Es war eine Feststellung und zugleich ein Appell: "Wir werden nie der günstigste Stromanbieter Deutschlands sein. Aber wer Bezug zu seiner Gemeinde hat, wer Kunde bei den örtlichen Banken ist, wer am Ort einkauft, der wird auch beim örtlichen Stromanbieter, der wird bei den Gemeindewerken bleiben." Bürgermeister Günter Kiesel und mit ihm die große Mehrheit des Gemeinderates wollen alles dafür tun, damit die Nüdlinger Gemeindewerke erhalten bleiben.

Die werden, wie andere Stromanbieter auch, zum Jahresbeginn 2013 ihre Preise anheben. Der Gemeinderat hat beschlossen, dass es 4,34 Cent/ kWh sein sollen. Das sind 17,37 Prozent mehr gegenüber 2012. Die Preise bei den Gemeindewerke waren, anders als bei anderen Anbietern, 2011 und 2012 konstant gewesen.

Heftige Debatte um Preise

Vorausgegangen war eine ausführliche und streckenweise heftige Debatte, ausgelöst durch einen Text im Handelsblatt im Oktober. Der hatte den Nüdlinger Gemeinderat Christian Höfler (Bürgerblock) geschockt, weil es dort hieß, dass die Gemeindewerke Nüdlingen würden - nebst Dresden mit 24 Prozent - ihre Netzentgelte angeblich um 27 bzw. erhöhen, während der deutsche Durchschnitt bei nur zehn Prozent liege. Daher hatte er beantragt, im Rat einen aktuellen Bericht dazu vorgelegt zu bekommen. Denn Strompreise gehen alle an.

Die Tatsache, dass sie steigen, beherrscht seit Fukushima die überregionalen Schlagzeilen, weil der Ausstieg aus der Atomenergie nicht zum Nulltarif zu haben ist. Auch Nüdlingen kommt nicht umhin, die Preise anzuheben. Zwar nicht, wie im Handelsblatt beschrieben, aber gegen die Stimme von Höfler.

Die Ratssitzung war schon deshalb ungewöhnlich, weil ein vorgeschalteter nichtöffentlichen Teil die interessierte Öffentlichkeit über eine halbe Stunde ausschloss. Der Grund war Roland May, Geschäftsführer der City-Use GmbH. Das ist die Gesellschaft, die für 14 Stadt- und Gemeindewerke, darunter Nüdlingen, den Strom einkauft. Er begründete - später auch ausführlich öffentlich - warum eine Erhöhung unausweichlich ist. Er nannte als Gründe die Umlagen, die der Gesetzgeber im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und im Kraft-Wärme-Koppelungsgesetz (KWKG) vorschreibt und die bereits etwa 50 Prozent des Strompreises ausmachen.

Das nannte May "die höchste Tariferhöhung, die je stattgefunden hat." Und die nun an die Kunden weitergereicht wird. "Andernfalls", so deutlich sagte es der Bürgermeister, "können wir die Gemeindewerke Nüdlingen nicht halten." Das wollen aber alle, auch Höfler. Und außer ihm fanden auch alle Mays Vortrag über die nachhaltige Arbeit der City-Use GmbH und die Argumentation für die Strompreiserhöhung schlüssig.

Die Strompreise ab 2013

Privatkunden haben den Tarif Nüd-Privat, dessen Grundpreis künftig bei 3,98 Euro monatlich liegt und der Arbeitspreis inklusive aller Steuern und Umlagen bei 28,71 ct/kWh; oder den Tarif Nüd-Familie liegen diese Werte bei 8,50 Euro bzw. 26,41 ct/kWh.

Gewerbekunden zahlen im Tarif Nüd-Gewerbe künftig 7,79 Euro bzw. 21,47 ct/kWh; oder im Tarif Nüd-Gewerbe Plus 8,69 Euro und 22,97 ct/kWh im Haupt- und 16,10 ct/kWh im Nachttarif.

Elektroheizung kostet Privatkunden im Tarif Nüd-Therm künftig 4,25 Euro im Monat, 16,23 ct/kWh im Haupt- und 14,19 ct/kWh im Nachttarif.

Erhöhung

Die Tarife wurden erhöht im Nüd-Privat und Nüd-Familie um 4,34 Cent/kWh; Nüd-Gewerbe und Nüd-Gewerbe plus um 3,65 Cent/kWh; Nüd-Therm um 2,68 Cent/kWh.

Beispiel

Bisher zahlte eine Familie mit Jahresverbrauch von 3500 kWh im Tarif Nüd-Familie 874,45 Euro im Jahr; ab 2013 sind bei gleichem Verbrauch dies 1026,35 Euro. Das sind 151,90 Euro