Turnusgemäß wechseln Vorstand und Geschäftsführung der Regionalen Arbeitsgemeinschaft (Arge) Rhön zum 1. Januar 2013 an den Landkreis Schmalkalden-Meiningen. "Wir werden die Projekte, die in den letzten Jahren begonnen wurden, kontinuierlich weiterführen und alle Aktivitäten in den Fokus rücken, die dazu dienen, um den Standort Rhön aufzuwerten", sagt der zukünftige Vorsitzende, Schmalkalden-Meiningens Landrat Peter Heimrich (SPD), im Gespräch mit der Heimatzeitung. Und: "Unsere Region ist gut zusammengewachsen."

Sie sind gerade mal ein halbes Jahr im Amt, und jetzt kommt noch diese weitere Aufgabe hinzu: Wie viele Stunden hat Ihr Arbeitstag?
Peter Heimrich: Ein Arbeitstag kann natürlich nie genug Stunden haben. Aber ich versichere Ihnen, dass die Arge Rhön nicht zu kurz kommen wird. Dafür ist sie mir viel zu wichtig. In der Rhön stecken noch viele Schätze, die gehoben werden müssen.

Wie groß schätzen Sie den Aufwand für den Arge-Vorstand?
Das lässt sich in Stunden natürlich schwer bemessen. Aber ich bin mir natürlich im Klaren, dass der Arge-Vorsitz keine lockere Feierabendveranstaltung wird. Ich werde in unserem Haus aber auch nach Kräften und mit großer Fachkompetenz unterstützt.

Gibt es Themen, die Sie bald anpacken wollen?
Ganz vorne auf meiner Agenda steht das Thema Vermarktung. Trotz bekannter Premiumwanderwege, allen voran "Der Hochrhöner", haben wir hier - insbesondere im Thüringer Teil - gegenüber anderen Mittelgebirgsregionen Defizite.

Für 2013 steht die Evaluierung der UNESCO an, dabei wird das Thema Kernzonen ganz besonders beleuchtet: Ist Ihrer Meinung nach eine Lösung in Sicht?
Die Bemühungen, gerade in Thüringen, reichen bisher nicht aus. Das Umweltministerium hat ja schon selbst eingestanden, dass es ein Fehler war, ein Unternehmen aus Hannover für den Moderationsprozess zu beauftragen. Aber nun hat man die Hauptverantwortung zur Thüringer Reservatsverwaltung abgeschoben. Da macht man es sich ganz schön einfach. Das muss man ganz klar so sagen. Die Rhön liegt jetzt gerade einmal bei zwei Prozent Kernzonenanteil. Ein Drittel ist also noch offen, das war vor zehn Jahren schon so. Drei Prozent Kernzone, bezogen auf die Gesamtfläche des Biosphärenreservats Rhön, müssten aber meiner Meinung nach zu machen sein. Ziel muss es sein, noch im Evaluierungsprozess bis Mitte 2014 Lösungen im Einvernehmen mit den hier lebenden Menschen und mit den Unternehmen der Land- und der Forstwirtschaft auf den Weg zu bringen.

Was läuft gut, was muss verbessert werden in der Zusammenarbeit der drei Bundesländer?
Seit der Gründung der Arge Rhön im Januar 2000 in Frankenheim waren alle Vorstandsbeschlüsse einstimmig! Das zeigt, dass hier an einem Strang und in eine Richtung gezogen wird. Mit der Gründung des Dachmarke Rhön e.V. im Jahr 2008, der Übertragung der Markenrechte und der Errichtung der Dachmarken Rhön GmbH 2009 wurden zwei ganz wichtige Instrumentarien in punkto gemeinsame Werbung und Vermarktung, aber auch Identität und Kräftebündelung ins Leben gerufen. An dieser Stelle muss ich der Geschäftsführung des Dachmarken-Vereins, Frau Barbara Vay und Frau Hannelore Rundell, ein großes Lob zollen.

Wo steht die Dachmarke heute?
Zur Dachmarke Rhön gehören aktuell über 220 Unternehmen der Region aus insgesamt 16 verschiedenen Branchen. Dass wir Thüringer hier bezüglich der Anzahl der Mitglieder hinterherhinken liegt zum Teil an der Größe der Gebietskulisse und der Anzahl der Unternehmen, ein Aufholbedarf steht aber trotz allem an.

Fällt Ihnen auch etwas ein, das besser laufen könnte?
Verbesserungsbedarf besteht wiederum im Arge-Vorstand einstimmig in der Neustrukturierung der bisherigen Rhön Marketing GbR. Die bisherige Struktur ist konsensorientiert und abhängig vom Kooperationswillen aller Akteure. Es bestehen Doppelstrukturen, die unnötige Kosten produzieren. Auch die Verteilung der anstehenden Arbeitsaufgaben muss neu überdacht und die personelle Besetzung geordnet werden. Hier macht die Bildung eines gemeinsamen, ich will ihn mal "Fachbereich Tourismus" nennen, innerhalb der Dachmarke Rhön GmbH echt Sinn. Da gibt es unter den Verantwortlichen auch schon deutliche Vorstellungen, die zur Zeit diskutiert, die unter meinem Vorsitz in diesem Jahr noch umgesetzt werden. Je früher hier Handlungssicherheit geschaffen wird, desto besser.

Gibt es einen Antrittsbesuch in der Bayerischen Rhön?
Regelmäßige Treffen mit meinen Vorstandskollegen sind geplant. Wo diese stattfinden, steht aber noch nicht fest.

Das Gespräch führte R. Ruppert.

Zwei Jahre lang hat der Landrat des bayerischen Landkreises Rhön-Grabfeld, Thomas Habermann (CSU), die Arbeitsgemeinschaft der fünf Rhön-Landkreise geleitet. "Wir haben in den vergangenen Jahren viele Dinge angeschoben, weil wir die Rhön als touristische Destination ausbauen wollen. Ich erinnere nur an den Hochrhöner als Rhöner Premiumwanderweg oder an die Dachmarke Rhön", zieht Habermann Bilanz.
"All das sind unsere gemeinsamen ,Kinder‘, ebenso wie das Projekt der Schutzhütten für den Hochrhöner, das Ziel, als internationaler Sternenlichtpark anerkannt zu werden, oder das Projekt zum Erhalt des Rotmilans", sagt der Bad Neustädter Landrat und scheidende Arge-Vorsitzende.
Projekte zu entwickeln und umzusetzen sei nur ein Aspekt der Zusammenarbeit, betont Haberman: "Es gibt darüber hinaus einen nicht zu unterschätzenden Effekt: Wir arbeiten sehr vertrauensvoll zusammen und stimmen uns ab. Dadurch entsteht eine gute Nachbarschaft. Die Arge Rhön mit ihren Mitgliedern leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Rhöner Identität." Das hat laut Habermann schon durchaus eine historische Bedeutung: "23 Jahre nach der Grenzöffnung ist aus meiner Sicht unsere Region gut zusammengewachsen - so gut, als wenn es nie einen Eisernen Vorhang gegeben hätte." An diesem Zusammenwachsen habe auch die Arbeitsgemeinschaft der fünf Rhön-Landkreise einen großen Anteil.

Person Peter Heimrich ist 42 Jahre alt und gehört der SPD an. Nach seiner Lehre als Werkzeugmacher erwarb er sich den Meisterbrief. Ab 1994 saß er im Gemeinderat in Breitungen (Werra), 1999 wurde er 1. Beigeordneter dort und hatte von 2004 bis zu seiner Wahl zum Landrat im Juli 2012 das Amt des hauptamtlichen Bürgermeisters inne.
Institution Der Regionalen Arbeitsgemeinschaft (Arge) Rhön gehören die fünf Rhönlandkreise Bad Kissingen, Fulda, Rhön-Grabfeld, Schmalkalden-Meiningen und Wartburgkreis sowie das Rhönforum (Thüringen), der Verein Natur- und Lebensraum Rhön (Hessen) sowie der Verein Naturpark und Biosphärenreservat Bayerische Rhön (Bayern) an.
Region Die Rhön ist eines von 15 deutschen und weltweit 355 Biosphärenreservaten, die von der Unesco anerkannt sind. Die Biosphäre umfasst den Kernbereich der Rhön in den drei Bundesländern Bayern, Hessen und Thüringen. Sie wurde 1991 von der UNESCO anerkannt und ist aktuell rund 184 939 Hektar groß, davon befinden sich 72 802 Hektar in Bayern.