Natürlich ist Berufsberater Thomas Schlereth von der Agentur für Arbeit froh über die Entwicklung: "Die Zahl der offenen Lehrstellen im Dienstbereich Bad Kissingen hat sich im letzten Jahr angenähert und parallelisiert." Aber er ist fast auch ein bisschen enttäuscht, weil die Darstellung in Kurven gar nicht die tatsächliche Situation zeigt: "Realistisch betrachtet müssten sich schon in diesem Jahr die beiden Kurven kreuzen."

Denn es gibt eine große Zahl von Absolventen der Mittelschule, die über ein Firmenpraktikum im Rahmen der Kooperation "Schule und Wirtschaft" nicht nur ihren Traumberuf gefunden haben, sondern dabei auch gleich einen fest vereinbarten Ausbildungsplatz. Diese Leute werden nicht als Bewerber geführt; ihre Stellen allerdings werden der Agentur gemeldet.
Insgesamt hat sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt im Landkreis Bad Kissingen deutlich entspannt und stabilisiert: "Insgesamt waren die Chancen, besonders für Bewerber aus dem aktuellen Schulentlassjahr, einen der begehrten betrieblichen Ausbildungsplätze zu erhalten, so gut wie seit vielen Jahren nicht mehr", sagt Walter Seit, Bereichsleiter bei der AfA in Schweinfurt, der diese Entwicklung auf einen bundesweit zu beobachtenden rückläufigen Trend bei den Bewerberzahlen zurückführt.

Wobei die beiden Fachleute darauf hinweisen, dass es natürlich immer noch so ist, dass nicht jeder seinen Traumberuf ergreifen kann, weil die Konkurrenz zu groß ist. So wollten im Agenturbezirk Schweinfurt 352 junge Leute Industriemechaniker werden, aber es gab nur 221 Stellen. Auf Platz 2 waren die Bürokaufleute mit 228 Nennungen. Auch wenn da die Angebotssituation besser war, war die Entscheidung für diese Ausbildung problematisch. Schlereth: "Die Leute wollen nicht wahrhaben, dass sie hinterher erhebliche Probleme haben, eine der knappen Stellen in der Region zu bekommen."

75 der gemeldeten Ausbildungsstellen sind derzeit nicht besetzt und damit deutlich mehr als im Vorjahr. Gründe, so Walter Seit, gibt es mehrere: zum einen eine geringe Attraktivität der Stellen wie Fleischer, Bäcker, Maler und Lackierer oder Stellen im Bauhauptgewerbe; zum anderen sehr hohe Anforderungen der Arbeitgeber, späte Stellenmeldung oder die schlechte Erreichbarkeit der Ausbildungsstelle. Thomas Schlereth: "Die jungen Leute aus der Rhön kommen leichter in die Industrie nach Schweinfurt als in die Bäckerei im Nachbardorf." Der Hauptgrund ist allerdings die hohe Zahl der Jugendlichen, die sich gegen eine betriebliche Ausbildung und für den weiterführenden Schulbesuch entscheiden, vor allem für die Fachoberschule, die ihnen alle Optionen bis zum Studium offenlässt.

Koch läuft noch erstaunlich gut: "Da zeigt das Fernsehen Wirkung", meint Thomas Schlereth. "Zum Glück haben die Tiersendungen nachgelassen, denn für Tierpflegerinnen gibt es im Raum Bad Kissingen keine einzige Stelle."