Dass die Chöre der Herz-Jesu-Gemeinde kurz vor Weihnachten zu einem Konzert in die Stadtpfarrkirche einladen, ist nicht nur wegen des Winterzaubers zu einer guten Tradition geworden. Und dass es bei den Menschen der Stadt einen großen Bedarf an weihnachtlicher Einstimmung gibt, an einem Zur-Ruhe-Kommen, zeigte einmal mehr der gute Besuch des Konzerts.

Wer kommt, weiß, was ihn erwartet, aber eben nur zum Teil. Natürlich hat sich bei der Kantorei im Laufe der Jahre ein Fundus an Liedern herauskristallisiert, auf den immer wieder zurückgegriffen wird. Das ist klar, denn es macht keinen Sinn, für jedes Programm wieder bei null zu beginnen. Und es gibt ja auch viele zeitlose Lieder, die man immer wieder gerne hört - es ist ja ohnehin nur einmal im Jahr - weil sie ganz einfach schön sind oder berührend. Aber es gibt jedes Jahr auch neue Einstudierungen oder Wiederaufnahmen lange nicht mehr gesungener Lieder. Das hält bei dem Chor die Spannung, gibt aber auch Sicherheit.

Das merkte man. Als Burkhard Ascherl den ersten Einsatz gab zu Josef Gabriel Rheinbergers "Ex Sion specie", setzte der gesamte Chor punktgenau mit voller Kraft ein. Da gab es kein Hineinschleichen, kein Warten auf den Nachbarn. Und diese Entschiedenheit behielt der Chor in allen fünf Liedern des ersten Blocks, sang mit intonatorischer Sicherheit und guter Balance der vier bis sechs Stimmen. Zwei Lieder fielen - neben "Übers Gebirg Maria geht" von Johann Eccard und "Gloria sei dir gesungen" von Johann Sebastian Bach - besonders auf: "Und unser lieben Frauen Traum", ursprünglich ein Lied aus dem Mittelalter, von dem Max Reger nur den Text übernommen und ihm eine neue Melodie unterlegt hat, hat einige harmonische Klippen, die der Chor sehr gut meisterte. Und bei "Machet die Tore weit" von Andreas Hammerschmidt fiel angenehm auf, dass es nicht emotionslos wie eine amtliche Verlautbarung gesungen war, sondern dass die drängende Aufforderung, die freudige Erwartung ihren deutlichen Ausdruck fand.

"JuLifa" ist die Abkürzung für "Junge Lieder für alle", sozusagen der "Beichor" der Kantorei. Ob "Sound of Silence", das Paul Simon vor 55 Jahren geschrieben hat, noch als jung gelten kann, kann man diskutieren. Aber der New Yorker Uzziah Christopher Burnap, der Tonsetzer von "Es war in tiefer Mitternacht", ist bereits vor 119 Jahren gestorben. Aber bei einem Weihnachtskonzert sollte man etwas großzügiger sein. Bei "Sound of Silence" sang der Chor noch ein bisschen vorsichtig, denn das hat relativ komplizierte Strukturen. Aber bei Burnaps Lied sowie "Was alle Zeiten sich erhoffen" (Thomas Pfeifer) und "Stehet still und lauert ein wenig" (Manfred Meier) war der Chor ganz bei sich und war auch eins mit der Keyboardbegleitung von Ute Stibor.

Der Jugendchor Herz-Jesu und Musikschule Bad Kissingen unter der Leitung von Brigitte Ascherl machte einmal mehr große Freude, weckte aber auch Bedenken. Große Freude darüber, wie gut sich der Chor stimmlich entwickelt. Da hat die Kantorei wirklich ein gutes Nachwuchsreservoir. Es sind ja nicht nur Spaß, Konzentration und Genauigkeit, mit denen der Chor Lieder wie "Das wünsch ich mir" (Ruthild Eicker-Grothe) oder " O Lord, I call you" (Michael Schmoll) sang. Es war auch und vor allem die für junge Leute nicht unbedingt erwartbare rhythmische Sicherheit, mit der sich der Chor absolut konturenscharf durch einen Block von vier Spirituals bewegte.

Bedenken deshalb, weil in dem Chor zwölf Mädchen und ein (in Zahlen: 1!) Junge singen. Was macht der aus der Sicht seiner Geschlechtsgenossen falsch? Offenbar gilt unter den Nachwuchsmännern die Devise: "Lieber Gameboy als Chorknabe". Das ist nicht besonders prickelnd und auch nicht sonderlich mutig.

Gemeinsam mit dem JuLifa-Chor hatten die jungen Leute noch Irving Berlins "White Christmas" in einem Satz von Albin Freibott und John Rutters "Der Stern zu Bethlehen einstudiert. Und JuLifa legte noch Audrey Snyders bekanntes "Winter Wonderland" "It"s a birthday" mit einem Satz von Wolfgang Mayerhofer nach.

Dann hatte die Kantorei ihren zweiten Auftritt mit zwei sehr schönen und bewegten Liedern von Wolfram Menschik, "Der Heiland" ist geboren" und "Es blühen die Maien" und - als stilistischer Kontrast - "Dem neugebornen Kindelein" des Renaissance-Komponisten Michael Praetorius. Und dann kam der absolute Weihnachtsklassiker, der nie fehlen darf, eines der Lieblingslieder der Kantorei: "In dulci jubilo" in einem sechsstimmigen Satz von Carl Thiel. Das war in seinem komplizierten Bau trotz der nicht ganz einfachen Akustik der Kirche wunderbar durchhörbar und textverständlich. Da zeigte sich, dass Weihnachtsfreude auch dann mit Begeisterung gesungen werden kann, wenn sie kompliziert gebaut ist.

Schluss war damit noch nicht. Gemeinsam mit der Gemeinde sangen alle Chöre Felix Mendelssohn-Bartholdys "Freut euch, Menschenkinder" und, jetzt wieder alleine, den anderen großen Weihnachtsklassiker: "Adeste fideles". Diese Aufforderung gab es auch noch mal als Zugabe.