Sie waren früher in jeder Stadt und jedem Dorf zu finden: die gelben Telefonzellen. Doch mit dem Handy-Boom verschwanden sie nach und nach, heute findet man - wenn überhaupt - höchstens noch offene Fernsprecher, bei denen Vorübergehende jedes Wort mithören können. Die gelben, öffentlichen Telefonzellen sind Geschichte.

Es gibt Leute, die vermissen sie. "Ich wollte so eine gelbe Telefonzelle aus nostalgischen Gründen haben", sagt Heidemarie Koeniger-Bauer, Mitinhaberin der Edeka Marktes in der Unteren Au. Sie und Inhaber Elmar Bauer bedauerten, dass sie komplett aus dem Bild verschwunden sind. Es stand natürlich die Frage im Raum, was man denn mit so einem Ding anfängt, wenn es erst einmal da ist. Da Heidemarie Koeiniger-Bauer unzählige Bücher besitzt und sie so etwas ähnliches gesehen hat, war klar: die Telefonzelle wird eine Büchertauschbörse. Im Gegensatz zum existierenden Objekt im Landkreis sollte es aber unbedingt eine Telefonzelle in Originalfarbe sein.

"Wir haben dann im Internet recherchiert", sagt die Mitinhaberin. Schnell war klar: Die alten Telefonzellen sind nicht etwa entsorgt worden. Sie lagern auf einem Areal in Michendorf südlich von Berlin, nahe Potsdam. Bei einem Anruf kam die Ernüchterung. "Uns wurde gesagt, dass der Kauf schriftlich beantragt werden muss und dass es ein bis zwei Jahre dauern kann." Mit so einer Aussage lässt sich Heidemarie Koeniger-Bauer allerdings nicht abspeisen. "Wir sind hartnäckig geblieben, am Ende ging es doch ein wenig schneller." Inzwischen, so ist aus Medienberichten zu erfahren, seien die gelben Zellen ausverkauft. Lediglich ihre Nachfolger (grau mit Logo in Magenta) seien noch lieferbar.

Als endlich die Zusage kam, standen die Bauers vor der Wahl. "Entweder man holt die Zelle selbst ab, oder man nimmt einen angebotenen Service in Anspruch", so Elmar Bauer. Dieser Service beinhaltet die Lieferung und das Aufstellen einschließlich des Sockels. "Wir haben uns für den Service entschieden." Aber damit war es nicht getan. Die Telefonzellen sind zwar mit Beleuchtung ausgestattet, aber ans Stromnetz müssen sie auch noch angeschlossen werden. Und weil es ja eine Bücherzelle werden sollte, brauchte es Regale von einem Schreiner. "Beide Aufträge sind an heimische Unternehmer gegangen." Die Inhaber holten sich von Edeka noch das Einverständnis, das Logo auf der Telefonzelle platzieren zu können. Heidemarie Koeniger-Bauer hat zunächst einmal ihre eigenen Bücher in die Regale gestellt. Davon hat sie sehr viele und zum Wegschmeißen seien sie ja viel zu schade, meint Elmar Bauer. Nach kürzester Zeit lagen dann auch schon die ersten fremden Bücher drin. "Darüber habe ich mich extrem gefreut", sagt die Mitinhaberin.

In Zukunft werden sich die Bauers um die Pflege der Telefonzelle samt der Bücher kümmern. Sie sind froh, dass sie nun steht und bei den Leuten gut ankommt. Immerhin zwei Jahre sind von der Ursprungsidee bis zur Einweihung vergangen, und ganz billig war das Ganze auch nicht. Die Intention dahinter: "Es soll Spaß machen", meint Elmar Bauer. Seine Frau erinnert daran, dass es eine Tausch-Börse ist. Wer sich ein Buch nimmt, sollte auch eins hineinlegen. Aber: "Wenn einmal jemand kein Buch zum Tauschen hat, ist es auch in Ordnung."

Und was sagen die Münnerstädter dazu? "Ich finde die Bücherzelle klasse, weil es zeigt, dass sich die Bauers da Gedanken gemacht haben, etwas Originelles für Mürscht zu schaffen, was man sonst vielleicht nur aus der Großstadt oder vermeintlich coolen/hippen Orten kennt - aber doch nicht in Mürscht", sagt beispielsweise Claudia Kind. Das zeige doch wieder mal deutlich, was für gute Ideen in Münnerstadt herumschwirren und wie unkompliziert sie umgesetzt werden. "Ich bin gespannt, ob und wie es funktioniert. Ich hoffe, dass die Bücherzelle genutzt wird und werde auf jeden Fall schauen, was ich reinlegen kann."