Sie gehören seit über 140 Jahren zum Bild von Bad Kissingen. Die Rede ist von den beiden "Dampferle", die seit 1877 auf der Saale unterwegs sind. Aufmerksamen Kissinger Bürgern ist in den vergangenen Tagen vielleicht etwas aufgefallen. Für fast einen Monat fuhr nur eines der beiden Boote.

Dr. Helmut Fischer, dessen Familie die Saaleschifffahrt GmbH Bad Kissingen seit 1882 führt, nennt den Grund: "Die "Kissingen" war defekt." Das Schiff ist ein waschechter Oldtimer. Denn: "Die "Kissingen" wurde in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gebaut und hat noch einen genieteten Stahlrumpf." Heutzutage werden die Schiffsrümpfe aus Metall meistens geschweißt.

Langes Warten auf ein Spezialteil

Beim Schaden an der "Kissingen" habe es sich um ein Verschleißteil gehandelt. "Es war ein Spezialteil an der Kupplung - also an der Verbindung zwischen Motor und Getriebe", erklärt Fischer. Für den Betrieb war das Ersatzteil jedoch dringend notwendig, denn ohne es fährt das Schiff nicht. "Wir haben insgesamt vier Wochen und einen Tag auf das Ersatzteil gewartet." Für das Ersatzteil wendete sich Fischer an eine Firma aus Bremerhaven. Der Grund: Dort sitzt die Firma, die den Motor lieferte.

An der langen Wartezeit war jedoch eine Kuriosität schuld: "Derjenige, der damals das Teil entworfen hat ist mittlerweile Rentner", sagt Gudrun Fischer, aus der Buchhaltung der Saaleschifffahrt GmbH. Die Folge: "Die Firma hat ihn dann wohl wegen der Pläne aus dem Ruhestand wieder aktiviert." Die Firma ließ das Teil extra herstellen und verschickte es nach Bad Kissingen. Mittlerweile ist das Kupplungsteil eingebaut, die "Kissingen" seit Freitag vergangener Woche wieder in ihrem nassen Element, und chauffiert bis zu 50 Personen vom Rosengarten zur Saline.

"Es hat lange gedauert. Wir hatten durch den Ausfall der "Kissingen" massive finanzielle Einbußen", sagt Dr. Helmut Fischer. Denn: Für die Zeit des Ausfalls, war lediglich die "Saline" auf der Saale unterwegs. Und günstig war die Reparatur der "Kissingen" nicht. "Das Teil für die Kupplung wird so zwischen 500 und 1000 Euro kosten", schätzt Gudrun Fischer. Ihre Hoffnung: "Wir brauchen einen Sommer wie im letzten Jahr, dann kommen wir mit einem blauem Auge davon." Schließlich sei der Schifffahrtsbetrieb auf der Saale witterungsabhängig.

Boote sind Teil von Bad Kissingen

"Bei den beiden Booten "Kissingen" und "Saline" handelt es sich sowohl um historische, als auch touristische Highlights", sagt Thomas Hack, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Bad Kissingen. Stadt und Saaleschifffahrt GmbH Bad Kissingen befänden sich in einem guten Austausch. "Aktuell finden Gespräche statt", präzisiert Hack auf Anfrage dieser Redaktion. Ob es aber einen Obolus für die Reparatur gibt? "Das steht noch nicht fest." Wichtig sei zunächst, dass der Schifffahrtsbetrieb auf der Saale wieder laufe.

Doch mit dem Schifffahrtsbetrieb und den Reparaturen ist es für Fischer und seine Angestellten nicht getan. "Es gibt Arbeiten zu erledigen, die wir vor einiger Zeit nicht erledigen mussten", sagt Dr. Helmut Fischer. Darunter fallen etwa das Freihalten der Fahrrinne, oder das Entsorgen von Treibgut. "Früher wurde das von staatlicher Seite erledigt", sagt Fischer rückblickend. "Das sind alles zusätzliche Belastungen für meine Leute neben ihren eigentlichen Aufgaben."

1923 ist die "Kissingen" in Dienst gegangen.