Jetzt ist es also amtlich. Was der Buschfunk bereits gemeldet hatte, bestätigten gestern Oberbürgermeister Kay Blankenburg und Kuratoriumsvorsitzende Dorothee Bär bei einem Pressegespräch im westlichen Eckrisalit: der bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder ist neuer Schirmherr des Kissinger Sommers. Die Berufung war erforderlich geworden, weil sich Gründungsschirmherr Prof. Dr. Hans Maier nach 32 Jahren im vergangenen Jahr ins Privatleben zurückgezogen hatte: "Mit 87 Jahren muss das erlaubt sein", hatte er diesen Schritt begründet.
Die Berufung Söders war unumstritten: "Er war der absolute Wunschkandidat des Oberbürgermeisters, und das Kuratorium ist ihm einstimmig gefolgt", sagte Dorothee Bär. Und der Ministerpräsident habe auch gerne zugestimmt: "Es ist mir eine große Freude und Ehre, die Schirmherrschaft des Kissinger Sommers zu übernehmen", schrieb er in seiner Zusage.


Enge Beziehungen zur Stadt

Die Entscheidung, so Kay Blankenburg, trage der Tatsache Rechnung, dass Markus Söder enge Beziehungen zu Bad Kissingen habe: "Seine Großeltern haben sich hier kennen und lieben gelernt." Entscheidend sei allerdings sein Engagement für Bad Kissingen gewesen. Er sei oft in der Stadt gewesen, nicht nur 2016 zum Staatsempfang beim Kissinger Sommer in Vertretung von Horst Seehofer. Nicht zuletzt das Luitpoldbad in seiner heutigen Form sei ein Zeichen einer deutlichen Zuwendung: "Er wird vor allem von München aus das Festival mit seinen Beziehungen fördern."
Einen Wechsel gab es in der letzten Zeit nicht nur in der Intendanz und Schirmherrschaft. Auch in die Arbeit des Kuratoriums ist Bewegung gekommen, seit Dorothee Bär im vergangenen Frühjahr den Vorsitz von Reinhold Kreile übernommen hat. Zwei Dinge fallen dabei besonders auf: Es wird ab sofort jedes Jahr eine zweite Kuratoriumssitzung zwischen den Kissinger Sommern geben, um den "Output" zugunsten des Festivals zu erhöhen. Zum anderen ist es das Bestreben, das Kuratorium zu verjüngen und - das forderte auch Blankenburg - weiblicher zu machen.


Kissinger Heimspielerinnen

So nutzte die Vorsitzende die Gelegenheit, zwei neue Mitglieder vorzustellen, die beide Bedingungen erfüllen und weitere Gemeinsamkeiten haben: Beide sind auf dem medizinischen Sektor tätig und wohnen mit ihren Familien in Bad Kissingen. Dr. Lydia Poppe (37) ist niedergelassene Hautärztin. Sie stammt aus Brasilien, kam vor elf Jahren nach Deutschland, wo sie auch studierte, und lebt seit vier Jahren in Bad Kissingen. Stephanie Graf (33) ist gebürtige Bad Kissingerin und kam nach Abitur, Studium und einem kleinen Umweg in ihre Geburtsstadt zurück. Sie arbeitet als angestellte Zahnärztin für Kinderzahnheilkunde in einem Zahnärztlichen Zentrum im Landkreis.
Beide waren zunächst überrascht, als sie von Dorothee Bär gefragt wurden, ob sie Mitglieder werden wollen, aber sie haben gerne zugestimmt, weil sie sich zutrauen, die Stadt in ihrer Entwicklung über den Kissinger Sommer zu begleiten. "Ich habe schon sehr viel kulturellen Input in Brasilien bekommen, auf dem ich weiter aufbauen will", sagte Lydia Poppe.
Und Stephanie Graf will ihr Augenmerk darauf richten, den Kissinger Sommer populär und interessant zu halten: "Vielleicht gelingt es, für die Jüngeren mehr Anziehungspunkte zu schaffen." Ideen haben beide schon, die in der nächsten Sitzung diskutiert werden sollen. Das dritte Neumitglied ist weder weiblich noch jünger als die Vorsitzende. Intendant Dr. Tilman Schlömp gehört schon kraft seines Amtes dem Gremium an.
Allerdings haben sich auf eigenen Wunsch auch vier Mitglieder aus Alters- und Gesundheitsgründen aus dem Kuratorium verabschiedet: schon vor einiger Zeit Sir Roger Norrington und, ihm folgend, die beiden Komponisten Peter Ruzicka (Hamburg) und Udo Zimmermann (Dresden) sowie Andreas Eckhart, Präsident der Hindemith-Stiftung (Blonay/Schweiz). Alle vier haben ihre Absicht bekundet, dem Kissinger Sommer unterstützend treu zu bleiben.