Wenn die Nüdlinger Neuntklässler ihre Abschlusszeugnisse entgegennehmen werden, dann bedeutet es nicht nur für die Schüler das Ende einer Ära, sondern auch für die Nüdlinger Mittelschule. Ab 1. August gibt es den Schulverband "Mittelschule Münnerstadt", den die Kommunen Münnerstadt und Nüdlingen gebildet haben. Alleiniger Schulstandort ist dann Münnerstadt. Die Bürgermeister beider Kommunen, Helmut Blank (Münnerstadt) und Harald Hofmann (Nüdlingen) sprechen von einem historischen Schritt "für viele, viele Jahrzehnte". Beide sind sich einig, dass der Schulverband den östlichen Landkreis stärken werde.
Für den Nüdlinger Gemeinderat war es allerdings kein leichter Schritt, den eigenen Mittelschul-Standort aufzugeben. Inaktiv bezeichnet das Schulamt die Schlossberg-Mittelschule.
Die sinkenden Schülerzahlen waren der Auslöser. Harald Hofmann betont aber, dass die Gemeinde durch den Schulverband ihre Mittelschule ja nicht aufgebe. "Wir behalten die Mittelschule und haben nur die Klassenzimmer ein paar Kilometer weiter verlegt". Der Gemeinderat habe mit seinem Ja zum Schulverband eine Entscheidung getroffen, die zum Vorteil der Nüdlinger Mittelschüler sei. Um nichts anderes sei es bei der Entscheidung gegangen.
Innerhalb des neuen Schulverbandes sind die Kommunen Münnerstadt und Nüdlingen gleichberechtigte Partner und gemeinsamer Sachaufwandsträger für die Mittelschule. Die Kosten werden nach einem in der Verbandssatzung festgelegten Schlüssel umgelegt. Dieser richtet sich nach der Schülerzahl. Beschlüsse werden von einer Verbandsversammlung getroffen.
Mit dem neuen Schulverband könne Münnerstadt seinen Schulstandort sichern, betont Helmut Blank. Um eine finanzielle Erleichterung für die Stadt durch den gemeinsamen Sachaufwand sei es nicht gegangen.
Die Rektorin der Münnerstädter Mittelschule, Ulrike Freifrau von und zu der Tann, unterstreicht die pädagogischen Vorteile, die der Schulverband mit sich bringen wird. Durch eine höhere Schülerzahl ergeben sich für eine Schule höhere Lehrerstundenzahlen. Das bringe von größerer Flexibilität. Harald Hofmann hofft, dass es irgendwann gelingt, ab Jahrgangsstufe 7 eine eigene M-Klasse zu installieren. Momentan können in dieser Jahrgangsstufe bereits M-Kurse in den Hautfächern angeboten werden, worüber die Rektorin sehr froh ist. Auch andere schulische Angebote ließen sich in der Verbandsschule leichter verwirklichen, meint die Rektorin.
Dass ihr Ansprechpartner bei Fragen des Sachaufwands künftig ein Schulverband und nicht mehr die Stadt Münnerstadt sein wird, damit hat die Rektorin keine Probleme. "Ich freue mich auf die Zusammenarbeit", betont sie. Statt eines Budgets hat sie künftig einen Haushalt. Es ändern sich die Worte. Verwaltet wird der Haushalt im Münnerstädter Rathaus, wo der Schulverband seinen Sitz hat.
Bereits jetzt drücken 49 Mittelschüler aus Nüdlingen in Münnerstadt die Schulbank. Nur die neunte Klasse wurde noch im Nüdlinger Schulhaus unterrichtet. Die schulische Umstellung ist weitgehend im jetzt auslaufenden Schuljahr erfolgt. Ulrike Freifrau von und zu der Tann hat das Gefühl, dass die Nüdlinger Schüler "sehr zufrieden sind". Die Buszeiten für die Schüler sind für Hofmann gut vertretbar. Um halb acht am Morgen startet der Bus in Nüdlingen.


Schulverbund bleibt erhalten

Die Aufregung unmittelbar nach der politischen Entscheidung 2017 habe sich gelegt, betont die Nüdlinger Rektorin Ritta Helfrich auf Anfrage. Sie sagt, dass es keine Ressentiments gegen den neuen Schulverband gebe. Jetzt gehe alles seinen Gang.
Keine Auswirkungen hat der neue Schulverband nach Ansicht Maßbacher Bürgermeister Matthias Klement auf den bestehenden Schulverbund, den es seit längerem zwischen den Mittelschulen Maßbach, Münnerstadt und Nüdlingen gibt. Das erklären auch Blank und Hofmann. Künftig besteht der Verbund aus den Schulen in Münnerstadt und Maßbach. "Der Schulverbund hat sich bewährt", betont Klement. Maßbacher Schüler können nach dem Quali die M-10 Klasse in Münnerstadt besuchen. Die Selbstständigkeit der Maßbacher Mittelschule sieht Klement derzeit nicht in Gefahr. Die Schülerzahlen seien stabil. Schulverbünde sind im Landkreis verbreitet. Zwölf Mittelschulen sind in fünf Verbünden organisiert.
Nach Angaben der Pressestelle des Landratsamtes ist der Schulverband Mittelschule Münnerstadt derzeit der einzige Schulverband im Landkreis mit nur einem Schulstandort, ein Novum also.
Der Schulverband mit einer gemeinsamen Schule gewährleiste auch bei rückgängigen Schülerzahlen eine wohnortnahe Beschulung, so die Stellungnahme aus dem Schulamt. Der Umstellungsprozess werde vom Schulamt begleitet. Das sei wichtig. Negative Erfahrungen gebe es nicht.
Manchmal falle auch Lehrern die Umstellung nicht leicht, gerade wenn sie lange Jahre an einer kleinen Schule unterrichtet hätten. Doch die aufnehmenden Schulen würden alles dafür tun, dass die Kollegen sich schnell integrieren. In Nüdlingen ist dieser Prozess weitgehend abgeschlossen. In diesem Jahr trifft es noch eine Lehrkraft und einen Lehramtsanwärter.
Ob es in der Zukunft weitere Verbandsschulen im Landkreis geben wird, lässt sich nicht sagen, da dies von den Schülerzahlen in den Kommunen abhängig ist. Im Mittelpunkt stehe immer eine tragfähige Lösung für die Region und die Schüler, heißt es beim Schulamt. Diese hätten ein Recht auf ein vergleichbares Bildungsangebot an seinem Schulstandort.