Sauer mit einem Gottesdienst verabschiedet. Beginn ist um 18 Uhr in der Pfarrkirche in Fuchsstadt. Danach geht es in einer Parade zum Empfang in der Mehrzweckhalle.