Die Bühne wird zum politischen Präsentierteller, als Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) und sein Herausforderer Michael Heppes (CSU) sie betreten. Scheinwerfer leuchten die beiden Spitzenkandidaten für die Oberbürgermeisterwahl in zweieinhalb Wochen perfekt aus. Kein Stirnrunzeln, kein schiefes Lächeln, keine Handbewegung bleibt verborgen. Alles ist sichtbar.

Dafür sorgt auch die große Videoleinwand im Saal, auf der die beiden Politiker und die Moderatoren der Podiumsdiskussion überlebensgroß und immer wieder auch in Nahaufnahmen gezeigt werden. Alles ist sichtbar, bis in die hinterste Reihe des im Dunkel liegenden Großen Saals. Die knapp 900 Zuschauer bekommen jedes Detail mit. Wahlkampf hautnah.

Auch für die Kandidaten. Sowohl Amtsinhaber Kay Blankenburg als auch Michael Heppes laufen Minuten vor der Veranstaltung rastlos durch die Stuhlreihen, schütteln Hände, begrüßen Bekannte und Parteifreunde, die sie unterstützen. Beide sind darum bemüht, ihre Nervosität zu überspielen.




Angespannte Politiker
Draußen im Foyer ist die Anspannung ähnlich groß. Die Leute unterhalten sich angeregt, das Stimmenwirrwarr übertönt alles andere.

Auf der Bühne legen Blankenburg und Heppes mit jeder vergangenen Minute ihre Nervosität mehr und mehr ab. "Sachlich und fair", stellt Moderator Paul Ziegler (Saale Zeitung) das Motto des Abends vor. Die Kandidaten halten sich daran, scheuen sich aber auch nicht vor politischen Attacken. Das kommt gut an. "Ich fühle mich besser unterhalten, als bei manchem Theaterabend", meint SPD-Stadtratskandidatin Christina Scheit.

Sowohl Michael Heppes als auch Kay Blankenburg scheinen sich vorab eine klare Strategie zurecht gelegt zu haben, die sie konsequent verfolgen: Heppes wirft dem Oberbürgermeister immer wieder vor, dass er während seiner Amtszeit zu wenig bewegt habe. "So schlecht aufgestellt war Bad Kissingen noch nie", kritisiert er. Bei der Kur zonensatzung habe sich sechs Jahre lang nichts getan, die Kernstadt vernachlässige die Stadtteile, es müsse endlich wieder alles belebt werden. "Bei der Wahlentscheidung ist die Bilanz maßgeblich und nicht wie etwas sein könnte", sagt Heppes.

Souveräner Oberbürgermeister
Blankenburg lässt sich davon allerdings nicht aus der Reserve locken, sondern zählt die Veränderungen auf, die in den letzten sechs Jahren angestoßen wurden: Dass sich Bad Kissingen als Unesco-Weltkulturerbe bewirbt beispielsweise, dass das Luitpoldbad abgerissen und zum Behördenzentrum umgebaut wird, dass die Stadt einen neuen Kurdirektor hat und dass es jetzt nach drei Jahren Ungewissheit konkrete Zusagen des Freistaates für das ehemalige Steigen berger Areal gibt. "Die Stadt hat ihre Hausaufgaben gemacht", sagt Blankenburg. Trotz aller Kritik geraten die Kandidaten nie wirklich heftig aneinander, bei einigen Standpunkten sind sie sich im Gegenteil sogar einig: Das Bad Kissinger Hallenbad müsse in fünf Jahren saniert werden, die Stadt benötige ein neues Industriegebiet, der Alte Reitersteg müsse erhalten bleiben.

Gretchenfrage Laudenbach
Der Herausforderer gerät ins Schwimmen, als er auf die Personalpolitik der CSU und seine Bewerbung als Spitzenkandidat angesprochen wird. Es misslang ihm, schlüssig zu erläutern, warum er kandidiert und warum Nikolaus Fuchs sich überraschend zurückgezogen hatte. Pluspunkte sammelt Heppes wenig später bei der Gretchenfrage, die ihm Moderator Siegfried Farkas (Main Post) stellt: "Wie hält es die CSU mit Ex-OB Karlheinz Laudenbach?" Heppes bleibt souverän und geht nicht auf die provokante Frage ein. "Ich denke nicht, dass das hierher gehört", wehrt er ab. Dafür erhält er starken Applaus aus dem Publikum.

Nach etwas mehr als zwei Stunden und drei Fragerunden ist Schluss. Die Zuschauer erlebten einen souveränen und rhetorisch gut aufgelegten Oberbürgermeister sowie einen im Tonfall ruhigen und nüchternen Herausforderer. Wer sich besser eignet, entscheidet der Wähler in gut zwei Wochen.