Die alten, großen Grabmale sorgen auf den Friedhöfen für die erhabene, würdevolle Stimmung. Solche Grabmale gibt es auch auf dem Münnerstädter Friedhof, beispielsweise der große, weiße Engel an einer Gruft, die an der früheren östlichen Friedhofsmauer liegt. Die Familien Mantel, Hippler und Zeissner sind hier begraben. Bis ins Jahr 1890 reichen die Bestattungen zurück. Normalerweise müsste das gesamte Grab jetzt abgebaut werden. "Ich halte den Engel selber für erhaltenswert", sagt Bürgermeister Helmut Blank (CSU). Deshalb werden die Stadt wohl die Baulast übernehmen. So richtig glücklich ist er darüber aber nicht.

Ganz klar geregelt

Die Angelegenheit ist eigentlich ganz klar geregelt. Das Nutzungsrecht für die Grabstelle läuft in diesem Jahr ab, die Inhaberin (es handelt sich um eine Frau, die in Würzburg lebt) hat zwei Möglichkeiten. Entweder sie verlängert die Nutzungszeit, oder sie muss die Grabstelle entfernen bzw. entfernen lassen. So wird es immer gehandhabt.

Schon seit den 1960er Jahren unterhält die Frau Kontakte mit dem Grabmalgeschäft Spanheimer aus Poppenlauer. "Ich habe immer die neuen Namen eingraviert", sagt Carola Spanheimer. Vor einigen Jahren hat sie im Auftrag der Inhaberin auch den Engel hergerichtet. Obwohl das schon eine Weile her ist, kann sie sich gut an eine Begebenheit erinnern. Als sie ihre Arbeiten beendet hatte, kam eine dunkle Wolke, berichtet sie. Und dann sei der Himmel aufgerissen und die Sonne habe genau auf den Engel geschienen. Das hat sich tief in ihr Gedächtnis gebrannt.

Umso entsetzter war Carola Spanheimer, als sie erfuhr, dass der Engel weg soll. Sie nahm mit der Münnerstädter Stadtverwaltung Kontakt auf. Aber es blieb dabei: Das Grabmal muss geräumt werden. Der Engel wäre möglicherweise in einen Garten nach Würzburg gekommen. Die Inhaberin wollte ihn aber gerne in Münnerstadt belassen.

Die Würzbürgerin selbst habe der Stadt geschrieben, dass sie aus gesundheitlichen Gründen die Grabpflege nicht mehr übernehmen kann, erläutert der Bürgermeister, der jetzt aber einlenkt. "Ich halte den Engel für friedhofsprägend", sagt das Stadtoberhaupt. Er betont aber gleichzeitig, dass der Engel nicht denkmalgeschützt ist. Wenn er erhalten bleiben soll, das Nutzungsrecht der Würzbürgerin aber erlischt, dann müsse die Stadt die Baulast übernehmen. "So schnell kommt man aus Gründen der Pietät zu einer Baulast", sagt Helmut Blank.
Andererseits will er nicht, dass der Engel abgerissen wird. Er habe mit einigen älteren Menschen gesprochen, die den Engel für sehr wichtig für den Münnerstädter Friedhof halten. "Und die jüngeren Menschen kennen ihn nicht", sagt er. Trotzdem: "Er soll so lange bleiben, wie er den Menschen gefällt." Wenn das nicht mehr der Fall ist, komme er eben weg. Dann aber muss die Stadt Münnerstadt dafür aufkommen. Deshalb behält sich der Bürgermeister auch noch vor, die Reaktionen der Leute in den nächsten zwei Wochen abzuwarten. Die Grabstelle selbst muss aber eingeebnet werden, auch wenn sie dann nicht mehr von anderen Menschen genutzt werden kann. Es gebe ohnehin keine Nachfrage nach solch großen Gräbern.

Auch wenn der Engel bleibt, dürfe das nicht als Präzedenzfall gesehen werden, sagt Helmut Blank, Niemand könne daraus schließen, dass die Stadt auch seinen Grabstein übernimmt, wenn das Nutzungsrecht ausläuft. "Es ist schwierig auf einem Friedhof eine Patentlösung zu finden", meint der Bürgermeister.

Für den Erhalt spricht sich auch Friedhofsreferent Hermann Brust (CSU) aus. "Wenn so etwas da ist und die Leute wollen es der Stadt übergeben, dann sollte man es auch machen," sagt er und fügt hinzu: "Die Chance bekommt man nur einmal."