Was benötigt man, um einen Kabarettabend zu gestalten? Bei Django Asül sind es ein Stehtisch, ein Halbliter-Maßkrug mit "Tee" einer Brauerei und - als wichtigstes Requisit - seine Augenbrauen, die er je nach Thema deutungsvoll einsetzt. Der begeisternde Rest setzt sich zusammen aus einem mehr als 20-jährigen kabarettistischen Blick auf die seltsamen Strömungen dieser Welt.
Bei diesem Blick hat er sich eines bewahrt, nämlich die Perspektive seines Cappuccino-Stammtisches im kleinen Örtchen Hengersberg anzulegen. Ort wie Stammtisch sind wohl die Pointen-Quelle, aus der der niederbayrische Kabarettist mit türkischen Wurzeln schöpft und an dessen Erkenntnissen er seine Gäste in ausverkauften Häusern teilhaben lässt. Der Programmtitel "Letzte Patrone" suggeriert Endzeitstimmung bei Django Asül, aber das ist in einer Zeit, in der die Realität so manche Kabarettisten-Satire überholt, bei Asül nicht zu erwarten - vielleicht ist es nur eine Anspielung auf sein sechstes Programm. Und in diesem Programm ist eine Veränderung für diejenigen erkenn- und spürbar, die den Kabarettisten aus früheren Zeiten kennen. Das einstige Kommentieren der gesellschaftlichen Entwicklungen aus "dem Bauch heraus" ist einer verkopften Deutung von Stichwörtern gewichen - zwar lustig für das Zwerchfell, aber weniger nachhaltig und tiefschürfend als frühere Programme. Dieses Empfinden entsteht auch daraus, dass es sich dabei um eine gefühlt willkürliche Auswahl von Stichwörtern handelt, die - vielleicht - sein Stammtisch vorgibt, die thematisch aneinandergereiht wurden und die eher impulsaktivierend aufgearbeitet sind.
Der Einstieg in den Abend zeigt, dass sich Django Asül bewusst ist, wo er sich befindet: In einem "Kultur-Tempel", an dem sich die Elb-Philharmonie messen lassen muss - und dann kommt noch 2000 Jahre Kissinger Geschichte in zehn Minuten, in denen der IKEA-Standort-Verzicht mit dem Schweden-Angriff im 30-jährigen Krieg erklärt wird oder die Globalisierung Kissingens mit den Amerikanern im Jahre 1945 in Verbindung gebracht und mit der Ernennung von einem Kissinger als amerikanischer Außenminister fortgeführt wird oder die Ernennung zum Kurbad im Jahre 1883 (!) von der statistischen Anzahl der Wannen im Vergleich zu den Duschen abhängig gewesen sein soll. Danach wurde es für die restlichen zwei Stunden persönlicher, denn dem 45-jährigen Kabarettisten läuft die Zeit davon. Ausgangspunkt dieser Erkenntnis war der statistische Wert, dass die Bevölkerung nur wenige Tage im Kalenderjahr altert, er dagegen in der gleichen Zeit das maximale Alter von einem Jahr erreicht. Grund genug, um etwas Sinnvolles anzustreben.
Vor diesem Hintergrund summierten sich Stichwörter, die Django Asül wie einen Stein in stilles Wasser plumpsen ließ, um dann die entstehenden Wellen mal satirisch, mal sarkastisch, mal süffisant zu interpretieren. In seiner ausgefeilten "Wort-Choreographie" bekamen zahlreiche Institutionen, gesellschaftliche Strömungen und A-B-C-Promis ihr Fett weg, wobei er gerade mit angehängten Anmerkungen, skurrilen Beispielen, sarkastischer Logik oder türkischem Sprachduktus die Lachmuskeln der Gäste anregte. So überwog an diesem Kabarettabend die humorvolle Komponente, die Django Asül als Trumpfkarte selbst bei Themen wie Flüchtlingskrise, Europas griechische Wurzeln, Bürgerwehr mit ohne Kampfhund, E-Mobilität mit Entscheidungsfragen bei Unfallgefahr oder CSU-Minus bei Bundestagswahl wählte - den Gästen gefiel´s, das zeigten spontanes Gelächter, Szenenapplaus und herzlicher Schlussapplaus.