Die Rhön und der Reichsarbeitsdienst (RAD) - das ist eine besondere Beziehung, die Gerhard Schätzlein in seinem 430 Seiten starken Buch untersucht hat. Bei einer Vorstellung in der Bad Kissinger Stadtbibliothek wurde die Entwicklung des RAD und seine Bedeutung für die Entwicklung der Region dargestellt.

Gabriele Reichert, Leiterin der Bücherei, stellte den Ex-Lehrer und ehrenamtlichen Bürgermeister von Wilmars vor.

Bei seinem Werk "Der Reichsarbeitsdienst in der Rhön von 1932 - 1945" konnte der Autor auf Texte, Fotoalben und Karten zurückgreifen, die ihm Zeitzeugen und deren Nachkommen zur Verfügung gestellt haben. So seien in seinem Buch 1000 Bilddokumente erarbeitet, sagte Gerhard Schätzlein.

Die fränkische, hessische und thüringische Rhön war eines der Haupteinsatzgebiete des Reichsarbeitsdienstes, der 1931/32 als "freiwilliger Arbeitsdienst" (FAD) gegründet wurde, "um die Arbeitslosigkeit einzudämmen". Anfangs waren es regionale Zuordnungen von jungen Männern, für die man keine Lagerbauten benötigte. Getragen wurde der FAD von kirchlichen und sozialen Vereinigungen, wogegen der, im Zuge der Machtübernahme und der anschließenden Gleichschaltung 1933 entstandene RAD ab 1935 zu einem Pflichtdienst wurde.

Kost, Logis und Taschengeld

Mit Fotos dokumentiert Gerhard Schätzlein den Sitz der RAD-Gruppe 283 in Bad Kissingen im Kurhaus "Burgschlösschen", wo später das Kurheim Regina (heute Hescuro) seinen Platz fand. Von hier aus wurde die fränkische Rhön verwaltet. Ein weiterer Gruppensitz war in Mellrichstadt. Aufnahmen zeigten das Heidelstein-Denkmal, das 1934 von RAD-Männern errichtet und eingeweiht wurde. 1964 wurde es demontiert.

Die 17- bis 18-Jährigen wurden in die RAD-Lager befohlen, wo es neben freier Kost, Logis und Kleidung ein Taschengeld von 50 Pfennig pro Tag gegeben habe. Dort waren sie in Baracken kaserniert. Mit der Vereidigung war man sechs Monate im RAD und hatte einen festen Tagesablauf: Wecken, Appell, Unterricht, Frühsport und Arbeitsbeginn. Dazwischen gab es eine Brotzeit, abends wurde das "Mittagessen" ausgegeben.

Eingesetzt war man zum Roden, Anpflanzen, Anlegen von Entwässerungsgräben oder auch als Erntehelfer. Der Morgenunterricht war eine politisch-ideologische Schulung.

Ab 1931/32 gab es auch den weiblichen Arbeitsdienst, der ab 1935 Pflicht und Voraussetzung für ein Studium war. Die "Arbeitsmaiden" wurden auf dem Lande als Haushalts- und Erntehelfer eingesetzt. Es gab "Maiden-Lager", deren Führerinnen pädagogisch geschult waren. Deshalb hätten viele an diese Zeit gute Erinnerungen, so Gerhard Schätzlein.

Einsatz an allen Fronten

Im Krieg wurden die jungen Frauen und Männer immer stärker in den Dienst für die Front einbezogen: als Hilfskrankenschwester, Industriearbeiterin bei der Munitionsherstellung, Helfer bei der Flugabwehr oder als Pioniere an allen Fronten. "Der Reichsarbeitsdienst hat einen hohen Blutzoll bezahlt."