Herr Professor Dr. Engehausen, haben Sie sich bereits eingelebt an der Sinntalklinik?
Ja, denn es ist mir von allen Mitarbeitern der Sinntalklinik leicht gemacht worden, die Nachfolge von Herrn Kollegen Professor Dr. Fritschka anzutreten.

Wie ist das Verhältnis zu Ihrem Vorgänger Professor Dr. Emanuel Fritschka?
Gut, kollegial und offen. Da ich als ehemals nierentransplantierender Urologe sehr viele Patienten mit meinen nephrologischen Kollegen in Erlangen betreuen konnte, hat sich bei mir auch ein Verständnis für die nichtoperativ orientierte Sicht der Nierenerkrankungen herausgebildet.

Was hat Sie dazu bewogen, sich von einer großen Klinik hierhin in die Rhön zu bewerben?
Als stellvertretender Direktor der Urologischen Uni-Klinik Erlangen habe ich mich sehr um die Organisation und die Abläufe in der Klinik und in der studentischen Lehre kümmern dürfen. Dabei drohte der mir sehr wichtige Kontakt zum Patienten durch die gesundheitspolitischen Zwänge der letzten Jahre immer mehr verloren zu gehen. Nun kann ich wieder unsere Patienten der Sinntalklinik mit der notwendigen Zeit für ihre individuellen Behandlungen betreuen.

Mit Ihrer Einstellung wurde auch die Ausrichtung der Klinik leicht verändert: Wie intensiv haben Sie das begleitet und was genau ändert sich?
Sicherlich ist die Umorientierung eines nephrologischen Schwerpunktes hin zu einem onkologischen Schwerpunkt mit insbesonders urologischer Betonung erst einmal für die Mitarbeiter ungewohnt. Aber durch meine Nähe zur Nierentransplantation, durch die vielen Nieren-, Prostata- und Harnblasenkarzinom-Patienten, die bereits vor meiner Amtsübernahme in der Sinntalklinik erfolgreich behandelt wurden, ist die Veränderung doch deutlich geringer ausgefallen, als von manchen befürchtet. Onkologisch fachspezifische Probleme können nun viel einfacher umgesetzt werden. Die veränderte Denkweise begeistert sowohl unsere Patienten, als auch die Mitarbeiter.

Ist die Dialysestation bereits abgebaut, was passiert mit den Geräten und wofür wird der Platz in Zukunft genutzt?
Die Dialyseplätze wurden bereits abgebaut. Sie konnten nicht an ein anderes Zentrum verkauft werden. Die Räumlichkeiten haben wir für diagnostische Eingriffe für unsere onkologischen Patienten umfunktioniert. Dies konnte bislang so nicht angeboten werden. Ebenso können wir nun für die rehabilitativ sehr wichtige onkopsychologische Betreuung unserer Patientinnen und Patienten einen weiteren Raum zur Verfügung stellen.

Wie würden Sie selbst Ihren Führungsstil beschreiben?
Mir ist eine teamorientierte Leitung meiner Aufgabenbereiche wichtig. Begeisterte Mitarbeiter setzen sich viel intensiver für eine Aufgabe ein, als nichtmotiviertes Personal.

Was macht den Standort Bad Brückenau Ihrer Meinung nach aus? Womit sollten Stadt und Staatsbad noch mehr werben?
In meinen Gesprächen mit Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks und Kurdirektorin Andrea Schallenkammer konnte ich die Bedeutung der urologischen Rehabilitation für das Nierenheilbad Bad Brückenau deutlich erkennen. Die Niere ist seit über einem Jahrhundert ein wesentliches Organ für uns Urologen.

Sind Sie in die Region gezogen?
Da sich unser ältester Sohn in Erlangen gerade in der gymnasialen Oberstufe befindet, habe ich derzeit ein Appartement in unserer Kooperationsklinik Hartwaldklinik gemietet. Wir planen den Umzug von Erlangen - hoffentlich mit bestandenem Abitur - in zwei Jahren.

Lebenslauf Professor Dr. Dirk Engehausen ist Facharzt für Urologie, Spezielle Urologische Chirurgie und spezialisiert auf ärztliches Qualitätsmanagement. Der Flottillenarzt der Reserve ist 53 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder (zwei Jungen und ein Mädchen).
Studiert hat er in Homburg an der Saar und in Münster (Westfalen). Ausbildungsstationen waren die Urologische Klinik der städtischen Krankenanstalten Dortmund (Professor Dr. Jürgen Sökeland) als Assistenz- und Facharzt sowie die Urologische Klinik mit Poliklinik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen (Professor Dr. Karl Michael Schrott und Professor Dr. Bernd Wullich) als Fach- und Oberarzt sowie stellvertretender Direktor.

Klinik Die Sinntalklinik ist Nachfolgerin des Kurheims Sinntal. Sie hat 130 Betten und 85 Beschäftigte. Die Auslastung betrug mit 46 500 Übernachtungen 98 Prozent.