Eine Sache hat Papst Benedikt XVI. auch in den Augen der Kritiker erreicht, da sind sich die Mitglieder der Hammelburger Initiative "Kirche in Bewegung" einig: Er hat das Amt mit seinem Rücktritt wieder auf eine menschliche Ebene geholt. "Benedikt XVI. hat das Papstamt entmystifiziert", sagte Reinhard Beichel.

Das Ende des Pontifikats fiel zufälligerweise auf den Wochentag, an dem "Kirche in Bewegung" wieder zum Donnerstagsgebet geladen hatte. Und so beteten etwa 50 Leute, zwei Stunden bevor das Pontifikat Benedikts offiziell auslief, für Reformen in der katholischen Kirche. Es waren auch einige auswärtige Besucher dabei, wie Pfarrer in Ruhestand Roland Breitenbach.

Breitenbach bezeichnete den Rücktritt am Rande des Donnerstagsgebets als respektabel. Angesichts der vielen Konservativen im Vatikan habe er aber keine Hoffnung, dass es nun zu großen Veränderungen kommen werde. Breitenbach, der sich selbst statt Pfarrer in Ruhestand lieber Seelsorger nennt, war nicht das erste Mal bei einem Donnerstagsgebet dabei.

Er habe keinen Favoriten für den Nachfolger Benedikts, sagte Beichel und betonte: "Die Erwartungshaltung ist groß." Der neue Papst solle zumindest einen Teil der Wünsche umsetzen, für die "Kirche in Bewegung" eintritt.
Für die Hammelburger Initiative gehört dazu zum Beispiel die Forderung, andere aufgrund ihres Geschlechts nicht auszugrenzen. Die Kirche solle nicht zwischen Mann und Frau unterscheiden. In einer so großen Organisation wie der Kirche sollten den Frauen dieselben Rechte zugestanden werden. Die Kirche sollte "Charismen von Frauen stärker einfließen lassen", wie es eine Teilnehmerin in ihrer Fürbitte formulierte. "Kirche in Bewegung" beruft sich dabei auf die Praxis der urchristlichen Gemeinden.

Die Mitglieder der Reformgruppe zeigten sich durchaus zuversichtlich, dass sich etwas bewegen könnte. Den Rücktritt sahen zumindest viele als Chance. Mit dem Ende des Pontifikats ist für "Kirche in Bewegung" daher noch nicht Schluss. Die Gruppe betet weiter.