Es war nur acht mal acht Meter groß und stand im eng bebauten alten Zahlbach: das ehemalige Anwesen mit der Hausnummer 22 in Zahlbach. Es dürfte eines ältesten Häuser in Zahlbach gewesen sein und war mit einem kleinen Stallanbau sowie einem Pflanzgärtchen zwischen den Straßen "Häfnergasse" und "An der Holzmühle" auf einem spitzzulaufenden Grundstück mit nur 120 Quadratmetern Größe errichtet worden.

Die älteste Erwähnung des Gebäudes findet sich in den Katasterunterlagen von 1847. Zuvor hatte Jakob Brehm, der aus Pegnitz stammende Stammvater der Familien Brehm, mit seiner Frau Barbara, geborene Voll aus Zahlbach, das kleine Anwesen besessen. Von den Erben des Jakob Brehm ging es an die Tagelöhnerin Anna Faber aus der Lohmühle für 166 Gulden über. Ihr Vater, Michael Faber, übertrug ihr dazu noch zwei Äcker.

Anna Faber heiratete 1851 Augustin Albert, der sie überlebte und das Anwesen im Januar 1885 an Thaddäus Weißenseel für 600 Mark verkaufte. Der heiratete Regina Bauch aus Zahlbach und zog mit ihr und ihren Kindern nach Feuerthal. Daher verkaufte er das Anwesen 1897 an Johann Schmitt, der es nur kurz behielt. 1899 ging es durch eine Versteigerung an den Stangenröther Ambros Wehner.

Landwirt und Maschinist

Er war Landwirt und Maschinist und pachtete auch von 1902 bis 1903 das Gasthaus "Zur Poppenrother Höhe". Auch er war nicht lange Besitzer, bereits im Jahre 1903 kaufte der ledige Michael Albert das Haus mit dem Pflanzgärtchen von Ambros Weh ner für 1400 Mark.

Michael Albert, am 21. April 1880 geboren, stammte aus Zahlbach, Hausnummer 84 (Am End 11), und war von Beruf Wagner. Am 30. Juli 1905 heiratete er die am 9. November 1877 in Burkardroth in Hausnummer 101 geborene Barbara Kaidel. Mit ihr hatte er sieben Kinder, von denen zwei nach Amerika auswanderten. Michael Albert hatte den Dorfnamen "Romsl", den er auch an seine Nachkommen weitervererbte. Woher dieser Dorfname stammt, oder wie er entstanden ist, ist völlig unbekannt. Die Annahme, dass die Vorfahren aus Ramsthal (Romslt) stammen würden und daher der Name käme, ist nachweislich falsch.

Antrag zunächst abgelehnt

Am 11. November 1908 stellte Michael Albert bei der Gemeinde Zahlbach den Antrag um Genehmigung für den Bau eines Wohnhauses mit einer Wagnerwerkstatt. Da die Häfnergasse ziemlich eng war, und man mit Heu- und Getreidefuhren dann nicht mehr hätte durchfahren können, lehnte die Gemeinde diesen Antrag erst einmal ab. Erst als dann für den Neubau ein Stück vom Bachbett der Aschach mitbenutzt und so die enge Straßendurchfahrt vermieden werden konnte, erhielt Michael Albert die Zustimmung.

Auf dem Pflanzgärtchen ließ er ein Haus errichten mit einer Länge von etwa 14 Metern und einer Breite von rund vier Metern. Im Erdgeschoss des Hauses waren die Wagnerwerkstatt und die Wohnküche untergebracht, im ersten Stock befanden sich drei kleinere Schlafräume. Das alte Wohnhaus wurde zur Scheune für die kleine Landwirtschaft umgebaut, in der auch der Viehstall für zwei Kühe untergebracht war.

Michael Albert, der in jungen Jahren bei einem Dreschmaschineneinsatz im Raum Frankfurt ein Bein verloren hatte, hatte den Ruf, ein selbständiger, tüchtiger Wagner zu sein, der auch Lehrlinge ausbildete. Sein ältester Sohn Franz lernte dieses Handwerk ebenfalls und führte den Betrieb weiter. Franz Albert war am 18. April 1906 geboren und heiratete im Jahre 1932 Theresia Müller aus Kötzting. Mit ihr hatte er fünf Kinder.

Sohn Franz übernahm das Geschäft

Im Jahre 1950 übernahm Franz Albert das elterliche Anwesen und führte die Wagnerei sowie die Landwirtschaft mit seiner Familie weiter. Auch er soll ein guter Wagner gewesen sein. Laut Überlieferung hat er seine eisenbereiften Holzwagen von Langenleiten bis in die Schweinfurter Gegend verkauft - solang, bis die neuen gummibereiften Wagen aufkamen. Außerdem produzierte er hölzerne Schubkarren, die in der Landwirtschaft gebraucht wurden, Handwagen und Leitern.

Bekannt war auch sein Bruder Roman, der nach Premich heiratete und vor Ort die besten Rechen hergestellt haben soll.

1953 baute Franz Albert am Stützle in Zahlbach ein Wohnhaus, in dem die damalige Polizeistation untergebracht werden sollte, was aber doch nicht zustande kam. Franz Albert bezog das neue Haus aber auch nicht, er blieb mit seiner Familie im alten Haus in der Häfnergasse. Erst in den frühen 80er Jahren zog Franz Albert in das neue Haus, das nun eine seiner Töchter bewohnte, und verkaufte das alte Anwesen an Michael Schuldheis aus der Holzmühle.

1986 an die Gemeinde verkauft

In dieser Zeit bezog Liesl Ehrenberg das Haus, bis Michael Schuldheis das Anwesen mit nur 120 Quadratmetern Grundfläche am 27. August 1986 für 20.000 DM an den Markt Burkardroth verkaufte. Mit dabei war ein kleines Gärtchen mit 40 Quadratmetern, das sich an das Grundstück anschloss und schon immer zur Holzmühle gehörte.

Im Zuge der Sanierung der Häfnergasse ließ der Markt Burkardroth das gesamte Anwesen 1991 abbrechen und auf dem Grundstück eine kleine Anlage mit Rasen und Hecken sowie einer Ruhebank errichten. Seit Oktober 2012 ziert auch ein Mühlendenkmal mit Mühlstein und Informationstafel das Grundstück.

Beschrieben werden dort die 16 ehemaligen Mühlen an der Aschach. Es steht auf dem ehemaligen Pflanzgärtchen der Zahlbacher Hausnummer 22, in der heutigen Häfnergasse. Dort gibt es nichts mehr, was an das außergewöhnliche "Romsl Haus" in Zahlbach erinnern könnte. Alfred Saam