Anzeichen für den Beginn einer schleichenden Privatisierung? "Auf keinen Fall", versichert der Ärztliche Direktor des Reha-Zentrums, Dr. Wolfram Franke.

Fakt ist, dass sich das Reha-Zentrum von insgesamt 46 Personal-Wohneinheiten trennen wird. "Diese Personalwohnungen stammen aus einer Zeit, als die Mitarbeiter noch Probleme hatten, auf dem freien Markt Wohnraum zu finden", sagt Dr. Franke. Dieses Problem gebe es nicht mehr, so dass die gesamte DRV-Bund-Klinikgruppe ihre Personalwohnungen veräußern will. Die Personalwohnungen in Bad Kissingen seien defizitär, mangels eigener Mieter gebe es inzwischen etliche Leerstände.

Auch die Tatsache, dass sich die DRV-eigene Klinik Saale den Chefarzt Dr. Gerhard W. Schmeißl mit der privaten Deegenberg-Klinik teilt, sei kein Indiz für schleichende Privatisierung, sondern mache Sinn, so Franke. Die Deegenberg-Klinik sei Vertragspartner der DRV Bund, Dr. Schmeißl ein anerkannter Diabetes-Spezialist. Einen Mediziner mit diesem Renommee brauche man in der Klinik Saale. "Es ist aber auch ganz klar eine Kostenersparnis, wenn sich Kliniken das Führungspersonal teilen", betont Dr. Franke. So ist er selbst auch medizinischer Leiter der Marbachtalklinik, die der DRV Oldenburg-Bremen gehört. Der kaufmännische Leiter des Reha Zentrums, Udo Federlein, versieht diese Aufgabe auch in der Marbachtalklinik.

Mit Blick auf die Pflegesätze haben sich inzwischen zahlreiche Kooperationen unter den Bad Kissinger Reha-Kliniken herausgebildet. "Wir müssen im Marktpreisbereich liegende Pflegesätze anbieten, und das können wir nur dank der Kooperationen", betont Udo Federlein. Nicht nur auf Leitungsebene, auch im Küchenbereich arbeitet man ebenfalls zusammen. Die Küche der "Klinik Saale" bewirtet auch die Patienten der "Klinik Rhön" und der "Frankenklinik", welche zur DRV Nordbayern gehört.

Erhebliche Einsparungen

Weitere Zusammenarbeiten gibt es im medizinischen Bereich, zum Beispiel beim Röntgen und bei Knochendichte-Messungen. Gemeinsame Ausschreibungen von Laborleistungen, Einkaufsgemeinschaften für die Küchen, all das senkt laut Franke und Federlein die Kosten und beeinflusst damit maßgeblich die Pflegesätze. Der kaufmännische Leiter spricht von Einsparungen in Millionenhöhe.

Selbst die Möglichkeiten einer überregionalen Zusammenarbeit werden zur Zeit geprüft. "Wir denken zum Beispiel über Personalsharing im IT-Bereich zwischen den DRV-eigenen Kliniken in Bad Kissingen, Bad Brückenau und Bad Mergentheim nach." Für Dr. Franke steht ganz klar fest, dass die Rentenversicherungen auch künftig eigene Kliniken betreiben werden. Damit weiß er sich mit Vorstand und Geschäftsführung der DRV Bund einig. Die eigenen Kliniken ermöglichen laut Franke eine bessere Beurteilung des Klinikmarktes. Außerdem böten sie die Chance, neue Reha- und Therapiemodelle zu konzipieren. Eine Privatisierung des Bad Kissinger Reha-Zentrums sei ausgeschlossen.

Bundesweit Die Deutsche Rentenversicherung Bund (ehemals BfA) ist ein bundesweit tätiger Träger der gesetzlichen Rentenversicherung. Es handelt sich um eine Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Sitz in Berlin.

Vor Ort In Bad Kissingen besitzt und betreibt die DRV Bund zwei Kliniken. Es sind dies die Klinik Saale, eine internistische Fachklinik für Erkrankungen des Stoffwechsels, des Herz-Kreislauf-Systems und der Drüsen, sowie die Klinik Rhön, spezialisiert auf psychische und psychosomatische Beschwerden.
Zentren Deutschlandweit verfügt die DRV Bund über 22 Reha-Zentren mit 26 Kliniken. 20 Prozent ihrer Reha-Patienten schickt die DRV Bund in die eigenen Häuser, die restlichen 80 Prozent in Vertragshäuser wie die Bad Kissinger Deegenberg-Klinik.

Regionalträger Neben der DRV Bund gibt es noch 15 Regionalträger (ehemals Landesversicherungsanstalten) wie die DRV Baden-Württemberg, die DRV Nordbayern und die DRV Oldenburg-Bremen. Diese drei Rentenversicherungsträger betreiben eigene Kliniken in Bad Kissingen.