Kochen, waschen, putzen. Das ist das klassische Bild, das die meisten Menschen vom Beruf der Hauswirtschafterin haben (Hauswirtschafter gibt es eher selten). "Der Beruf ist viel breiter angelegt", sagt der Schulleiter des Berufsbildungszentrums Münnerstadt, Harry Koch. Deshalb ist aus der Berufsfachschule für Hauswirtschaft auch die Berufsfachschule für Ernährung und Versorgung geworden. "Und das ist kein Etikettenschwindel", findet der Schulleiter. Die neue Bezeichnung werde durch das Berufsbild aufgearbeitet.

Es wird aufgetafelt

Zwei Stockwerke über dem Schulleiterzimmer sind die Auszubildenden der Klasse 12 a dabei, die kommunale Personalversammlung vorzubereiten. Es wird eine wunderschöne Tafel dekoriert. Natürlich gibt es etwas zu essen, in der Küche schwitzen die jungen Frauen an den Herden. Gemütlicher haben es da schon die drei Auszubildenden, die Gestecke herrichten, im adventlichen Flair, versteht sich um diese Zeit. Wenig später werden andere junge Frauen die Tafel festlich herrichten. Das alles und noch viel mehr gehört zum Ausbildungsberuf. Für die Auszubildenden der nachfolgenden Jahre wird es noch ein bisschen mehr werden.

Harry Koch erklärt es so: "Waren die Hauswirtschafterinnen bisher schon Spezialisten für hauswirtschaftliche Versorgungsleistungen, so werden jetzt in der Ausbildung die Inhalte auf Betreuungsleistungen für Familien, Kinder und Jugendliche, Senioren, Kranke sowie Menschen mit Behinderungen erweitert." Und damit verbreitet sich der Einsatzbereich, und es erhöhen sich die Chancen auf einen Arbeitsplatz nach der Ausbildung, die schon jetzt so schlecht nicht sind.

Viele Einsatzmöglichkeiten

Private Haushalte, Dienstleistungszentren, Ganztagsschulen, Kindergärten Krankenhäuser, Kureinrichtungen Seniorenheime, Reinigungsunternehmen, Catering, Kantinen und Beherbergungsbetriebe sind nur einige der vielen Möglichkeiten.

Erreicht wird die breitere Ausbildung unter anderem durch Belegung von Wahlpflichtfächern in der 11. und 12. Klasse. Mehr Ausbildung bedeutet definitiv auch mehr Schule, nämlich vier Wochenstunden und zwei Wochen Praktikum in den Ferien für dieses Fach. Die Schule hat die Möglichkeit, den Schwerpunkt selbst zu bestimmen. Für die 11. Jahrgangsstufe steht die Spezialisierung schon fest: "Grundversorgung, Bildung und Erziehung von Kindern". Bei entsprechendem Abschluss können die jungen Frauen als Tagesmutter arbeiten oder einfach im Haushalt, in dem sie helfen, die Kinderbetreuung mit übernehmen.

Für die 12. Jahrgangsstufe ist die Entscheidung noch nicht getroffen. "Projektorientiertes Arbeiten (Planung und Durchführung von Veranstaltungen, Herstellen und Vermarkten von Produkten etc.) und "Grundversorgung und Betreuung alter, erkrankter Menschen" mit der Zusatzqualifikation "Alltagsbegleiterin" stehen momentan oben auf der Liste. Eins davon wird es werden. Andere Möglichkeiten kommen für das Münnerstädter BBZ nicht in Frage: "Hauswirtschafterin im gehobenen Haushalt" sei als Zusatzqualifikation wohl eher etwas für München als für Unterfranken, meint der Schulleiter.

Auf zwei Jahre verkürzt

Noch viel mehr hat sich geändert: Wer mit dem Realschul-Abschluss an die Berufsschule kommt, kann die Ausbildung auf zwei Jahre verkürzen. Weiterbildungsmöglichkeiten gib es viele, teilweise auch ohne den mittleren Schulabschluss. Technikerin, Familienpflegerin, Meisterin - das alles ist drin - auch Betriebswirtin und Fachlehrerin für Ernährung und Gestalten. Oder wie wäre es mit dem Bachelor für Ernährungs- und Versorgungsmanagement oder Lebensmitteltechnologie? Der Beruf ist eben mehr als kochen, waschen und putzen.