In der Diskussion um einen dritten Nationalpark im Freistaat machen sich die Landesverbände des Bund Naturschutz (BN) in Bayern und Hessen für die Rhön stark - als länderübergreifenden "Biodiversitäts-Nationalpark". Zwar sollten die Donau-/Isarauen als möglicher Standort in der Prüfung bleiben. Aus fachlicher Sicht aber gebe man der Rhön klar den Vorzug, sagte der bayerische BN-Vorsitzende Hubert Weiger am Montag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Jörg Nitsch, Vorstandssprecher des BUND Hessen, in Würzburg.


Schutz von Buchenwäldern

Die 10 000 Hektar eines Nationalparks sollen in das 240 000 Hektar große Biosphärenreservat integriert werden. Für den BN hat der Schutz natürlicher Buchenwälder Vorrang, "hier haben wir in Deutschland Defizite", so Weiger. Deshalb habe man sich zunächst für einen Nationalpark im Steigerwald eingesetzt - er soll langfristig auf der Agenda bleiben, "dann eben als vierter Nationalpark".
Die Naturschützer bedauern, dass Steigerwald und Spessart von der Staatsregierung "aussortiert" wurden. Gleichzeitig unterstreichen sie den Kabinettsbeschluss für einen dritten Nationalpark. Weiger warnt: "Eine Regierung unter Ministerpräsident Söder ist gut beraten, dieses Ziel nicht aufzugeben."
Umfragen hätte gezeigt, dass die Bevölkerung in Bayern mehrheitlich einen weiteren Nationalpark will, "und zwar nicht nur in den Städten, sondern auch in den ländlichen Regionen". Und in der Rhön? Hier stünden die meisten Gemeinden im möglichen Nationalparkgebiet hinter dem Projekt, berichteten die beiden BN-Kreisvorsitzenden Susanne Richter (Rhön-Grabfeld) und Franz Zang (Bad Kissingen).
Allerdings gebe es auch organisierten Widerstand. Dieser basiere in vielen Fällen auf falschen Annahmen und Befürchtungen - und gezielter Fehlinformation. Dagegen ist laut BN-Landesbeauftragtem Richard Mergner nur wenig bekannt, dass in einem Nationalparkgebiet auch langfristig 25 Prozent der Fläche bearbeitet werden dürfen.
Deshalb, so die BN-Forderung, sollten vom Umweltministerium nun zügig Fachgruppen einberufen werden, um die verschiedenen Aspekte von Biodiversität über Forstwirtschaft, Jagd, Tourismus bis hin zu Industrie und Handwerk zu diskutieren. Nationalpark-Befürworter und -Gegner aus den Verbänden sollen hier an einem Tisch sitzen. "Nur so können wir diffuse Ängste abbauen", meint Richter.
Der BN erwartet einen politischen Grundsatzbeschluss für den Nationalpark-Standort im nächsten Jahr, noch vor der Landtagswahl. Landeschef Weiger hält nicht nur die politischen Voraussetzungen in der Rhön für günstig. Dort fänden sich hochwertigste Buchenwald-Lebensräume mit einer einmaligen Artenvielfalt.


Flächen tauschen

Die Rhön verfügt laut BN noch über kilometerlange naturnahe Buchen-, Eichen- und Schluchtwald-Gesellschaften mit alten, artenreichen Laubholzbeständen. Einen Zwiebelzahnwurz-Buchenwald gebe es in ganz Bayern nur in der Rhön, ebenso den letzten außeralpinen Bestand des Birkhuhns.
Der Nachteil dort für einen Nationalpark: Es fehlt an einem großen zusammenhängen Gebiet in Staatsbesitz. Es wäre durch Tausch mit kommunalen Flächen herzustellen - etwa bei Bad Kissingen oder am Südhang des Kreuzberges. Hier seien Verhandlungen mit den Gemeinden zu führen, genauso über den finanziellen Ausgleich für die Bayerische Staatsforsten. Es gehe nicht um Privatflächen. Auf hessischer Seite kämen Kernflächen des bestehenden Naturschutzgebiets hinzu, etwa im Bereich des Roten Moores.
Der hessische BUND geht laut Vorstandssprecher Nitsch von rund 2000 Hektar als mögliches Nationalparkterritorium aus. Man unterstütze das Projekt bei der Landesregierung und Ministerpräsident Volker Bouffier. Damit würde sich der bayerische Nationalparkanteil auf 8000 Hektar verkleinern, von denen drei Viertel, also 6000 Hektar, aus der Bewirtschaftung fielen. "Das sollte doch bei einer Waldfläche von 91 000 Hektar in den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld machbar sein", zeigt sich BN-Vertreter Franz Zang zuversichtlich.
Einen konkreten Gebietsvorschlag will der Bund Naturschutz nicht machen. Dies sei dem Freistaat vorbehalten, es handele sich um einen öffentlichen Auftrag. Weiger: "Die Gebietskulisse muss jetzt konkretisiert werden. Die Zeit ist reif." Andreas Jungbauer