Beim Verwaltungsmitarbeiter und Dorferneuerungsbeauftragten Werner Ziegert lief Kreisheimatpfleger Roland Heinlein offene Türen ein, als er von drei neuen Datenbankprojekten des Bezirks Unterfranken berichtete. "Diese Projekte erfassen die Themen Brotmarken, Postkarten und Tanzsäle", sagt Heinlein. Eine beendete Fragebogenaktion aus den Dörfern der Gemeinde Wartmannsroth konnte an den Kreisheimatpfleger bereits weiter gereicht werden.

"In jedem Dorf gab es Gaststätten, die meist auch noch die Gelegenheit zum Tanzen boten, bis in die 60er oder 70er Jahre", erklärt Ziegert. Gern nehme er noch weiteres Bildmaterial für die Archivierung entgegen. "Freilich werden die alten Fotos wieder an die Besitzer zurückgegeben", betont Ziegert.

Im Gasthaus der Heckmühle, das zuletzt unter dem Namen Pabst geführt wurde, wurde zum Beispiel schon 1884 getanzt. Oder in der Sippachsmühle, die nach dem ersten Weltkrieg nicht nur AWO-Dienste leistete. Noch heute steht in Dittlofsroda am Steingrund das Gebäude der ehemaligen Goldenen Krone, wo ebenfalls das Tanzbein geschwungen wurde. Ältere Anwohner erinnern sich auch noch an die beiden Gasthäuser in Neuwirtshaus.

Authentische Geschichten


"Die Gemeinde will die authentische Geschichte von den Zeitzeugen wissen", sind sich Ziegert und Heinlein völlig einig. Das sei ein Stück Heimat und sollte beim Projekt Dorferneuerung voll und ganz einfließen, meint Ziegert. "Eines Tages stehen diese Zeitzeugen nicht mehr zur Verfügung, und wir rätseln herum, wer auf den alten Schwarz-Weiß-Fotos zu sehen ist oder was der Anlass für solche Aufnahmen war."

Alte Fotos von Gaststätten interessieren auch Heinlein. Die Bilder werden für eine Datenbank des Bezirks gesammelt, eingescannt und gehen dann an den Besitzer zurück. Auch wenn es manche Wirtschaft noch gibt, seien die Fotos "wichtige Erinnerungen". Denn wie der Kreisheimatpfleger erläutert, wurden die Gebäude später häufig umgebaut. In ihrem privaten Fundus besitzen die Leute aber vielleicht noch Aufnahmen, auf denen die ursprüngliche Gestaltung der Häuser zu sehen ist. Heinlein denkt zum Beispiel an Fotos von Kirchweihen und anderen Feiern.

Traditionelle Dorfmitten


Über Brotmarken können Hinweise auf traditionelle Dorfmitten verfolgt werden. Früher ließen die Bauern ihr Getreide in der Mühle mahlen und das Mehl an den Bäcker weiter reichen. Dafür bekamen sie Brotmarken von ihm. Beim Brotkauf mussten sie dann nur noch die Arbeit des Bäckers bezahlen. Heute dokumentieren die Marken, welche Bäckereien es im Dorf gab.

"Wer noch solche Marken hat, sollte sie uns leihen, damit die Datenbank des Bezirks möglichst vollständig ist", bittet Heinlein. Ebenso seien unterfränkische Postkarten gefragt. Die Bezirksheimatpflege erstelle zurzeit in Kooperation mit den Volkshochschulen eine Wanderausstellung "Ansichtskarten".

"Bodendenkmäler sollten uns gemeldet werden", weist Heinlein auch auf die Bedeutung von Bodenfunden hin. Dazu gehören alte Scherben oder Knochen, die sich beim Graben auf Baustellen oder auf dem Acker beim Pflügen zeigen. "Wir wollen ein vollständiges Bild unserer Heimatgeschichte erhalten."