Bei der Blasmusik gibt es für Zuhörer im Augenblick ein Problem. Ob im Radio oder bei Konzerten, man wird von "Egerländer Musik" zugedröhnt. Wenn man zum 500. Mal die "Fuchsgraben Polka" oder "Auf der Vogelwiese" gehört hat, hat man als Blasmusikfreund die Lust auf Heimatsender und Blasmusikkonzerte verloren. Man kann die Kapellen nicht mehr unterscheiden, weil alle das Gleiche spielen. Dass es auch anders geht bewies, die Jugendblaskapelle Großwenkheim unter der musikalischen Leitung von Martin Reinhard bei ihrem traditionellen Osterkonzert im Abteigebäude des Klosters Maria Bildhausen. Hatte der Abteisaal schon seinen pittoresken Charme, so beruhigte der Blick auf das Programm den Blasmusikfreund vollends.

Martin Reinhard, ein dynamischer begeisternder Dirigent, hatte ein sehr vielfältiges Programm zusammengestellt, was auch die Schwierigkeitsgrade angeht. Da konnte man auch verkraften, wenn Ernst Moschs Walzer "Böhmischer Wind" und bei der Zugabe der "Egerländer Musikantenmarsch" auf den Notenblättern stand. Zündender Entree war der Marsch "Graf Zeppelin" von Carl Teike. Neben "Alte Kameraden", "In Treue fest" oder "Frisch gewagt" einer seiner schönsten Märsche, der leider viel zu selten gespielt wird. Der 1903 komponierte Marsch "Graf Zeppelin", dessen ursprünglicher Titel übrigens "Teutonen-Marsch" lautete, ist unter verschiedenen Titeln wie "The Conqueror" oder "Marsch der Luftflotte" in vielen Ländern geradezu zum Inbegriff bester deutscher Marschkunst geworden.

Einen weiteren Glanzpunkt setzten die Musiker mit "Adebars Reise" - Der Flug der Störche - von Markus Götz. Der junge deutsche Komponist Markus Götz schrieb seine Fantasie "Adebars Reise" im "Sommer der Störche, 2003". Das Werk schildert auf musikalische Weise den Flug der Störche in Richtung Süden. Die großen Vögel mit den langen Schnäbeln passieren auf dieser Reise verschiedene Stationen: Auf dem Kirchturm - Die Reise beginnt - Versammlung bei Sonnenuntergang - Der Ruf des Südens - Willkommen in Afrika - Blick zurück. Störche gelten als Glücksbringer und ihr Name erscheint in Fabeln und Erzählungen als "Adebar".

"Italo Pop Classics" oder "Herb Alpert Golden Hits", waren weite Highlights. Dabei zeigten die 31 Musiker eine erfrischende Spielfreude, die von Anfang an begeisterte und beeindruckende Klangwelten erzeugte. Gut besetzte Register, Rhythmus, Dynamik und gleichmäßige Tempi rundeten den überaus positiven Eindruck der Kapelle ab. Man spürte, dass Martin Reinhard und seine Musikerinnen und Musiker ein gutes Team sind, was sich in ihren Interpretationen klar heraus stellte. Reinhard hatte seine Truppe fest im Griff, dirigierte souverän und gab präzise die Einsätze. Daneben moderierte er auch charmant und sang zusammen mit Michael Gessner bei zwei Musikstücken im Duett.

Das Osterkonzert mit der Jugendblaskapelle Großwenkheim hat eine lange Tradition im Kloster Maria Bildhausen. Dass die Zuhörer nicht der Tradition wegen gekommen waren, sondern wegen der Musik, bewies der riesige Applaus nach jedem Stück und am Ende. Alles in allem ein Konzert, dessen Besuch sich gelohnt hatte.