Beim Sängerkranz Reichenbach weiß jedes Mitglied genau, was es zu tun hat, wenn es ums traditionelle Maifest geht. Kein Wunder, denn heuer sind es 40 Jahre, dass es am 1. Mai den "Tanz um den Maibaum" gibt. Genauso lange sind Arnold Nöth und Michael Bötsch auch schon bei den Vorbereitungen dabei "und viele andere Mitglieder des Vereins auch", ergänzt Arnold Nöth. Er lobt seine Leute. Denn schon tagelang vorher müssen die Vorbereitungen getroffen werden, damit am 1. Mai alles gelingt.



Einige Tage vor dem Fest treffen sich die Frauen im Hof von Michael Bötsch zum Kranzbinden. Der Stamm des mächtigen Maibaumes wird in Reichenbach traditionell mit einem Girlandengebinde geschmückt. Und der Maibaum bekommt einen eisernen Kranz, der mit Tannenwedeln umwickelt ist. An ihm werden die bunten Bänder für den Tanz der Volkstänzer festgemacht. In jedem Jahr werden frische Wedel dafür verwendet. An Kunststoffgirlanden hat noch keiner gedacht.

Die Arbeit im Hof von Michael Bötsch gleicht dem Adventskranzbinden - nur dass alles viel größer ist. Mehrere Meter lang ist die Girlande. Der Eisenkranz hat einen Durchmesser von mindestens drei Metern. Die Arbeit ist typische Frauensache. Nur Michael Bötsch kommt vorbei und packt schnell mit an, wenn der schwere Kranz verrückt werden muss. Er kennt jeden Handgriff vom Baumholen bis zum Aufstellen. Er hat auch viele der Werkzeuge und Utensilien selbst gebaut, die es rund um den Maibaum braucht.

"Die Männer holen immer die Baumspitze und die Wedel", erklärt Anneliese Seith. Das ist deren Aufgaben. Beim Binden bleiben die Frauen weitgehend unter sich. "Männer waren da noch nie dabei", sagt Andrea Hammer - "beim Zwiebelschneiden übrigens auch nicht", ergänzt Gunda Tüchert. Vorsitzender Arnold Nöth guckt vorbei. Er sorgt immer für die Belohnung - nach getaner Arbeit gibt es Kaffee und süße Stückchen.
Die neue, frisch geschlagene Baumspitze lagert schon im Hof von Michael Bötsch und wartet darauf, dass sie am Stamm befestigt wird, den der Sängerkranz seit Jahren schon bei Edi Schmitt auf dem Bauernhof eingelagert hat.

"Eigentlich alle Altersgruppen helfen beim Fest", freut sich Vorsitzender Arnold Nöth. Die Aktiven packen mit an, aber auch die Eltern der Kinder. Alleine bis zu 20 Frauen kommen zusammen, wenn am Nachmittag vor dem 1. Mai die Zwiebel für den Plootz geschnitten werden müssen. Heuer ist wieder geplant, 3,5 Zentner zu verarbeiten. "Gar nicht schlimm", meinen die Frauen. Man habe milde, große Zwiebeln. "Außerdem sind wir ja im Freien", sagt Anneliese Seith. Arnold Nöth erklärt, dass der Verein einmal versucht hatte, die Zwiebeln von einer Firma schneiden zu lassen. Das Ergebnis hat keinen überzeugt. Jetzt macht man es wieder selbst. Nur der Plootzteig wird nicht mehr im Dorf geknetet. Ein Vereinsmitglied, der Langenleitener Bäcker Thomas Metz, bereitet den Plootzteig mittlerweile in seiner Backstube zu. "Sonst müssten die Frauen am 1. Mai ja schon um vier Uhr früh anfangen", meint Arnold Nöth. Doch auch anders sind viele der guten Geister des Vereins am 1. Mai oft schon stundenlang am Werkeln, ehe die ersten Gäste eintreffen. Denn bereits ab sechs Uhr müssen die beiden Backöfen im Dorf eingeheizt werden.

Pferdegespann und Tanzgruppen
Die Frauen machen ihre Arbeiten, egal ob Zwiebelschneiden oder Kranzbinden, auch gerne. "Es ist ja nicht jede Woche", meint Andrea Hammer. Außerdem ist das Zusammensein auch eine gute Möglichkeit, ein bisschen zu tratschen, geben die Frauen zu.

40 Jahre sind eine lange Zeit, doch den Reichenbachern ist es gelungen, ihr Fest jung zu halten und doch vieles so zu belassen, wie es von Anfang an schon war. Noch immer zieht ein Pferdegespann den Maibaum zum Dorfplatz und noch immer sind es die Tanzgruppen, die um den Maibaum tanzen, nachdem der Baum geschmückt, aufgestellt und mit den Zunftzeichen versehen worden ist. Nur die Baumspitze ist heute anders als vor 40 Jahren. Damals war es noch eine Birke. Heute sind es Nadelbäume. Ein Spender findet sich immer, weil manch einer froh ist, zu hoch gewachsene Fichten oder Tannen aus dem Garten zu bekommen.

Und auch beim Essen sind die Reichenbacher traditionell geblieben. Es gibt Zwiebelplootz und Bratwürste natürlich. Steaks liegen auch auf dem Grill. "Aber wir haben bis heute keine Pommes", betont Arnold Nöth und darauf ist er auch ein bisschen Stolz.