Der plötzliche Herztod kann jeden treffen. Ob alt oder jung, ob Couchpotatoe oder Sportfreak - gegen diese Todesursache ist keiner gefeit. Ohne Vorankündigung kann das so genannte Kammerflimmern auftreten, bei dem das Herz von einem Moment auf den anderen nicht mehr richtig schlägt. Doch es gibt gute Chancen, dieses lebenswichtige Organ wieder in den "richtigen Rhythmus" zu bekommen. Mit einem so genannten Defibrillator, der im Notfall auch sehr leicht von einem Laien bedient werden kann, bringt man das Herz sozusagen wieder "auf Kurs". Geschieht dies in den ersten Minuten, so sind die Chancen auf eine vollständige Genesung des Patienten sehr gut.
An zahlreichen Orten wurden solche Lebensretter schon angebracht, seit neustem verfügt auch die Polizeiinspektion Bad Kissingen über ein solches Gerät.
"Ein Defibrillator erhöht die Sicherheit. Einerseits kann er bei den Kollegen eingesetzt werden, sofern hier Kammerflimmern auftreten sollte. Natürlich ist er aber auch für die Bürger zugänglich", erklärt Bianca Rittelmeier, die selbst Polizistin und in der Polizeiinspektion eine so genannte Multiplikatorin für die Erste Hilfe ist. Ihre Kollegen hat sie bereits in die Funktionsweise dieses Lebensretters eingewiesen. "Schnelle Hilfe beim Kammerflimmern ist unerlässlich. Regelmäßig werden die Polizeikollegen in Gegenmaßnahmen geschult, es freut mich, dass hier mittlerweile jeder den Defibrillator bedienen kann", ist Dienststellenleiter Stefan Haschke froh. Die Kosten von rund 2000 Euro für das Gerät wurden von der Polizeiinspektion gern übernommen, schließlich rettet es im Ernstfall Leben - ausgeschrieben wurde der Kauf über das Polizeipräsidium Unterfranken. "Ich finde, dass diese Kosten vertretbar sind, betrachtet man den Nutzen, den ein Defibrillator bringt", sagt Haschke. Dabei war es ihm wichtig, dass die Verfügbarkeit der Geräte in der Öffentlichkeit erhöht wird. Denn nur wenn jeder im Ernstfall Zugang hat, ist schnelle Hilfe möglich. Haschke selbst hat an einer Schulung zum Defibrillator teilgenommen, den Rittelmeier durchgeführt hat, und er bestätigt: "Für einen Laienhelfer ist dieser im Ernstfall leicht einzusetzen".
"Gerade Polizisten sollten im Ernstfall Erste Hilfe leisten könnten. Hierzu haben wir mit dem Kauf einen Beitrag geleistet", sagt Bianca Rittelmeier. Zwar ist der Defibrillator dauerhaft in der Polizeiinspektion angebracht: Im Notfall kann man sich dort aber die transportable Einheit holen und ihn - auch mit Unterstützung eines Polizisten - am Patienten einsetzen. "Der Kollege in der Polizeidienststelle kann ebenso einen Notruf absetzen und den Rettungsdienst verständigen", erklärt die Polizistin. Denn professionelle Betreuung nach den Erste-Hilfe-Maßnahmen ist unerlässlich. Da die Polizeiwache 24 Stunden am Tag besetzt ist, kann man jederzeit auf den Defibrillator zugreifen. "Natürlich bringt dies nur etwas, wenn man sich in der Nähe befindet. Denn das Gerät sollte schnellstmöglich zum Einsatz kommen", erklärt Rittelmeier. Das Netz an Defibrillatoren wird immer enger gewoben, so dass die Chancen gut stehen, im Ernstfall auf einen zurückgreifen zu können. Um zu wissen, wo sich dieser befindet, gibt es vom Deutschen Roten Kreuz eine App, die anzeigt, welcher Defibrillator im Ernstfall in der Nähe ist.
Bianca Rittelmeier zeigt, dass dieser auch von Laien sehr leicht zu bedienen ist. Es handelt sich beim Exemplar in Bad Kissingen um einen so genannten AED, einem automatisierten externen Defibrillator. Diesem liegt außerdem eine Atemmaske bei, die zur Herz-Lungen-Wiederbelebung dient. Zu bedienen ist er sehr simpel, wie Rittelmeier zeigt. Wird der Defibrillator geöffnet, leitet eine Stimme den Ersthelfer an, was zu tun ist. Zuerst gilt es, die beiden Klebeelektroden auf der nackten Haut anzubringen, Piktogramme zeigen auf leichte Art und Weise, wie das zu geschehen hat, auch die Stimme gibt hier Anweisungen. Alles andere funktioniert vollautomatisch: der Defibrillator erkennt selbstständig, ob Herzkammerflimmern vorliegt und gibt dann selbst - so nötig und sinnvoll - den passenden Stromstoß. "Falsch machen kann man hier nichts", sagt Stefan Haschke. "Ein Defibrillator ersetzt natürlich nicht die Reanimation. Diese muss trotzdem durchgeführt werden, doch auch darauf weißt das Gerät hin", sagt Rittelmeier. Diese muss bei Herzstillstand trotz Einsatz eines Defibrillators durchgeführt werden bis der Rettungsdienst kommt.
Doch man muss sich als Ersthelfer hier wenig Gedanken machen, die Hilfe als solche steht im Vordergrund. "Man kann in der Erste Hilfe nur dann etwas verkehrt machen, wenn man nichts macht", so das Credo Rittelmeiers, dem Stefan Haschke zustimmt. Und um im Ernstfall gerüstet zu sein, werden die Kollegen auch regelmäßig in der Ersten Hilfe geschult. "Sinnvoll wäre es, dass man auch als Laie regelmäßig an Erste-Hilfe-Kursen teilnimmt", findet sie. Im Ernstfall kann das Wissen um das richtige Vorgehen Leben retten. Und dieser kann schnell eintreten, auch im eigenen Umfeld.