Es kann jetzt eigentlich jeden Tag richtig losgehen mit dem Ausbau des Ebenhäuser Bahnhofs. Bauzäune sind rund um die Anlage aufgestellt worden. Die ersten vorbereitenden Arbeiten laufen bereits. Bis Mitte 2019 wird der Bahnhof barrierefrei ausgebaut.

Hierzu werden die Bahnsteige über Rampen von einer neuen Bahnsteigunterführung aus angeschlossen. "Die Bahnsteige Gleis 2/3 werden von derzeit 38 Zentimeter über Schienenoberkante (SO) auf 55 Zentimeter über SO aufgehöht", so ein Bahnsprecher. Während der Baumaßnahme wird es nach Angaben der Bahn zu Gleisverlegungen kommen, das heißt, die Züge fahren von einem anderen Bahnsteig/Gleis aus. Darauf müssen Bahnreisende dann achten.

In den barrierefreien Ausbau werden rund 5,4 Millionen Euro investiert. Damit scheinen sich die Kosten nach oben entwickelt zu haben. Noch im Herbst war von einer Bausumme von rund 4,6 Millionen Euro die Rede. Sonst sind derzeit keine weiteren Maßnahmen geplant. Die Bahnsteigüberdachungen mit ihren Geländern aus Guss- und Bandeisen bleiben erhalten. Sie stehen unter Denkmalschutz. Der Bahnhof in Ebenhausen wurde 1871 eröffnet.

Oerlenbachs Bürgermeister Franz Kuhn ist froh über den barrierefreien Ausbau des Bahnsteigs. Schade findet er allerdings, dass die Bahn nicht beabsichtigt, gleich noch eine Toilettenanlage zu bauen. Auf die müssen Zugfahrer in Ebenhausen weiterhin verzichten. Auch sei nicht vorgesehen, die schwierige Parkplatzsituation zu verbessern, weiß Kuhn. Er findet, dass es sinnvoll wäre, wenn im Zuge des Ausbaus auch das Umfeld gestaltet würde.

Doch die Bahn wird darin nicht investieren. "Wir haben das jedes Mal angesprochen", betont Franz Kuhn. Aber das gehört nicht zum Bau-Umfang. Die Bahn bestätigt auf Anfrage, dass keine weiteren Maßnahmen geplant sind. Das liege wohl daran, dass es innerhalb der Bahn unterschiedliche Verantwortlichkeiten gibt, meint Franz Kuhn. Nicht betroffen von den Umbauten ist das Bahnhofsgebäude selbst, das mittlerweile in Privatbesitz ist.

Umfangreiche Holzfällarbeiten waren Ende Februar die Vorboten für den barrierefreien Umbau des Bahnhofs.Dort, wo der neue Zugang zu den Gleisen entstehen soll, wurde die Bepflanzung zurückgenommen. Das gefällt nicht allen Ebenhäusern. Lydia Bergmann, die gerade am Bahnsteig auf ihren Zug wartet, bedauert, dass die vom Bund Naturschutz gepflanzten Ahornbäume weichen mussten.

Frau Bergmann ist selbst Mitglied im Naturschutzbund und erzählt, dass diese Bäume während der Protestaktionen gegen den Autobahnbau in den 1990er Jahren mit Genehmigung der Bahn auf dem Gelände gepflanzt wurden. Jetzt sind sie weg. Das findet Lydia Bergmann schade.

Freistaat und Bahn vereinbarten 2016 den großflächigen barrierefreien Ausbau von Bahnhöfen in ganz Bayern. Demnach sollen rund 86 Prozent der Bahnreisenden in Bayern bis 2021 einen barrierefreien Zugang zu den Zügen vorfinden.

Seit 2016 wird bereits am Schweinfurter Bahnhof, dem drittgrößten in Unterfranken, an der Barrierefreiheit gearbeitet. In diesem Jahr gehen die Arbeiten dort in ihre letzte Phase. Die Bahnsteige 7/8 werden erneuert, die Treppenanlage wird angepasst und die Wand- und Bodenfließen in der Unterführung werden ersetzt. Im Landkreis Bad Kissingen schaffte die Bahn in den vergangenen fünf Jahren in Hammelburg und Trimberg barrierefreie Zugänge. Für die Bahnhöfe in Bad Kissingen und Münnerstadt ist aktuell kein Ausbau mit barrierefreien Zugängen geplant.