´Fabian Knüttel hatte Termindruck. Seine Stollen für eine Ladeneinrichtung in Bad Brückenau mussten am Samstag noch fertig ausgepackt und bearbeitet werden. Am Montag ist Auslieferung. Auch Landrat Thomas Bold hatte Termindruck. Für ihn war es wieder einer dieser Tage, an dem er sich hätte zerteilen können. Er entschied sich für den "Tag des Handwerks" mit einem Besuch in Schondra bei Firma Möbel und Raum: Ein Treffen zum Gedankenaustausch mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Handwerk. Und er nahm einige Anregungen "mit nach Hause". Kreishandwerksmeister Werner Paltian: "Wir sind in Unterfranken unterpräsentiert", bemängelte er, und: "Das Handwerk bildet überproportional aus, zehn Prozent der Mitarbeiter sind Auszubildende." Um so mehr freute er sich, dass der Landrat mit seiner Präsenz zeigte, dass ihm die Handwerker am Herzen liegen. "Das Handwerk wird wahrgenommen", versicherte Bold, es habe riesige Bedeutung für den Landkreis. Die Arbeiten seien oft außerhalb des Landkreises, überregional.

Und schon war man mitten in der Diskussion, etwa über die Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen, kurz VOB. "Ich habe das auf Landkreisebene diskutiert" und sei nicht immer glücklich über diverse Bestimmungen. Zu viele Aufträge gingen nach außerhalb, Betriebe in den Gemeinden würden zu wenig, teils gar nicht berücksichtigt. Oft bekäme man nicht mal eine Aufforderung zur Angebotsabgabe, klagte nicht nur Albrecht Kimmel (Torbau Bad Brückenau). Architekt Stefan Richter (Bad Brückenau) nannte es schwer, gute Kontakte zur heimischen Wirtschaft zu unterhalten, ohne in den Verdacht von "Vetternwirtschaft" zu geraten. Der Vizepräsident der Handwerkskammer Unterfranken, Walter Heußlein, verstand zwar den Unmut, gab aber zu bedenken: "Die VOB soll auch davor schützen, dass die Handwerker gegeneinander ausgespielt und im Preis gedrückt werden." Und Bold sah die VOB aus dem Blickwinkel: "Es ist auch die Chance für einen Betrieb, außerhalb seines Gebietes einen Auftrag zu erhalten", denn die Aufträge im Landkreis reichten nicht für alle regionalen Betriebe.

Der Ruf der Handwerker

Gastgeber Thomas Schuhmann hinterfragte: "Woher kommt der schlechte Ruf der Handwerker?", in Sachen Pünktlichkeit zum Beispiel. Dafür habe er kein Verständnis. Auch beklagte er die mangelnden Kenntnisse in den Ämtern: "Ich erhielt eine haarsträubende Liste aus der Verwaltungsgemeinschaft", als er eine Aufstellung der Handwerksfirmen in Schondra anforderte. Er wünschte sich, dass das Bewusstsein für Handwerk, Wirtschaftskraft und Ausbildung über die Verwaltungen in die Bevölkerung hinausgetragen wird."

Manches passt noch nicht

Bereits bei der Vorbereitung der Veranstaltung hätten er und das Landratsamt gemerkt, "dass wir nicht ineinander greifen." Die Bürgermeister versprachen, für ihre Gemeinde vollständige Handwerkerlisten mit aktuellem Zahlenwerk zu erstellen. Schuhmann verwies auf das sehr gute Netzwerk der Handwerksbetriebe untereinander. "Dass heute so viele regionale Betriebe vertreten sind, zeigt, dass unsere Kommunikationswege funktionieren." Das wünsche er sich auch mit den Verwaltungen. Bold nahm die Anregung mit. Am Ende zeigte sich: alle wollen das Handwerk stärken, Arbeitsplätze schaffen, Aufträge in der Region halten, eine heimatnahe Ausbildung ermöglichen. Nur die Vernetzung passt noch nicht.

Der Geschäftsführer des Jobcenter Bad Kissingen, Rudi Fella, ermunterte: "Wenn es irgendwo drückt, muss man miteinander reden." Und weil Handwerkertag war, konnten die Gäste den laufenden Betrieb beobachten. Bold schaute Fabian über die Schulter. Der musste seinen Auftrag für Montag noch zu Ende bringen. Pünktlichkeit ist eine Handwerkstugend. Und auch Bold wollte pünktlich beim nächsten Termin sein.