Mit einem eindringlichen Appell für stärkeren Umweltschutz schloss Burkardroths scheidender Bürgermeister Waldemar Bug (ödp) am Dienstag seine letzte Bürgerversammlung in Gefäll. Allerdings waren nur 35 der aktuell 564 mit Hauptwohnsitz gemeldeten Dorfbewohner seiner Einladung ins Feuerwehrhaus gefolgt, wo sie von Ortssprecher Daniel Wehner begrüßt wurden.

Nach Jahren des Rückgangs scheint der Bevölkerungsschwund inzwischen leicht abgeschwächt, verwies Waldemar Bug auf den statistischen Kurvenverlauf. Etwa 500 Bürger habe die Gesamtgemeinde in den vergangenen 25 Jahren verloren. "Das ist ein ganzes Dorf." Doch auch 2018 standen noch 281 Wegzüge den nur 249 Zuzügen in der Gemeinde gegenüber wie auch 96 Sterbefälle den insgesamt 54 Geburten.

Kindergartenplätze sind gefragt

Die Nachfrage nach Kindergartenplätzen ist allerdings "in den vergangenen Jahren stetig nach oben gegangen". Sieben Kindertagesstätten betreuen derzeit 399 Kinder. Davon entfallen auf Gefäll fünf Krippen- und 18 Regelplätze. Auch für die Nachmittagsbetreuung von Grundschulkindern stellte der Bürgermeister "dringliche Bedarfsmeldungen aus der Elternschaft" fest. Eine Befragung habe Bedarf für 30 Kinder des 1. bis 3. Schuljahres sowie für 24 der künftigen Schüler in Lauter ergeben. Da es keine freien Kapazitäten mehr gibt, ist ein Kita-Anbau an der Lauterer Schule im Gespräch, doch ist die Frage nach dem Träger nicht geklärt. Die offene Ganztagsbetreuung in der Mittelschule wird aktuell von 81 Schülern genutzt, zu denen auch 13 Schüler der Kissinger Realschule gehören. Bug: "Unser Angebot wird also sehr gut angenommen."

Grüngitter auch privat unterstützen

Als herausragendes Projekt der interkommunalen Zusammenarbeit hob Bürgermeister Bug das von der Allianz "Kissinger Bogen" angestoßene Naturschutzprojekt "Grüngitter" hervor, das inzwischen vom Landkreis übernommen wurde. Die damit verbundene Aufforderung, zum Schutz der biologischen Vielfalt beizutragen, gilt nach Bugs Worten nicht nur für die Gemeinden, sondern für alle Einwohner auch auf ihrem Privatgrund. Die Gemeindeverwaltung arbeitet inzwischen schon "insektenfreundlich", in dem sie öffentliche Grünflächen nur noch "so wenig wie möglich, so viel wie nötig" mäht. "Ich bin in der Landwirtschaft groß geworden", erinnerte Bug seine Zuhörer an frühere Zeiten und forderte dazu auf, wieder mehr mit der Hand zu mähen und den Maschineneinsatz einzuschränken.

Als deutliches Zeichen des Klimawandels wertete Bug die extremen Regenereignisse in jüngerer Vergangenheit, die in der Gemeinde schon mehrmals zu Überschwemmungen geführt hatten. Deshalb beteiligt sich die Gemeinde mit 200 000 Euro am Projekt "Sturzfluten-Risikomanagement" zur Klärung der Fragen "was kann bei Starkregen wo passieren" und "was darf wo nicht passieren", das bis Mitte 2020 abgeschlossen sein soll.

Zum Abschluss seiner einstündigen Präsentation mit Anmerkungen zu allen wichtigen Themen des Jahres mahnte Bürgermeister Waldemar Bug mit einem warnenden Ausblick auf das Jahr 2040 eindringlich zu bewussterem Umgang mit natürlichen Ressourcen und zur Minderung der CO²-Emissionen. Er warnte vor Wasserknappheit und Ernteausfällen, vor stärkeren Sturzfluten und dem Anstieg des Meeresspiegels, vor Energiekrisen und -kriegen sowie einer sich aus allem ergebenden Völkerwanderung. Die Lösung sieht Bug allein im veränderten gesellschaftlichen Verhalten, in der Elektromobilität, in Wind- und Sonnenenergie.

Zwei Vertreter im Rat anvisiert

Ob nun ausgerechnet die 564 Einwohner von Gefäll die Welt retten können, wagte Ortssprecher Daniel Wehner zu bezweifeln. Ihn beschäftigte eher das kommende Jahr mit Backofenfest und Kommunalwahl. Wehner dankte den Jugendlichen für die geplante Durchführung des Ortsfestes und den Bau eines neuen Backofens. Zudem forderte er die Wahlberechtigten auf, sich als Kandidaten für die Liste Gefäll aufstellen zu lassen, "damit wir mindestens zwei Vertreter in den neuen Gemeinderat bekommen".

Die nächste Bürgersammlung der Gemeinde Burkardroth findet am Donnerstag, 24. Oktober, um 19.30 Uhr in Frauenroth im Gasthaus Wehner statt.