Vier Wochen lang gaben die Handwerker den Ton an im ehemaligen Haus II des Hammelburger Seniorenheims. Nun machten sich die Vertreter von Behörden, Caritas und "Freundeskreis für Flüchtlinge" ein Bild vom Umbau der Räumlichkeiten. Thomas Weingart von der Regierung von Unterfranken informierte, dass mit der Belegung des Heims in ein oder zwei Wochen begonnen werde.

Das Heim werde Zug um Zug mit jeweils 20 Personen pro Etage belegt, sodass noch ausreichend Zeit sei, die Renovierung der drei Obergeschosse abzuschließen. Auf Wunsch des Bürgermeisters seien auch "Familien-Einheiten" geschaffen worden, wozu in einem Teil der bisherigen Doppelzimmer Wände durchbrochen wurden.

"Die Gemeinschaftsunterkunft bietet den Menschen nicht nur ein Dach über dem Kopf. Sie erhalten hier auch Verpflegung und Sachleistungen", betonte Weingart. Zudem gebe es einen "soziokulturellen Barleistungsbetrag" von 137 Euro. Damit könnten zum Beispiel Fahrten zum Arzt oder Kino- und Badbesuch bezahlt werden.

Herkunft noch offen

Aus welchen Ländern die insgesamt 80 Asylbewerber kommen werden, sei noch offen. Im vorigen Jahr seien viele Menschen aus Afghanistan, dem Irak, vom Balkan oder aus Pakistan geflüchtet. Derzeit werde ein vermehrter Zustrom aus Äthiopien und der Russischen Föderation registriert.

"Die Dauer der Asylverfahren beträgt derzeit durchschnittlich ein Jahr", erklärte Weingart. Es gebe aber Bemühungen, sie zu verkürzen. Nach einem Jahr in der Gemeinschaftsunterkunft hätten die Menschen einen Anspruch, sich eine Wohnung zu suchen. Zudem dürften sie frühestens nach einem Jahr auch eine Arbeit aufnehmen.

Thomas Kipple vom Diözesancaritasverband erklärte, dass für die soziale Beratung der Asylbewerber eine halbe Stelle eingerichtet werde. Die Personalkosten würden von der öffentlichen Hand mitfinanziert, doch bei den Sachkosten gebe es keine Unterstützung. Er würde sich über eine Beteiligung von Kreis und Kommunen freuen.

"Defizit auffangen"

Stellvertretender Landrat und Caritas-Kreisvorsitzender Emil Müller hielt fest, die Aufnahme von Asylbewerbern im Landkreis Bad Kissingen liege bisher unter dem Durchschnitt. Für die Caritas sei die Refinanzierung problematisch. Es gelte, ein Defizit aufzufangen. "Wir werden uns dieser Aufgabe aber stellen und uns bemühen, dass die Leute sich hier wohl fühlen", unterstrich Müller. Wie Thomas Weingart und Bürgermeister Ernst Stross dankte auch der Vize-Landrat dem Freundeskreis für sein ehrenamtliches Engagement für die Asylbewerber.

Als Hausverwalter wird Hermann Fella (52) aus Hammelburg vor Ort sein. Er ist gelernter Schreiner, Betriebswirt des Handwerks und Kommunikationskaufmann und hat zuletzt als Hausmeister gearbeitet.

Am Abend nach dem Ortstermin traf sich der Freundeskreis für Flüchtlinge. Hierbei wurden folgende Gruppen zur Betreuung der Asylbewerber gebildet: 1. Deutsch-Unterricht, 2. Hausaufgaben-Betreuung, 3. Freizeitgestaltung, 4. Fahrdienst. Zwischen diesen Gruppen, dem Hausverwalter und dem Sozialarbeiter soll das siebenköpfige Kernteam des Freundeskreises als Bindeglied fungieren, wie Annemarie Fell erläuterte. Christian Anders ist der Ansprechpartner für die Gruppen sowie alle anderen Interessierten, die sich beim Freundeskreis engagieren wollen.

Persönliche Begrüßung

Annemarie Fell und Gesine von Postel werden das Begrüßungskomitee bilden, das die Asylbewerber persönlich willkommen heißt. Hierbei sollen auch kleine Präsente überreicht werden wie zum Beispiel ein Stadtplan. August Brendan, Leiter des Einwohnermeldeamts, schlug vor, direkt die "Neubürgermappe" auszuhändigen, die es sondt bei der Anmeldung des Wohnsitzes in der Behörde gebe.

Beate Ritter-Schilling betonte die Notwendigkeit einer Eingewöhnungsphase. "Wir dürfen die Menschen nicht mit Angeboten überschütten", machte sie deutlich. Möglichst bald müsse die Betreuung aber bei Kindern erfolgen, da sie Kindergärten oder Schulen besuchen sollten.

Neuland würde der Freundeskreis gern bei der Verpflegung betreten. "Wir wünschen uns, dass sich die Flüchtlinge ihre Lebensmittel mit einer Chipkarte selbst kaufen können, damit dieses Geld in Hammelburg bleibt", erklärte Fell. Derzeit sei noch geplant, dass eine externe Firma das Essen nach Bestellung ins Heim liefere. Beate Ritter-Schilling ergänzte, sie habe Staatsministerin Christine Haderthauer in dieser Angelegenheit angeschrieben. Noch habe sie aber keine Antwort, ob ein solches Pilotprojekt möglich sei.